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StartseiteForschung aktuellWeiterer Meilenstein in der Brustkrebsforschung21.07.2004

Weiterer Meilenstein in der Brustkrebsforschung

Studie über Chancen und Risiken einer maßgeschneiderten Therapie

<strong> Medizin. - Die so genannte Amsterdam-Studie war ein Meilenstein in der Brustkrebsforschung: Im Dezember 2002 hatten Ärzte vom Niederländischen Krebsinstitut damit den Weg hin zu maßgeschneiderten Therapien geebnet und erstmals gezeigt, dass das Profil der angeschalteten Gene im Tumorgewebe Vorhersagen über den Verlauf der Krankheit erlaubt. Heute steht der erste entsprechende Genchip vor der Zulassung, während eine weltweite Studie zu maßgeschneiderten Therapien in Planung ist. </strong>

Bei der Früherkennung von Brustkrebs (AP)
Bei der Früherkennung von Brustkrebs (AP)
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Breast International Group (BIG)

Brustkrebs ist nicht eine einzelne Krankheit, vielmehr kennen Gynäkologen inzwischen mindestens fünf Krankheiten, die sich als Brustkrebs äußern. Die fünf Tumortypen sind unterschiedlich aggressiv und sollten möglicherweise ganz unterschiedlich behandelt werden. Die französische Firma Ipsogen hat nun einen Chip angekündigt, der die unterschiedlichen Arten klassifizieren soll, berichtet Alane Koki von Ipsogen: "Unser Brustkrebsprofil-Chip ist wirklich das erste Werkzeug, das die molekulare Klassifizierung von Brusttumoren erlaubt und hoffentlich bald abgestimmte Behandlungen ermöglicht." Die Brüsseler Onkologin Martine Piccart, Vorsitzende der Breast International Group (BIG), dämpft die Euphorie aber: "Ich denke, es wäre sehr gefährlich, wenn man anfinge, diese Profile für gute oder schlechte Prognosen, für gute oder schlechte Ansprache auf Therapien ohne genauere Prüfung zu nutzen. Ich mache mir Sorgen, wenn ich sehe, dass man nun schon versucht diese Entdeckungen zu kommerzialisieren, weil sie meiner Meinung nach zwar wissenschaftlich aufregend sind, aber noch lange nicht so gut bestätigt, wie sie es sein müssten."

Das Amsterdamer Krebsinstitut hatte im Jahr 2002 die 70-Gen-Signatur der Brustkrebsarten herausgearbeitet. Die Forscher hatten 70 Gene identifiziert, die in einem Brustkrebstumor nach verschiedenen Mustern an- oder abgeschaltet sein können. Diese Unterschrift korrelierte mit dem späteren Krankheitsverlauf. Diese Prognose müsse aber noch bestätigt werden, betont Martine Piccart: "Wir müssen die Ergebnisse in anderen Labors und vor allem bei einer anderen Bevölkerungsgruppe als der niederländischen überprüfen."

Der Beweise der Prognose ist recht schwierig: Die Krebsforscher mussten dafür Frauen finden, die ihre Krankheit schon seit mindestens fünf Jahren überwunden haben, um den Ausgang zu kennen. In dieser Zeit dürfen die Patientinnen keine Medikamente bekommen haben, die eine Wiederkehr des Krebses hätten unterdrücken können. Zudem musste es noch Gewebeproben des ursprünglichen Tumors geben, um das Genprofil bestimmen zu können. Rund 260 darauf passende Proben habe man inzwischen erhalten, sagt Piccart, aus Frankreich, England, Schweden und den USA: "Wir warten auf diese Ergebnisse, nur wenn die uns überzeugen, gehen wir einen Schritt weiter." Den Schritt weiter von der Prognose zur Therapie. Dazu gilt es herauszufinden, ob Tumore mit einem bestimmten Profil auf manche Behandlungen besser oder möglicherweise auch gar nicht ansprechen. Wüsste man: Patientin XY hat einen Brustkrebs mit dem Profil D, der überhaupt nicht auf Chemotherapie reagiert, dann könnte man ihr diese belastende Therapie ersparen und zielsicher eine viel versprechende Behandlung wählen.

Deshalb plant das Forschungsnetzwerk der Internationalen Brustgruppe, TRANS-BIG, eine groß angelegte, weltweite Studie, bei der Patientinnen nach ihren Genprofilen eingeteilt und dann unterschiedlich behandelt werden, um die beste Therapie zu finden. "In dieser Studie möchten wir zeigen, dass wir besser behandeln können, wenn wir die Gensignatur-Prognose nutzen", so Martine Piccart, "dass wir dann weniger Frauen mit Chemotherapie behandeln. Wir erwarten, dass wir auf diese Art mindestens genau so gute Therapieentscheidungen treffen wie mit der klassischen Methode." Bislang entscheiden Faktoren wie die Größe des Tumors oder seine Empfindlichkeit für Hormone über die Therapieform.

[Quelle: Grit Kienzlen]

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