Nach tödlichen Schüssen
Was ist die US-Einwanderungsbehörde ICE - und wie hat Trump sie verändert?

Nach den tödlichen Schüssen auf eine 37-Jährige in Minneapolis weiten sich die Proteste in den USA gegen die Einwanderungsbehörde ICE und die Regierung von Präsident Trump aus. Was ist ICE überhaupt und wie hat die Regierung von Präsident Trump sie zur einer der wichtigsten Behörde der USA umgebaut?

    Mitarbeiter der US-Zollbehörde nehmen einen jungen Ausländer fest.
    Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE bei einer Razzia. (Archivbild) (dpa-picture-alliance/Polizeifoto)
    Der vollständige Name der ICE lautet "United States Immigration and Customs Enforcement", zu Deutsch etwa "Einwanderungs- und Zollbehörde der Vereinigten Staaten". Gebildet wurde sie im Jahr 2003 - nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 - aus der damaligen Einwanderungsbehörde INS. Sie ist die größte Polizei- und Zollbehörde des US-Heimatschutzministeriums und hat ein breit gefächertes Aufgabenspektrum im Bereich der Einwanderungskontrolle und Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen. Die Hauptaufgaben sind dabei die Festnahme und Abschiebung von Migranten ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung.

    ICE-Budget unter Trump verdreifacht

    Das Jahresbudget der Behörde mit mehr als 400 Standorten in den USA und im Ausland wurde unter Präsident Trump mehr als verdreifacht: von ursprünglich acht Milliarden US-Dollar auf mehr als 26 Milliarden pro Jahr. Die Zahl der Mitarbeiter soll von 20.000 auf mindestens 30.000 erhöht werden.
    Die "Special Agents" und "Federal Inspectors" verfügen dabei über weitreichende Ermittlungsbefugnisse. Anders als die lokalen Polizeibehörden sind die Bundesbeamten befugt, Personen festzunehmen und im Gefängnis zu behalten, schon während der Fall bearbeitet wird, sowie abzuschieben, wenn sie gegen Einwanderungsgesetze verstoßen haben. Die US-Regierung stellte ICE unter anderem Gesundheitsdatensätze zur Verfügung, aus denen sich Ethnie und Privatadressen von Millionen Menschen auslesen lassen. Der von konservativen Richtern dominierte Supreme Court setzte im September zudem eine richterliche Anordnung für Südkalifornien vorläufig aus. Diese hatte der Einwanderungsbehörde ICE untersagt, Menschen ohne hinreichenden Verdacht auf einen illegalen Aufenthalt und nur aufgrund ethnischer Merkmale zu kontrollieren oder festzunehmen.

    Einsätze brutal und öffentlichkeitswirksam inszeniert

    Zwar gibt es das ICE schon seit mehr als zwanzig Jahren, doch unter Präsident Trump ist das Vorgehen der Beamten deutlich schärfer geworden. In vielen Städten erfolgten Festnahmen in Gerichten bei Anhörungen zum Aufenthaltsstatus sowie in und vor Schulen oder Krankenhäusern. Immer wieder wurden auch Menschen mit gültigem Aufenthaltsstatus Berichten zufolge fälschlicherweise festgenommen und brutal behandelt.
    Der ehemalige ICE-Direktor Sandweg bezeichnete es kürzlich im Online-Magazin "Politico" als "so noch nie erlebte landesweite Einwanderungskontrollmaßnahme". Zwar behandelten die meisten ICE-Beamten Menschen mit Würde, doch die Trump-Regierung habe die Razzienstrategie verschärft, was zu breit angelegten und wahllosen Durchsuchungen führe, um möglichst viele Festnahmen zu erzielen - unabhängig von der Vorstrafenlage der Betroffenen. Neu sei zudem auch die öffentlichkeitswirksame Inszenierung der Einsätze und Festnahmen, sagte er.

    Nicht der erste Schusswaffen-Zwischenfall

    Die tödlichen Schüsse auf die 37-jährige Renee Good in Minneapolis sind nicht der erste derartige Zwischenfall bei einem ICE-Einsatz. US-Medienberichten zufolge sollen Beamte in den vergangenen Monaten bis zu sechsmal auf Menschen geschossen haben. So feuerten ICE-Mitarbeiter etwa am Heiligabend in der Stadt Maryland auf zwei illegale Einwanderer in ihrem Auto, obwohl Kinder in der Nachbarschaft spielten und die Festnahme mitansehen mussten. Schon mehrfach kam es zu regionalen Protesten gegen die Einwanderungsbehörde.
    Diese Nachricht wurde am 11.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.