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Spionageverdacht bei der Bundeswehr
Was bisher über den Fall bekannt ist

Ein abgehörtes Gespräch von Bundeswehroffizieren setzt das Bundesverteidigungsministerium unter Druck. Wurde die Bundeswehr von Russland ausgespäht? Wir fassen zusammen, was bisher bekannt ist.

    Marschflugkörper Taurus KEPD 350 an einem Kampfjet der Bundeswehr
    In dem mutmaßlich abgehörten Gespräch soll es um den Einsatz von Taurus-Marschflugkörpern (im Bild an einem Kampfjet der Bundeswehr) in der Ukraine gegangen sein. (picture alliance / abaca / ABACA)
    Zunächst hatten mehrere Medien über eine brisante Veröffentlichung der russischen Plattform "Russia Today" berichtet. Dort war gestern ein 38-minütiger Audio-Mitschnitt ins Netz gestellt worden. Darin ist ein Gespräch ranghoher Offiziere der Luftwaffe zu hören, in denen es um theoretische Einsatzmöglichkeiten der Taurus-Marschflugkörper in der Ukraine ging.

    Verteidigungsministerium bestätigt Echtheit

    Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte inzwischen die Echtheit des Audio-Materials. Ein Gespräch im Bereich der Luftwaffe sei abgehört worden, sagte ein Sprecher. Man könne aber nicht ausschließen, dass dieses verändert worden sei. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.
    Bei der offenbar am 19. Februar mitgehörten Internet-Konferenz sollte eine Stellungnahme für Bundesverteidigungsminister Pistorius vorbereitet werden.
    Die Offiziere reden unter anderem über die Frage, ob Taurus-Marschflugkörper technisch theoretisch in der Lage wären, die von Russland gebaute Brücke zur Halbinsel Krim zu zerstören. Ein weiterer Punkt ist die Frage, ob die Ukraine den Beschuss ohne Bundeswehrbeteiligung bewerkstelligen könnte.

    Brisante Aussagen

    In dem Mitschnitt ist auch die Rede davon, dass Großbritannien im Zusammenhang mit dem Einsatz seiner an die Ukraine gelieferten Storm-Shadow-Marschflugkörper "ein paar Leute vor Ort" habe. Gerade erst hatte es in diesem Zusammenhang in Großbritannien Verärgerung gegeben über eine Äußerung von Bundeskanzler Scholz. Dieser hatte kürzlich gesagt, was an Zielsteuerung und an Begleitung der Zielsteuerung vonseiten der Briten und Franzosen gemacht werde, könne in Deutschland nicht gemacht werden. Was er genau damit meint, ließ Scholz offen. Der Satz wurde aber von einigen als Hinweis verstanden, Franzosen und Briten würden die Steuerung ihrer an die Ukraine gelieferten Marschflugkörper Storm Shadow und Scalp mit eigenen Kräften unterstützen. Ein Sprecher des britischen Premierministers Rishi Sunak dementierte das umgehend.
    Diese Nachricht wurde am 02.03.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.