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Wegweiser durch den Finanzierungsdschungel

An vielen Hochschulen wird das Studium künftig vom ersten Semester an kostenpflichtig. Viele Studienwillige werden sich die Ausbildung nur noch mit einem Kredit finanzieren können. Sparkassen und Banken werben sich bereits mit speziellen Angeboten um die neue Kundschaft. Das Centrum für Hochschulentwicklung CHE hat jetzt diese Studienkredite jetzt unter die Lupe genommen.

Moderation: Lothar Guckeisen |
    Lothar Guckeisen: Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Studienkreditangeboten. Wer sie im Programm hat und vor allem was sie taugen, hat das Centrum für Hochschulentwicklung CHE untersucht. Markus Langer, Autor der Studie. Wie breit ist denn das Angebot? Können Studenten aus dem Vollen schöpfen?

    Markus Langer: Ja, das Angebot ist mittlerweile doch beachtlich. Das haben wir jetzt relativ schnell auch feststellen müssen. Zum einen, Sie sprachen gerade den Kontext der Studiengebühren an, gibt es natürlich die Angebote der entsprechenden Bundesländern, wo die Studiengebühren eingeführt werden, wo es sehr günstige Kredite gibt, um genau diese Studiengebühren zu refinanzieren. Das ist in aller Regel aber eben genau an diese Studiengebührenrefinanzierung gebunden. Und darüber hinaus haben wir beispielsweise eben das bundesweite Angebot der KfW, was an den Markt gegangen ist und was bundesweit eben auch oder gerade für die Lebenshaltungskosten zur Verfügung stehen soll und darüber hinaus beobachten wir eben mittlerweile Großbanken wie Dresdner und Deutsche Bank, die sich dort engagieren. Es gibt seit einiger Zeit schon den Studienfonds von Career Concept, der entsprechend Lebenshaltungskosten und auch Studiengebühren refinanzieren kann. Und wir haben sehr viele lokale Angebote, die von den Sparkassen vor allen Dingen und auch von Volks- und Raiffeisenbank bundesweit getragen werden.

    Guckeisen: Sie haben ja gerade das Wesentliche unterschieden. Zum einen die bundesweit verfügbaren Kredite und auf der anderen Seite so genannte Landesdarlehen oder regionalbezogene Kredite. Was heißt das eigentlich konkret für mich als Student?

    Langer: Na, für Sie als Student heißt das zunächst einmal, wenn Sie Studiengebühren zahlen müssen, dann wird Ihnen jeweils von dem Land die Möglichkeit eingeräumt, dort einen vergleichsweise günstigen Kredit zur Refinanzierung genau dieser Studiengebühren aufnehmen zu können. Das heißt in Nordrhein-Westfalen beispielsweise wird das kommen, in Baden-Württemberg, in Niedersachsen, in Hamburg und in Bayern auch. Das ist das Erste. Das ist aber nur ein relativ kleiner Betrag. Was hier im Übrigen noch unklar ist, ist die Frage, wenn man jetzt das Bundesland wechselt, wie sich dann im Grunde genommen das verhält, ob man dann ein neues Vertragsverhältnis eingehen muss mit einer anderen Bank, das muss man sehen.

    Guckeisen: Das ist also noch nicht geklärt? Das ist ja eine entscheidende Frage eigentlich auch, weil der Wechsel gehört eigentlich auch dazu.

    Langer: Wobei das eigentlich nur eine Frage ist, wie komfortabel das Ganze funktioniert, denn in dem Moment, wo sie in ein anderes Land wechseln, was Studiengebühren verlangt, erwerben sie auch dort automatisch wieder den Anspruch ein solches Darlehen zu bekommen. Nur würde das bedeuten, dass eben das alte Darlehen aus dem alten Bundesland abgelöst werden muss und das neue aufgenommen werden muss. Ich denke das ist eher eine technische Frage, die geklärt werden muss.

    Guckeisen: Bei einem normalen Kredit ist ja immer gleich die Frage nach der Sicherheit. Wie ist das denn hier? Welche Mindestvoraussetzung muss man denn mitbringen um einen Studienkredit zu bekommen?

    Langer: Für den Studienkredit müssen sie einfach nur in einem gebührenpflichtigen Land eingeschrieben sein, wenn es jetzt um diese Modelle der Förderbanken der Länder geht. Ansonsten ist es so, das haben wir beobachtet, dass eigentlich alle Anbieter sehr wenig Sicherheiten, sehr wenig persönliche Sicherheiten verlangen. Es ist eben nur so, dass natürlich bei allen privaten Banken, auch bei den Sparkasse, Volks- und Raiffeisenbanken, es in aller Regel so ist, dass das natürlich über eine bestimmte Laufzeit nur ausgelegt ist. Das geht dann hoch bis zu etwa 72 Monaten, wo das dann irgendwo gedeckelt ist, wo die Finanzierung endet. Aber ansonsten gibt es normalerweise keine besonderen Voraussetzungen, dass sie das aufnehmen müssen. Vereinzelt fällt es auf und das haben wir entsprechend auch in unsere Bewertung einbezogen, dass teilweise Elternbürgschaften verlangt werden. Das ist etwas, was wir wiederum für ungünstig halten. Denn wir wollen ein Modell jeweils haben, was der Student aus eigener Kraft aufnehmen kann. Also das Einzige, was noch tolerabel ist, ist im Grunde genommen, wenn teilweise Restschuldversicherungen oder Risikolebensversicherungen verlangt werden, denn das ist ja zumindest durch den Studierenden selber herstellbar.

    Guckeisen: Wie unterschiedlich sind denn die verschiedenen Angebote, die Sie geprüft haben? Gibt es da empfehlenswerte Studienkreditmodelle und solche, wo Sie sagen, lieber Finger weg?

    Langer: Also Finger weg würde ich, glaube ich bei keinem der Angebote sagen. Es ist nur so, dass natürlich solche Angebote, die aus dem staatlichen Bereich kommen oder die von der KfW angeboten werden, schon was gerade diese Abzehrung des Risikos angeht, relativ hohe Standards setzten. Das sieht bei manchen privaten Anbietern etwas anders aus, da muss jeder Student vielleicht ein bisschen vorsichtig sein.

    Guckeisen: Was heißt vorsichtig, können Sie da mal ein Beispiel machen?

    Langer: Es macht sich einfach daran fest, dass es bei einigen Anbietern keine Zinsobergrenze gibt. Das heißt, es ist am Anfang nicht klar, welcher maximale Zinssatz am Ende erhoben wird. Also wir haben das bei uns im Grunde genommen auch im Einzelnen ausgewiesen, welche Anbieter das wie handhaben. Und da muss man schon drauf achten. Alle die bei uns einen roten Punkt in der Bewertung bekommen haben, bei denen ist das eben ein gewisses Problem.

    Guckeisen: Kann man denn mal so eine kleine Modellrechnung aufmachen? Welche Gesamtkosten entstehen eigentlich, wenn man, sagen wir mal als Student zehn Semester studiert und einen hohen Kreditsatz bekommt?

    Langer: Also ich könnte Ihnen beispielhaft einfach mal das Modell nennen, wie es bei der KfW praktiziert wird, und wir hatten ja teilweise nachgefragt, wie dann eben solche Modelle, wenn man sie einmal durchrechnet aussehen. Und da hatten wir beispielsweise gefragt, wenn man über fünf Jahre für ein Bachelor- und ein Masterstudium, wenn man das finanziert haben möchte über fünf Jahre und wenn man im Monat haben möchte 450 Euro. Das war so eine Rechengröße, da haben wir gesagt, ein Teil sind Studiengebühren, die refinanziert werden müssen und wenigstens ein Teil der Lebenshaltungskosten soll im Grunde genommen durch einen Kredit abgedeckt werden. Wir gehen also davon aus, dass ein Teil des Geldes, was ein Student braucht, natürlich nach wie vor über Eltern kommt, über Bafög, über andere Quellen. So, und wenn man also 450 Euro im Monat sich über fünf Jahre lang auszahlen lässt, dann ist es so, dass man am Ende Gesamtkreditkosten, also inklusive aller Nebenkosten, Zins und Zinseszinsen, von knapp 14.000 Euro hat. So in die Größenordnung kommt man. Also das ist jetzt bei der KfW. Das ist dann ein effektiver Jahreszinssatz von 5,18 Prozent. Das ist das, was die uns da angegeben haben. Und wenn sie es über zehn Jahre zurückzahlen, das muss man einfach im Hinterkopf haben. Je nach dem, was für eine Laufzeit sie bei der Rückzahlung haben kommen natürlich unterschiedliche Zahlen zustande.

    Guckeisen: Wie bei allen Krediten, liegt wahrscheinlich der Teufel im Detail. Da muss man genau hinschauen. Wo kann man sich denn im individuellen Fall beraten lassen? Gibt es denn so etwas wie Verbraucherzentralen oder irgendwie Beratungsstellen an den Universitäten, wo man unabhängig Rat einholen kann?

    Langer: Na ja, also die ganzen Verbraucherzentralen beraten natürlich generell in diesem Kontext. Wie weit die jetzt schon auf den Kontext Studiengebühren eingestiegen sind, ist mir nicht bekannt. Was wir jetzt feststellen und wo es natürlich die entsprechenden Beratungsstellen teilweise wahrscheinlich noch nicht gibt, ist natürlich innerhalb der Hochschulen. Es wird nicht mehr alleine darum gehen, eine Bafög-Beratung durchzuführen, sondern es geht eigentlich um eine Beratung, mit Blick auf die Studienfinanzierung, und das ist dann eben doch etwas komplexer. Denn man muss eben unterschiedliche Aspekte berücksichtigen, also wirklich die Frage aufwerfen: Wie viel Geld kann ein Student weiterhin durch bestimmte berufliche Tätigkeit einbringen? Was kann über die Eltern kommen? Was kann über Stipendien kommen? Denn aus unserer Sicht ist es so, die Studienkredite sind sehr, sehr wichtig, weil sie es jedem im Grunde genommen ermöglichen, sein Studium zu finanzieren, aber sie können unseres Erachtens eben nicht das einzige Modell sein, ein Studium zu finanzieren und eine Finanzierungsberatung müsste genau diese Aspekte berücksichtigen und also ganzheitlich beraten und ganzheitlich versuchen, zu erfassen, was der einzelne Student braucht und was eben das Beste für ihn ist.