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Was der "Generation Mitte" wichtig ist

Es gibt viele Alterskategorien mit denen die Industrie und Wissenschaft hantieren. Auch die "Generation Mitte" gehört dazu. Die will das Allensbach-Institut entdeckt haben. Für die deutsche Versicherungswirtschaft untersuchten die Forscher, was sich die 30- bis 59-Jährigen in Deutschland wünschen, was sie bewegt, was sie besorgt.

Von Anja Nehls | 28.08.2013

    Vor dem Berliner Reichstagsgebäude warten die Besucher auf Einlass. Mittendrin eine kleine Familie aus Süddeutschland: sie Ende Dreißig, er Anfang Vierzig, zwei kleine Kinder. Der Berlin-Besuch war ein langgehegter Wunsch, aber wichtiger als Reisen sind den beiden andere Dinge:

    "Gesundheit ist mir als erstes wichtig und dass ich gut leben kann mit meinen Kindern. Für mich ist wichtig, dass die Balance zwischen meinem Privat- und Berufsleben ziemlich gut stimmt. Gesundheit natürlich mit ganz oben. Dass ich eine Arbeit habe, ist mir wichtig."

    Die Wünsche entsprechen genau den Ergebnissen der aktuellen Allensbach Umfrage über die Lebenssituation, Hoffnungen und Sorgen der 30- bis 59-Jährigen. Fast 1500 Menschen sind dafür im Auftrag des Gesamtverbands der deutschen Versicherer befragt worden. Dabei fällt auf, dass diese Generation ihre aktuelle wirtschaftliche Lage und auch ihre Zukunft überwiegend positiv einschätzt. Dr. Renate Köcher vom Allensbach Institut hat aber auch Sorgen und Ängste entdeckt:

    "Dass so diese Sicherheit irgendwann zerbröckeln könnte, gerade auch so die materielle Basis zerbröckeln könnte und da hat mich erstaunt, wie wenig langfristig man doch plant und ich glaube, das ist auch eine Entwicklung der letzten Jahre, dass so dieses Gefühl von Planungssicherheit und Kalkulierbarkeit deutlich nachgelassen hat."

    Grund dafür sei die wechselhafte wirtschaftliche Lage der vergangenen Jahre, von Finanzmarktblase bis Eurokrise und die daraus folgende Unsicherheit. meint Renate Köcher. Bei den 30- bis 39-Jährigen haben sich erst gut ein Drittel der Befragten mit dem Thema Altersvorsorge auseinandergesetzt. Auch die Mutter in der Warteschlange ist einfach optimistisch:

    "Das geht irgendwie weiter. Ich habe da nicht so Existenzängste, überhaupt nicht, nein, das läuft irgendwie."

    Die Dame neben ihr nickt zustimmend. Sie ist ein wenig älter und geht fest davon aus, im Alter Abstriche machen zu müssen:

    "Natürlich ist das immer ein Problem, ob das jetzt Mieten sind oder irgendwelche anderen Ausgaben, wenn ich das noch decken kann, dann ist es o.k., aber wenn das überkippt, sodass ich nur noch für diese lebensnotwendigen Dinge schaue, dass Geld da ist, das ist schon schwierig. Obwohl ich glaube, dass der Mensch sich sehr zurücknehmen kann in seinen Bedürfnissen."

    Das wiederum ist eine Steilvorlage für die Versicherer, die die Studie zum Anlass nehmen für private Vorsorge zu werben, besonders bei Frauen. Dr. Alexander Erdland:

    "Frauen verlassen sich zu oft auf ihre Männer, denn die Scheidungsrate ist hoch, Arbeitsplatzverlust auch bei Männern, Tod des Partners. Also hier auch bei Frauen eine eigene Vorsorge, gemeinsam auch in einer gut funktionierenden Ehe aufzubauen, ist, glaube ich, eine wichtige Erkenntnis, die wir aus dieser Studie ziehen müssen."

    Altersvorsorge ist immer noch eher ein Männer- als ein Frauenthema. Aber auch die Männer verlassen sich nicht mehr ausschließlich auf die gesetzliche Rente. Weil sie wirtschaftlich im Durchschnitt besser dastehen als ihre Frauen, falle ihnen das auch leichter, sagen die beiden Berlin Besucher:

    "Da habe ich eigentlich ausreichend vorgesorgt und mit 25 schon meine erste Lebensversicherung abgeschlossen und da muss ich mir eigentlich keine Sorgen machen. Wenn man früh anfängt zu arbeiten, kontinuierlich nach oben und sich vielleicht Eigentum sichert, dann müsste das ausreichen."

    Hoffentlich. Immerhin glauben über die Hälfte der 30- bis 59-Jährigen fest daran, dass ihre wirtschaftliche Lage in der Zukunft gleich bleibt, 17 Prozent der Befragten sogar, dass sie sich verbessert.