
Als Grund wurden damals verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse angeführt, allerdings ist nicht klar, was den drei Läden genau vorgeworfen wird. Ein Sprecher des Kulturstaatsministers sagte nun, angesichts der Debatte darüber sei eine angemessene Würdigung der Preisträger kaum noch möglich.
Preisübergabe nun auf direktem Weg
Die prämierten Buchhandlungen sollen Preisgeld und Urkunde nun ohne eine feierliche Übergabe auf direktem Weg erhalten, wie es aus dem Ministerium weiter hieß. Eigentlich sollte auf der Leipziger Buchmesse verkündet werden, welche der Buchhandlungen in welchen Preiskategorien (7.000 bis 25.000 Euro) ausgezeichnet werden. Zu einem späteren Zeitpunkt solle es nun zudem eine öffentliche Dialogveranstaltung über Kunst- und Meinungsfreiheit und die Bedeutung staatlich finanzierter Kunstpreise geben.
115 nominierte Buchläden erklären sich solidarisch
Die drei linken Buchhandlungen "The Golden Shop“ (Bremen), "Rote Straße" (Göttingen) und "Zur schwankenden Weltkugel" (Berlin) waren in der vergangenen Woche aufgrund von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ von der Nominiertenliste gestrichen worden. Die anderen 115 nominierten Buchhandlungen hatten sich daraufhin hinter die drei ausgeschlossenen Läden gestellt. Sie hätten sich entschieden, „zusammenzulegen, um den Kolleginnen und Kollegen ihr Preisgeld zu ersetzen“. Die Streichung durch den Kulturstaatsminister bezeichneten die unterzeichnenden Läden als „unfassbar“.
Heftige Kritik aus Politik und Kultur
Auch aus Politik und Kultur kam heftige Kritik: Der Vorsitzende des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages, der Grünen-Politiker Lehmann, sagte, Weimer sei seiner Aufgabe offensichtlich nicht gewachsen. Der „Welt“-Journalist und Mitbegründer der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, Deniz Yücel, kritisierte auf X: "Wo es Cancel Culture gibt, ist Feigheit meist nicht weit". Der vielfach prämierte Schriftsteller Sasa Stanisic warf Weimer unter anderem „Inkompetenz, paternalisierende Übergriffigkeit, Willkür und Illiberalität“ vor.
Bereits am Montag hatte sich die unabhängige Jury des Deutschen Buchhandlungspreises von den Ausschlüssen distanziert. Die sechs Mitglieder hätten sich bewusst gegen eine Nachnominierung der drei Plätze entschieden, um "eine sichtbare Lücke“ zu lassen.
Börsenverein lehnt "Gesinnungsprüfungen" ab
Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Guggolz, bezeichnete die Absage nach den jüngsten Entwicklungen als „nicht überraschend“. Es sei „bedauerlich“, dass es jetzt keine öffentliche Ehrung der Buchhandlungen gebe. Um diese trotzdem zu feiern, wolle der Börsenverein die Buchhandlungen zu einem Empfang an seinem Stand auf der Buchmesse einladen.
Guggolz sprach sich deutlich gegen die Anwendung des sogenannten Haber-Verfahrens aus. Mit diesem können vor einer staatlichen Förderung mögliche Bezüge zum Extremismus geprüft werden. Guggolz sagte, man halte diese Art der Gesinnungsprüfung für vollkommen inakzeptabel und fordere, dass der Kulturstaatsminister den Ausschluss der drei Buchhandlungen zurücknehme.
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird seit 2015 verliehen. Ausgezeichnet werden den Angaben zufolge Buchhandlungen, die sich „im besonderen Maße um das Kulturgut Buch und das kulturelle Leben vor Ort verdient gemacht haben“.
Diese Nachricht wurde am 10.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
