
In der 100. Ausgabe der Sendung "Die Anstalt" geht es am 21. Juli um politische Radikalisierung und Demokratie. Dazu sollte es eine musikalische Performance von Danger Dan und Levit mit dem Song geben, in dem der "Widerstand gegen Rechtsextremismus" thematisiert wird. Im Anschluss war eine Diskussion geplant.
ZDF sieht in Songtext Aufruf zur Gewalt
Das ZDF hatte zunächst in einer Mitteilung erklärt, der Text könne als Aufruf zur Gewalt verstanden werden. Dies stehe im "klaren Widerspruch" zu den eigenen Programmrichtlinien. Inzwischen verteidigte der Sender seine Entscheidung: Man habe sich die Entscheidung der Absage nicht leicht gemacht, sagte eine ZDF-Sprecherin der Katholischen Nachrichten-Agentur. Nach intensiver redaktioneller Bewertung, in die auch das Justiziariat des ZDF eingebunden gewesen sei, sei man zu dem Schluss gekommen, "dass der Text des Liedes als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden kann, der Selbstjustiz propagiert und rechtswidrige Taten und Gewalt nicht ausschließt".
Auf welche Passagen im Song sich der Vorwurf des Aufrufs zur Gewalt genau bezieht, teilte das ZDF zunächst nicht mit. "Keine Angst" wurde in der Nacht auf Freitag veröffentlicht.
"Aspekte"-Sondersendung angekündigt
Das ZDF kündigte inzwischen an, sich in einem Sonderprogramm mit dem umstrittenen Lied auseinanderzusetzen: Dessen Ausssage erfordere „eine gründliche journalistische Einordnung und Befassung, die das ZDF an anderer Stelle leisten werde", teilte der Sender in Mainz mit. In einer Sonderausgabe der Kultursendung "Aspekte" werde sich der Sender morgen "dokumentarisch-journalistisch" mit dem Lied von Danger Dan und dessen Thema 'Widerstand gegen Rechtsextremismus' zu befassen“. Auch das Team der „Anstalt“ werde sich in seiner betroffenen Ausgabe am kommenden Dienstag kritisch mit der Ausladung auseinandersetzen.
"Keine Angst" gibt Anleitung zum Kampf gegen Nazis und Faschisten
Der Text ruft im Kern zum Kampf gegen Nazis und Faschisten auf, bevor sie "in den Parlamenten und auf der Straße erstarken". Er liest sich wie eine Art Anleitung, wie man sich dafür zusammenschließen kann, ohne ins Visier der Rechtsextremisten oder der Sicherheitsbehörden zu geraten. Dazu brauche es vor allem eine geheime Kommunikation über geplante und durchgeführte Aktionen, "Alles was verboten sein könnte immer Face to Face" heißt es wörtlich. "Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang", singt Danger Dan und "Lasst euch nicht erwischen". Und am Ende schickt er "liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk". Damit dürften die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei ihrer Mitstreiter gemeint sein, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.
Danger Dan: Ausladung hat politische Gründe - Zensur-Vorwurf gegen das ZDF
Danger Dan - sein bürgerlicher Name ist Daniel Pongratz - erklärte auf Instagram, er und Levit hätten bisher vom ZDF keine offizielle schriftliche Begründung für die kurzfristige Ausladung erhalten. Das Lied habe dem Sender bereits seit Wochen vorgelegen. Es handle sich dabei um einen Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit, die Entscheidung habe politische Gründe. Dem ZDF warf er Zensur vor. Es sei ein furchtbares Zeichen, dass ZDF-Intendant Himmler anfange, antifaschistische Lieder zu zensieren, sagte Dan dem Magazin „Spiegel“.
Das Team der Sendung "Die Anstalt" kritisierte die Entscheidung der ZDF-Intendanz auf Instagram als mutlos und distanzierte sich davon. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Beuster, schrieb auf Linkedin, man müsse den Song und den Inhalt nicht gut finden, aus seiner Sicht sei er aber von der Kunstfreiheit gedeckt. Wer die AfD ins Programm ein- und Danger Dan auslade, habe Angst oder ein Problem mit seinem Kompass, erklärte Beuster.
Deutschlandfunk-Redakteur Smarzoch: "Politisches Kampflied"
Deutschlandfunk-Musik-Redakteur Raphael Smarzoch ordnet Danger Dans umstrittenen Song "Keine Angst" dem Genre des linken politischen Kampflieds zu. Seiner Ansicht nach stehe das Lied in der Tradition von Bert Brecht, Hanns Eisler oder Ton Steine Scherben, sagte Smarzoch im Deutschlandfunk Kultur. Es sei jedoch kein Gemeinschaftslied, sondern spreche eine kleine konspirative Gruppe an. Als Beleg dafür nannte Smarzoch Danger Dans Grüße an die gewalttätige, sogenannte Hammerbande, auch als Antifa-Ost bekannt.
Diese Nachricht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
