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StartseiteUmwelt und Verbraucher"FCKW ist weltweit auf fast Null reduziert" 16.09.2016

Welt-Ozonschicht-Tag"FCKW ist weltweit auf fast Null reduziert"

Es sei zu erwarten, dass das Ozonloch in der Atmosphäre im Laufe der Jahre weiter zurückgehe (*), sagte der Ozon-Experte Jens-Uwe Groß im DLF. Mithilfe von Ersatzstoffen habe man die Produktion der schädlichen FCKW auf fast Null reduzieren können. FCKW gelten als Hauptverursacher des Ozonlochs.

Jens-Uwe Grooß im Gespräch mit Paul Vorreiter

Ein Meteorologe lässt bei windigem Wetter in der Antarktis eine Ozonsonde steigen. (dpa / picture alliance / Stefan Christmann)
Messung in der Antarktis: Das Ozonloch bildet sich jeden Frühling über dem antarktischen Kontinent und schrumpft wieder. (dpa / picture alliance / Stefan Christmann)

Paul Vorreiter: Heute vor 29 Jahren wurde Umweltschutzgeschichte geschrieben. Im Montreal-Protokoll einigten sich rund 200 Staaten, FCKW, also Flurchlorkohlenwasserstoffe, die wir aus Kühlschränken oder Spraydosen kannten, langfristig zu verbannen, denn sie gelten als Hauptverursacher für die Entstehung des Ozonlochs. Immer wieder war in den letzten Jahren davon die Rede, dass das Ozonloch über der Antarktis sichtbar kleiner wird.

Im vergangenen Jahr dagegen wurde gemeldet, dass es sich wieder vergrößert habe. Wie es nun um das Ozonloch steht, darüber habe ich vor der Sendung mit Jens-Uwe Grooß gesprochen. Er ist Ozon-Experte am Forschungszentrum Jülich. - Das Ozonloch schrumpft, es dehnt sich wieder aus, was stimmt denn nun?

Jens-Uwe Grooß: Das Ozonloch bildet sich jeden Frühling über dem antarktischen Kontinent und schrumpft wieder, und die Größe des Ozonlochs ist variabel. Im letzten Winter hatten wir ja denn das Pech, dass zusätzlich noch ein Vulkanausbruch war, der da mitgewirkt hat. Das war halt ein Ausnahmejahr, wo das Ozonloch mal etwas größer war. Aber im Prinzip ist es so, dass wir erwarten, dass dadurch, dass weniger FCKW, weniger Chlor in der Atmosphäre ist, das Ozonloch (*) langsam zurückgeht. Langsam heißt natürlich, das dauert noch 50 Jahre oder so was.

Vorreiter: FCKW, die gelten ja als Hauptverursacher zur Bildung des Ozonlochs. Jetzt konnten wir uns derer weitgehend entledigen. Gibt es denn aktuell neue Stoffe oder Ersatzstoffe, die sich ähnlich schädlich auf die Ozonschicht auswirken?

Grooß: Ja. Zu den FCKW gibt es auch noch die Halone, die Brom-Verbindungen, die zum Beispiel in Feuerlöschern verwendet wurden. Die sind aber auch durch das Montrealer Protokoll reguliert. Aber die FCKW sind schon die Hauptverursacher des Ozonlochs.

Vorreiter: Das heißt, es gibt auch keine Gefahr, die jetzt aus anderen Ersatzstoffen in dieser Form für das Ozonloch ausgeht?

Grooß: Es gibt eine Gefahr, wenn Sie so wollen, von den Ersatzstoffen. Die ist aber nicht für das Ozonloch, sondern für das Klima. Die Flurkohlenstoffe ohne Chlor, die haben eine sehr hohe Klimawirksamkeit. Die ist deutlich höher als CO2. Und deswegen versucht man, die auch wieder langfristig loszuwerden. Aber für das Ozonloch sind wirklich die Hauptverursacher die FCKW.

Alte Kühlgeräte müssen fachgerecht entsorgt werden

Vorreiter: Gibt es denn unterschiedliche Verantwortlichkeiten unter den Ländern, die dieses Montreal-Abkommen geschlossen haben? Was muss denn da noch getan werden, damit das Ozonloch endgültig verschwindet?

Grooß: Was schon weitgehend getan ist, ist, dass die Emission, die Produktion von FCKW weltweit auf null fast reduziert ist. Es gibt allerdings noch die sogenannten Banks, also irgendwelche Kühlschränke, die auf Müllhalden schlummern, wo man schauen muss, dass die FCKW nicht dort irgendwann, wenn sie durchgerostet sind, entweichen, sondern dass das alles fachgerecht entsorgt wird, so dass sie nicht in die Atmosphäre gelangen. Ansonsten muss man eigentlich nur warten, bis die FCKW wieder aus der Atmosphäre verschwunden sind. Die haben leider eine Lebensdauer von 50 bis 100 Jahren in der Atmosphäre.

Vorreiter: Das Montreal-Protokoll, das gilt ja auch als großer Erfolg oder Beweis dafür, dass ein globales Umweltproblem gelöst werden kann. Können wir daraus etwas für die aktuellen Klimaverhandlungen lernen?

Grooß: Ja. Zunächst mal möchte ich schon sagen, dass es ein Erfolg war. Das wird viel zu wenig betont. Leider muss man sagen, dass die aktuellen Klimaverhandlungen komplizierter sind. Im Fall des Montrealer Protokolls ging es "nur" über die FCKW, die von einer Hand voll von Firmen hergestellt wurden.

Es gab relativ schnell die Möglichkeit zu Ersatzstoffen, die von den gleichen Firmen hergestellt wurden. Das heißt, da konnte man die Firmen relativ schnell ins Boot holen. Es war dann auch Sachverstand bei den Politikern da. Beispielsweise die sehr kritischen Briten, damals unter der Leitung von Maggie Thatcher, einer gelernten Chemikerin, haben auch zugestimmt. Und es ging halt nur um eine Stoffgruppe: FCKW. Im Fall von CO2 ist es leider viel komplizierter.

Ein weiterer Punkt ist auch, dass man sich realistische Ziele gesetzt hat. Das heißt, man hat erst eine kleine Reduktion beschlossen und die dann stufenweise verschärft. Das, denke ich, hat man in Paris auch schon begonnen und insofern sind wir wahrscheinlich auf einem guten Weg.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

(*) Der Interviewpartner hat die Redaktion darauf hingewiesen, dass er im Interview irrtümlich "Ozon" gesagt hatte. Wir haben diesen Fehler in der Textversion korrigiert. 

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