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StartseiteForschung aktuellÖlverbrauch steigt bis 2040 weiter13.11.2018

Weltenergiebericht der IEAÖlverbrauch steigt bis 2040 weiter

Dank Elektromobilität und effizienterer Treibstoffproduktion wird der Ölbedarf im Verkehrssektor schrumpfen. Insgesamt prognostizieren die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) im "World Energy Outlook" 2018 aber bis 2040 eine steigende Nachfrage nach fossilen Energieträgern.

Von Volker Mrasek

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Raffinerie, Industrielles Abfackeln von Gas, Störfall, Wesseling (imago / CHROMORANGE)
'Peak Oil' noch nicht in Sicht: Die globale Nachfrage nach Erdöl wird auch 2040 noch nicht ihr Maximum erreicht haben, prognostiziert die Internationale Energieagentur in London im 'World Energy Outlook 2018' (imago / CHROMORANGE)
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Der Aufwärtstrend beim CO2 schien schon gestoppt. Drei Jahre lang bewegten sich die globalen Kohlendioxid-Emissionen auf gleichbleibendem Niveau. Dann, 2017, wieder ein leichter Anstieg um knapp zwei Prozent. Nur ein Ausreißer, hofften viele. Doch der neue Welt-Energie-Ausblick 2018 sorgt jetzt für Ernüchterung. Tim Gould, britischer Ökonom und einer der beiden Hauptautoren des Berichts:

"Alle bisherigen Zahlen lassen erkennen, dass wir 2018 auf einen historischen Rekord beim energiebedingten CO2-Ausstoß zusteuern. Das ist das Gegenteil von dem, was aus wissenschaftlicher Sicht nötig wäre, um etwas gegen den Klimawandel zu tun."

Der Trend bei den CO2-Emissionen geht in die falsche Richtung

Ähnliches hört man auch aus den Kreisen von Klimaforschern. Das Globale Kohlenstoff-Projekt will zwar erst im Dezember genauere Zahlen vorlegen. Doch schon jetzt heißt es, überall gingen die Emissionen wieder nach oben: in China, Indien und anderen Schwellenländern, aber auch in den USA.

Zwar sind klimafreundliche erneuerbare Energieträger weiter auf dem Vormarsch. Sie werden immer billiger und vergrößern ihren Anteil an der Stromproduktion ständig. Auch Elektroautos kommen allmählich in Fahrt. Doch das allein wirft das Ruder nicht rum, sagt Tim Gould:

"Vermutlich wird der Erdöl-Bedarf des Autoverkehrs zwar schon Mitte des nächsten Jahrzehnts zurückgehen. Aber das ist nicht die ganze Geschichte! Da sind ja auch noch der Lkw-, der Schiffs- und der Flugverkehr - und nicht zuletzt die chemische Industrie, die auf Erdöl angewiesen bleibt. Deswegen kommt es in unserem Szenario bis zum Jahr 2040 auch zu keinen Rückgang des globalen Öl-Verbrauchs."

Der Ölverbrauch steigt weiter - allen Bemühungen zum Trotz

Im Gegenteil: Die Internationale Energieagentur rechnet sogar mit einer Verknappung von Erdöl im nächsten Jahrzehnt. Viele Lagerstätten seien nämlich allmählich erschöpft, so die IEA-Experten. In den USA werde zwar immer mehr Öl aus Schiefer gewonnen, durch das sogenannte Fracking. Doch das genüge wahrscheinlich nicht, um die Rückgänge in anderen Förderfeldern auszugleichen, so der neue Report. 

Auch Kohle dürfte bald ihren Zenit überschreiten. Die IEA rechnet damit, dass nach 2020 kaum noch neue fossile Kraftwerke ans Netz gehen. Zur Zeit werden aber noch viele gebaut. Dadurch sei das Ziel in Gefahr, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, sagt Laura Cozzi, italienische Umweltingenieurin und Co-Autorin des Welt-Energie-Ausblicks. Denn Kohlemeiler stoßen besonders viel CO2 aus:

"Die Botschaft ist ziemlich klar: Allein mit den schon vorhandenen Kraftwerken schöpfen wir das CO2-Budget aus, das uns nach dem Klimaabkommen von Paris noch bleibt. Es gibt heute Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 200 Gigawatt. Viele von ihnen könnten noch lange laufen. Denn die Hälfte von ihnen ist jünger als 15 Jahre."

Energieverbrauch dürfte bis 2040 um 25 Prozent zulegen

Die IEA geht davon aus, dass der Energiehunger der Welt weiter stark wächst. Im Jahr 2040 werde der Verbrauch mindestens ein Viertel höher sein als heute, sollten die Länder der Erde sich nicht stärker bemühen, Energie einzusparen oder effizienter zu nutzen. Motor dieser Entwicklung ist der wirtschaftliche Aufschwung in Asien und Afrika.

Ausdrücklich betonen Laura Cozzi und ihre Mitautoren, auf wen es vor allem ankommt, wenn es um die Zukunft des globalen Energiesystems geht. Nicht auf die Privatwirtschaft, sondern auf die Regierungen:

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