Überblick
Was ist der "Wirtschaftsrat der CDU"?

Seit dem Wochenende läuft eine angeregte Debatte über umstrittene Vorschläge zur Sozialpolitik einer Vereinigung, die sich selbst "Wirtschaftsrat der CDU" nennt. Der Name assoziiert zunächst, es handele sich um einen offiziellen Teil der Partei. Tatsächlich aber geht es um einen eigenständigen Verein.

    Das Bild zeigt das Logo des Wirtschaftsrats Deutschland. Der Schriftzug steht auf einer Glastafel, die an einer Fassade montiert ist.
    Das Logo des Wirtschaftsrats Deutschland (imago images / Sascha Steinach )
    Der Titel auf der Homepage-Startseite des eingetragenen Vereins lautet zunächst lediglich "Wirtschaftsrat Deutschland". Ebenso lautet die Bezeichnung auf dem offiziellen Logo (siehe Foto). Auf der erläuternden Unterseite zum Verband selbst findet sich dann die erweiterte Bezeichnung "Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. — Die Stimme der Sozialen Marktwirtschaft". Konkreter wird es schließlich auf einer weiteren Unterseite zum Leitbild der Vereinigung, auf der wie folgt klargestellt wird: "Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. ist rechtlich selbstständig und politisch unabhängig. Als unternehmerischer Berufsverband sind wir keine Teilorganisation der Partei CDU, erhalten von ihr keine finanzielle Unterstützung und leisten auch umgekehrt keine. Über diese klare Trennung wachen unsere Wirtschaftsprüfer und die deutsche Finanzverwaltung. Wir sind ein eingetragener Verein und finanzieren uns durch unsere Mitglieder."

    Kritik von Lobbycontrol

    Dass es sich bei dem Verein nicht um eine offizielle Partei-Vereinigung der Christdemokraten handelt, hat beispielsweise auch der Deutschlandfunk in seinen Nachrichten-Meldungen regelmäßig betont, etwa um möglichen Fehleindrücken vorzubeugen. Die Organisation Lobbycontrol sieht in dem Wirtschaftsrat lediglich einen Lobbyverband und forderte von der CDU regelmäßig eine Distanzierung und kritisiert: "Anders als der Name es vielleicht erscheinen lässt, ist der Wirtschaftsrat einer der größten Unternehmenslobbyverbände in Deutschland." Dieser vertrete zudem "einseitige Arbeitgeberinteressen". Auf der Seite des Vereins heißt es dazu: "Wir bieten Unternehmern und Unternehmen eine Plattform, die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik in Deutschland mitzugestalten und haben den Mittelstand fest im Blick. Der Wirtschaftsrat vertritt die Interessen der unternehmerischen Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit." Formuliert wird auch ein Leitbild, mit dem man für eine "nachhaltige und erfolgreiche Wirtschaftspolitik im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhards" stehe.
    In einer von Lobbycontrol veröffentlichten Studie wird Kritik von Parteienrechtlern geäußert, die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Status des Wirtschaftsrates haben, der "ständiger Gast" im CDU-Bundesvorstand sei. Wörtlich ist darin unter anderem von einer "Verunreinigung der parteiinternen Willensbildung" die Rede. Auf der Webseite des CDU-Bundesvorstandes werden lediglich die offiziellen Mitglieder aufgelistet. Dort finden sich auch die Vorsitzenden tatsächlicher Partei-Vereinigungen wie etwa der Senioren-Union, der Frauen-Union, der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), der Jungen Union und der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT). Offizielle Vertreter des Wirtschaftsrats finden sich dort nicht.
    Der CDA-Vorsitzende Radtke bezeichnete den Wirtschaftsrat zuletzt gar als "Gruppe Privilegierter", die ohne eigenen Beitrag anderen Verzicht vorschlage. Der CSU-Vorsitzende Söder hatte sich hingegen in einem ARD-Interview offen für eine Debatte über die Vorschläge gezeigt.
    Hier finden Sie den Link zuM vom Wirtschaftsrat als ”Agenda” bezeichneten Forderungskatalog.
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    Diese Nachricht wurde am 02.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.