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Was kostet Öko-Energie?

Während der Verband der Elektrizitätswirtschaft VDEW beim Öko-Strom von massiv wachsenden Belastungen für die Privathaushalte wegen der staatlichen Förderung spricht, weist der Bundesverband Erneuerbare Energien dies deutlich zurück. Die Umlage für Öko-Strom bleibe stabil, auch im nächsten Jahr, heißt es dort. Aufklärung, was die Interpretation der Zahlen angeht, könnte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden liefern, das am Mittwoch die umweltökonomische Gesamtrechnung für dieses Jahr präsentiert hat.

Von Dieter Nürnberger |
    Es geht tatsächlich um abgesicherte, um seriöse Zahlen, die das Statistische Bundesamt soeben vorgelegt hat. Und diese Zahlen werden in Zukunft nun herangezogen werden können, um zu argumentieren. Und diese Zahlen und Statistiken lösen sozusagen viele Einzeldaten aus Einzelerhebungen ab, die das ganze Jahr über für Interpretationen sorgten. Um was geht es bei dieser umweltökonomischen Gesamtrechnung 2005? Es geht darum, Entwicklungen aufzuzeigen, und zwar orientiert an der von der Bundesregierung 2002 beschlossenen Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Insgesamt geht es da um 21 Indikatoren, sieben davon sind umweltbezogene Indikatoren. Und die Statistiker schauen darauf, wie diese Nachhaltigkeitsziele sind und vergleichen sie mit dem, was ist, wie es wirklich aussieht. Man kann daran sehen, ob die Ziele erreicht werden können oder nicht. Und im Schnitt kann gesagt werden, dass die nachhaltige Entwicklung In Deutschland in die richtige Richtung geht. 4 Ziele können wohl erreicht werden. Bei den anderen holpert es etwas. Ein wichtiger Indikator sind die Treibhausgasemissionen. Wie viel schädliches Klimagas wird da in Deutschland in Luft gepustet? Jahrelang konnte kräftig verringert werden. Johann Hahlen, der Präsident des Statistischen Bundesamtes, sagt jetzt aber Folgendes:

    " Allerdings müssen wir feststellen, dass wir seit dem Jahr 2000 in Deutschland keinen Rückgang bei den Treibhausgasemissionen mehr haben. Und wenn das so bliebe, dann würde wahrscheinlich das Kyoto-Ziel bis 2010 knapp verfehlt werden. Allerdings erinnere ich auch daran, dass sich in den vergangenen Monaten die Preise für Erdöl um 46 Prozent, für Ergas um 43 Prozent, verteuert haben."

    Und diese Preissteigerungen könnten dazu führen, dass viele Leute vielleicht auch ihr Auto beispielsweise mal stehen lassen - und somit wieder weniger C02 in die Atmosphäre gelangen würde. Aber ganz klar: Deutschland präsentiert sich immer wieder gern als Vorreiter beim Klimaschutz - dann aber wäre ein Scheitern beim Kyoto-Ziel schon blamabel. Es wird somit recht eng.

    Ein anderer Titel, den man sich gern verleiht, ist der des Weltmeisters bei den Erneuerbaren Energien. Das scheint wirklich zu funktionieren. Die Zahlen zeigen dies:
    " Bei den Erneuerbaren Energien gibt es das Nachhaltigkeitsziel, dass diese bis 2010 am Primärenergieverbrauch in Deutschland 4,2 Prozent ausmachen sollen, an der Stromerzeugung 12,5 Prozent. Die bisherige Entwicklung lässt den Schluss zu, dass dieses Ziel bis 2010 gut erreichbar sein wird."

    Ein anderes Umweltproblem in Deutschland ist weiterhin der große Flächenverbrauch. Das heißt eine ursprüngliche Landschaft wird mehr und mehr zerstört, durch Straßen- und Wohnungsbau, auch durch andere Zersiedlung. Hier geht es darum, den täglichen Zuwachs dieser Flächen zu stoppen. Ein altes Problem, was politisch etwa auch durch ein Kürzen der Eigenheimzulage oder der Pendlerpauschalen diskutiert wird. Und auch hier zeigen die Zahlen, dass Diskutieren halt nicht ausreicht. Der bisherige Erfolg bei diesem Problem ist eher gering. Noch einmal Statistik-Chef Johann Hahlen:

    " Hier ist das Nachhaltigkeitsziel im Zeitraum 1993 bis 2002 auf einen täglichen Verbrauch an Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland von rund 30 Hektar pro Tag zu kommen. Bislang ist der Rückgang des Flächenverbrauchs noch zu gering. Der Rückgang an Flächenverbrauch müsste pro Tag einen Hektar größer werden, wenn man dieses Ziel einigermaßen erreichen wollte."

    Statistik ist langweilig, sagen viele, aber ohne sie lässt sich eben auch nicht richtig argumentieren. Zwei positive Ergebnisse noch. Die Energieproduktivität und auch die Rohstoffproduktivität - da zeigen die Zahlen für Deutschland deutlich in die richtige Richtung.