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StartseiteUmwelt und VerbraucherMarathon-Schwimmtour im Zeichen der Forschung25.07.2014

Wassertest im RheinMarathon-Schwimmtour im Zeichen der Forschung

Andreas Fath ist Leistungssportler und Wissenschaftler und möchte den Rhein durchqueren. Von der Quelle bis zur Mündung wird er mehr als 1.200 Kilometer zurücklegen. Täglich wird er etwa 50 Kilometer schwimmen und dabei Wasserproben entnehmen. Mehrere mobile Forschungslabore unterstützen ihn dabei und analysieren die Proben.

Andreas Fath im Gespräch mit Susanne Kuhlmann.

Das Rheintal mit dem Loreleyfelsen. (picture-alliance / dpa / Thomas Frey)
Schwimmtour von der Rheinquelle bis zur Mündung - Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen startet seine vierwöchige Forschungsreise. (picture-alliance / dpa / Thomas Frey)
Weiterführende Information

Shell-Rheinland-Raffinerie - Das Leck und seine Folgen (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 30.04.2014)
Rheintal - Initiativen fordern EU-Maßnahmen gegen Schienenkrach (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 29.04.2014)
Stadt-Land-Fluss - Der Karlsruher und sein Rhein (Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 21.03.2014)

Susanne Kuhlmann: Kolibakterien und andere Keime - als vor 26 Jahren der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer den Rhein durchquerte, war das kein reines Vergnügen. Und heute? Das möchte Andreas Fath herausfinden, Professor für Chemie und Analytik an der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg. Als bestens trainierter Schwimmer und als Wissenschaftler peilt er die lange Distanz an, von der Quelle bis zur Mündung, mehr als 1.200 Kilometer, und am Montag geht es los. Acht-Stunden-Tage im Wasser stehen ihm bevor, täglich etwa 50 Schwimmkilometer. Herr Fath, guten Tag.

Andreas Fath: Guten Tag, Frau Kuhlmann.

Kuhlmann: Sie sagen, unter anderem mit Verweis auf die Strömungen, der Rhein werde Sie auf die Probe stellen. Sie den Rhein aber auch, zum Beispiel in puncto Wasserqualität. Ist das Rhein-Wasser denn nun reines Wasser, oder zumindest reineres als früher?

Fath: Rheines Wasser, aber mit H geschrieben. Rein ohne H ist es sicherlich nicht. Es gelangen heutzutage sehr viel mehr Schadstoffe in den Rhein als früher. Wie hoch die Konzentrationen sind im Vergleich zu vergangenen Zeiten, kann ich noch nicht sagen. Das möchten wir ja herausfinden. Es gibt zwar auch tägliche Überwachungsstationen entlang des Rheins, aber wir werden eine Komplettbeprobung machen, indem ich einen Sampler auf dem Rücken trage, der permanent alle Schadstoffe aufnimmt, mit denen ich selbst in Kontakt gerate.

Hormone, Röntgenkontrastmittel und Süßstoffe finden sich im Rhein wieder

Die Wasserqualität hat sich sicherlich verbessert, seit Herr Töpfer von dem Boot ins Wasser gesprungen ist, auch seit der Herr Pechstein 1969 in den Rhein gesprungen ist. Seitdem haben wir viel mehr Kläranlagen, die die Abwässer reinigen. Allerdings schaffen die nicht, alle Schadstoffe aus dem Abwasser zu eliminieren. Perfluorierte Tenside werden nicht zu 100 Prozent eliminiert, auch Arzneimittelrückstände werden wir finden in den Gewässern, und da müssen einfach in Zukunft andere Systeme bereitgestellt werden oder entwickelt werden, da ist man ja auf dem Weg dahin, sprich neben der physikalischen Reinigung, der biologischen und der chemischen auch noch eine vierte Behandlungsstufe anzusetzen an den Kläranlagen, einige haben das schon getan, mit einer Ozonierung oder mit einer A-Kohle-Filtration. Das wäre ein Schnittpunkt zu ihrem vorhergehenden Beitrag. Die A-Kohle wird natürlich dann zugesetzt, muss irgendwann verbrannt werden, das wäre dann wieder schlecht für die CO2-Bilanz. Es gibt aber auch noch andere Methoden. Da möchte ich ein elektrochemisches Verfahren in den Vordergrund stellen und auch überprüfen, ob das nicht auch andere Schadstoffe, die wir da finden, neben den perfluorisierten Tensiden, wo es sich bewährt hat, ob man mit diesem System nicht Arzneimittelstoffe, Hormone, Röntgenkontrastmittel, Süßstoffe, die auch in den Fluss gelangen, durch unsere Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, beseitigen kann. All das wird nicht hundertprozentig abgebaut in den Kläranlagen.

Wie viel Crystal Meth befindet sich im Rhein?

Kuhlmann: Sie sind Leistungssportler. Aber um die Wasserqualität zu testen, könnten doch einfach an verschiedenen Stellen Proben gezogen werden wie sonst auch. Welche Vorzüge hat denn Ihre Selbsterfahrungsmethode?

Fath: Das sagte ich ja bereits, dass ich ein Fasergeflecht auf dem Rücken oder am Unterschenkel befestigt haben werde, was kontinuierlich alles aufnimmt, nicht stoßweise Schadstoffe absorbiert. Und das zweite ist, dass wir auch nach sogenannten Non-Target-Materialien untersuchen werden. Da werde ich unterstützt von einem renommierten Wasserforschungsinstitut in der Schweiz, von der Eawag, die auch die Proben dann hinterher bearbeitet, und da werden wir sehen, wenn einige Peaks auftauchen, die man noch nicht zuordnen kann in der Spektrumdatenbank, durch Analyse der Massenspektren quasi zu ermitteln, um welche Stoffe handelt es sich denn bei diesen noch nicht bekannten. Da hat sich einiges getan, gerade im Bereich der Amphetamine. Crystal Meth ist zum Beispiel eine Droge, eine Designer-Droge, die es sicherlich zu Töpfers Zeiten noch nicht gab im Rhein.

Professor Andreas Fath trainiert im Schwimmbad für den geplanten Rhein Marathon. (Thomas Wagner)Professor Andreas Fath trainiert im Schwimmbad für den geplanten Rhein Marathon. (Thomas Wagner)

Kuhlmann: Wie muss man sich das vorstellen? Fährt ein transportables Labor neben Ihnen her?

Fath: So kann man sich das vorstellen. Ich habe ja auch alle meine sechs Sinne dabei. Wenn ich geschmacklich irgendetwas Verändertes feststelle, werde ich natürlich direkt eine Probe nehmen. Wir sind motorisiert, ein Motorboot haben wir dabei, da ist ein kleines Labor mit installiert. Wie gesagt, es werden Proben genommen, die gleich vor Ort analysiert werden durch sogenannte Schnelltests: Nitratgehalt, Sauerstoffgehalt, pH-Wert. So was kann man sehr schnell abgreifen. Andere kompliziertere Stoffe, Ethinylestradiol beispielsweise, der Wirkstoff der Anti-Baby-Pille, da bedarf es längerer Zeit, um diesen Stoff zu quantifizieren. Und eine vorhergehende Trennung muss natürlich auch stattfinden. Das wird dann an den Instituten gemacht, die uns dankenswerterweise auch begleiten. Die Eawag hatte ich genannt, aber das Technologiezentrum Karlsruhe ist noch mit dabei, dann die Firma Wetsus in Holland, die sich um die Schwermetalle kümmert, dann die Firma Synion, die sich um Bakterien und Viren kümmert. Habe ich jemand vergessen? Es sind einige Institute mit dabei.

Kuhlmann: Das elektrochemische Verfahren, das Sie anfangs angesprochen haben, das, denke ich, soll in Zukunft auch eine Rolle spielen.

Fath: Das möchte ich entwickeln. Wie gesagt, ich habe in meiner vorhergehenden industriellen Tätigkeit was entwickelt im Bereich der Galvanik-Abwässer. Dort treten diese Stoffe auch auf. Und das hat sich bewährt, dass man damit diese Schadstoffe innerhalb kürzester Zeit durch elektrischen Strom, den man ja über Solarzellen auch gewinnen kann - dann wird es ganz ökologisch -, zersetzen kann. Und ich denke, dass dieses System noch andere Talente hat, und da möchte ich jetzt gerne auf diese Schadstoffe, die wir im Rhein finden, zunächst die Aufklärungsarbeit leisten und dann im Anschluss daran meine nächsten 15 Jahre, die ich noch an der Hochschule bin und mich mit Forschungsthemen beschäftige, gerade im Bereich der Abwasserbearbeitung, da möchte ich mich um dieses Thema kümmern.

Kuhlmann: Marathon-Schwimmtour von der Rheinquelle bis zur Mündung - Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen startet seine vierwöchige Forschungsreise der ganz besonderen Art am kommenden Montag. Ihnen, Herr Fath, und Ihrem Team alles Gute.

Fath: Kann ich gebrauchen. Vielen Dank, Frau Kuhlmann.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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