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Was bedeutet Erasmus für mich?

Die Deutsch-Türkin Dilber Öztürk studiert gerade Zahnmedizin in Istanbul. Der Weg zum Austauschjahr führte über Erasmus. Für Öztürk ist Erasmus der "ideale Weg" Menschen und Kultur des Landes kennenzulernen.

Dilber Öztürk im Gespräch mit Ulrike Burgwinkel | 14.06.2012
    Ulrike Burgwinkel: Jetzt bleiben wir beim Erasmus-Jubiläum, allerdings bewegen wir uns in einer Art Dreisprung zwischen München, Istanbul und Bonn. In Bonn findet heute und morgen das offizielle Fest zum 25. Geburtstag des Austauschprogramms statt. Gefeiert wird mit einer Tagung, mit vielen Lob- und Dankesreden, mit Bilanz und Ausblick - und mit der Verleihung diverser Auszeichnungen. Besonders geehrt wird heute die 400.000 Erasmus-Austauschstudentin. Sie heißt Dilber Öztürk und ist von Istanbul über München nach Bonn gereist. Ich hab mit ihr gesprochen und sie natürlich zuerst einmal beglückwünscht.

    Dilber Öztürk: Danke schön!

    Burgwinkel: Sie studieren Zahnmedizin im letzten Jahr an der Ludwig-Maximilians-Uni in München, sind aber derzeit in Istanbul im Austausch. Wie ist es eigentlich dazu gekommen, Frau Öztürk?

    Öztürk: Ja, das war folgendermaßen: Erasmus-Programm Zahnmedizin ist, sprich Universität Istanbul, ist neu dazu gekommen, seit drei Semestern. Als ich das gehört hatte, habe ich mich sofort für dieses Programm beworben. Ich wollte schon immer ein Erasmus-Jahr machen, und da ich Deutsche mit türkischen Wurzeln bin, mit türkischer Herkunft, war es mir eine besondere Ehre, an diesem Programm teilzunehmen.

    Burgwinkel: Nun ja, Sie sprechen die Sprache, daher ist es für Sie auch wahrscheinlich besonders angenehm, in Istanbul sein zu können. Ist denn da irgendwas ganz anders oder ganz neu für Sie jetzt?

    Öztürk: Ja, es sind ganz große Unterschiede zwischen den beiden Universitäten, besonders zwischen den beiden Fakultäten. Die Istanbuler Universität ist einer der größten Universitäten in der Türkei, und die zahnmedizinische Fakultät ist ja die größte in Istanbul. Sie ist auch dementsprechend alt, und unsere Fakultät, unsere Zahnklinik ist sehr, sehr neu, wurde auch vor fünf Jahren renoviert und neu eingerichtet. Natürlich war das für mich am Anfang ein bisschen schwierig. Und auch inhaltlich, die Lehre ist anders und die Wissenschaft, andere Forschungsgebiete, aber natürlich auch die Basis ist gleich. Es war für mich schon sehr fremd am Anfang, aber man gewöhnt sich ja an alles.

    Burgwinkel: Ich würde gern auch wissen, was denn dieser Austausch nach Istanbul - das ist für Sie ja wahrscheinlich was ganz Besonderes, da hinzugehen -, was es für Sie ganz persönlich bedeutet, dort zu sein.

    Öztürk: Für mich war es besonders wichtig, auch in der Türkei ein Alltagsleben zu führen, die Türkei als mein, in Anführungszeichen, "mein zweites Mutterland" kennenzulernen und dort eben auch die Kultur und die Lebensweise, die Denkweise der Menschen näher kennenzulernen. Und es ist ja so: Ein Auslandsstudium ist einfach der ideale Weg, über ein anderes Land, also dessen Menschen und die Kultur, zu erfahren, und für mich war die Auslandserfahrung in der Türkei besonders. Persönlich zähle ich das als einen wichtigen Teil meiner akademischen Karriere und eine einmalige Möglichkeit, die Türkei näher kennenzulernen und dann noch auf der Universitätsebene.

    Burgwinkel: Was haben Sie denn für Pläne für die Zeit nach Erasmus? Sie nehmen ja eine Menge mit, wie Sie gerade schon beschrieben haben, an persönlichen Erfahrungen. Wie sieht's nachher aus?

    Öztürk: Ich möchte erst mal - nach dem Studium möchte ich eine Weiterbildung zur Kieferorthopädie machen, das ist ja eine Facharztrichtung und eine Facharztausbildung, und dann möchte ich international arbeiten, wenn es natürlich möglich ist zwischen Deutschland und der Türkei. Das wäre so mein Herzenswunsch.

    Burgwinkel: Dann wünsche ich Ihnen, dass Sie diesen Herzenswunsch sich erfüllen können.

    Öztürk: Ja, vielen herzlichen Dank!

    Burgwinkel: Ich danke Ihnen für das Gespräch!

    Öztürk: Ich danke Ihnen auch!

    Burgwinkel: Dilber Öztürk war das, die 400.000 Erasmus-Austauschstudentin.

    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.