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StartseiteUmwelt und VerbraucherWasser in Schacht Konrad18.06.2012

Wasser in Schacht Konrad

Geochemiker hält das Endlager für ungeeignet

Die Deponie droht abzusaufen, Wasser dringt ein. Das Atommüll-Lager Asse soll deswegen geräumt werden, als Alternative bietet sich das ehemalige Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad an, es liegt ganz in der Nähe im Stadtgebiet von Salzgitter. Doch in Schacht Konrad dringt offenbar noch mehr Wasser ein als in die Asse.

Von Susanne Schrammar

Diskussion um Endlager geht weiter.  (dpa / picture alliance / Jens Wolf)
Diskussion um Endlager geht weiter. (dpa / picture alliance / Jens Wolf)

Georg Ehring: Der breiten Öffentlichkeit war dies bisher nicht bekannt. Susanne Schrammar in Hannover - was passiert genau in Schacht Konrad?


Susanne Schrammar: Der Geochemiker Ralf Krupp, der auch als Gutachter bei Asse-Schließung der Asse als Berater tätig ist, befürchtet, dass zulaufendes Wasser im Schacht Konrad dazu führen könnte, dass die Grube nach der Einlagerung des Atommülls volllaufen könnte. Schacht Konrad, das erste in Deutschland genehmigte Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall – soll ja vermutlich 2019 an den Start gehen, dann beginnt die ca. 35jährige Einlagerungsphase. Und wenn die Abfälle dort endlagern, vermutet Krupp, dass die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle mit Wasser in Kontakt kommen könnten: dass sie korrodieren, dass sich Gas bildet und dass Radionuklide so ins Grundwasser und damit in die Biosphäre kommen könnten:

"Diese Gase werden einen hohen Überdruck aufbauen und dieser Überdruck kann dann dazu führen, dass das kontaminierte Grubenwasser über Wegsamkeiten herausgepresst wird."

Schrammar: Der Punkt bei Krupp ist, dass er davon ausgeht, dass sich radioaktiv verseuchtes Wasser schon innerhalb von Jahrzehnten einen Weg an die Oberfläche bahnen könnte, doch das wird vom Betreiber von Schacht Konrad zurückgewiesen. Hier heißt es, es würde mehrere Hunderttausend Jahre dauern, bis im schlimmsten Fall etwas herausdringen könnte.

Ehring: Auch in der Asse dringt Wasser ein und die soll deswegen sogar geräumt werden - ist der Wassereinbruch in Schacht Konrad damit vergleichbar?

Schrammar: Es stimmt, sagt das Bundesamt für Strahlenschutz, dass pro Tag 16,3 Kubikmeter Wasser in den Schacht Konrad eindringen und es könne auch sein, dass der Atommüll damit eines Tages in Kontakt kommt – das ist auch nichts Neues, das war auch Bestandteil der aufwändigen Langzeitsicherheitsanalyse, die es für die Asse übrigens nie gegeben hat. Aber es gebe einige entscheidende Unterschiede: Wir haben bei Schacht Konrad kein schon ausgebautes, löchriges und instabiles Salzbergwerk wie die Asse, in das eingelagert werden soll, sondern es handelt sich hierbei um einen noch unverbauten Teil eines ehemaligen Erzbergwerks. Die Grube gilt als wesentlich stabiler als die Asse und sie hat vor allem eine 400 Meter dicke dichte Tonschicht als Barriere zur Biosphäre, sagt das BfS. Der entscheidende Punkt ist: Das Wasser in Schacht Konrad komme – anders als bei der Asse - nicht von außen und werde deshalb auch keinen Weg nach außen finden. Florian Emrich vom Bundesamt für Strahlenschutz:

"Bei Schacht Konrad haben wir eingeschlossene Meereswässer, die bei der Entstehung des Gesteins entstanden sind und diese haben keinen Kontakt zum Grundwasser oder zur Biosphäre. Das ist eine grundlegend andere Situation, als wir sie bei der Asse haben."

Schrammar: Im schlimmsten Fall, davon gehen die Experten aus und widersprechen Krupp hier deutlich, könne frühestens nach 300.000 Jahren das Wasser sich einen Weg nach außen bahnen.

Ehring: Was heißt das für die Endlager-Debatte - eventuell auch für hochradioaktiven Abfall?

Schrammar: Es ist glaube ich so, dass Atomkraftgegner und die Menschen aus der Region Salzgitter, die sich seit Jahrzehnten gegen Schacht Konrad als Endlager wehren, dass die es gerne hätten, dass im Zuge der aktuellen Endlagerdebatte für hochradioaktive Abfälle auch Schacht Konrad nochmal auf den Prüfstand kommt. Das Genehmigungsverfahren hat vor 20 Jahren angefangen, mit dem damaligen Stand der Technik, heute gibt es teilweise andere wissenschaftliche Ansichten. Zum Beispiel wird das Vorhandensein von Wasser bei einem Standort für hochradioaktiven Abfall vermutlich als Ausschlusskriterium gelten. Das nehmen die Konrad-Gegner zum Anlass, um auch hier das Verfahren nochmal aufrollen zu wollen. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass dies passiert, denn hier ist das Genehmigungsverfahren längst abgeschlossen und es wurde auch höchstrichterlich vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. Es erscheint mir also eher unwahrscheinlich, dass die Politik dieses Fass wieder aufmacht, ich denke, Schacht Konrad wird kommen.

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