SIPRI-Bericht
Weltweit größte Rüstungskonzerne verzeichnen erneut höhere Einnahmen

Die 100 weltweit größten Rüstungskonzerne haben laut dem schwedischen Friedensforschungsinstitut SIPRI im vergangenen Jahr erneut mehr Waffen und militärische Dienstleistungen verkauft. Der Umsatz sei im Vergleich zu 2023 um fast sechs Prozent gestiegen, heißt es in dem neuesten SIPRI-Bericht.

    Kampfpanzer Leopard 2 im Gelände.
    Weltweit ist die Nachfrage nach Waffen und militärischen Dienstleistungen 2024 weiter gestiegen (Symbolbild). (picture alliance / SvenSimon / Malte Ossowski )
    Demnach betrugen die Einnahmen insgesamt rund 679 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 586 Milliarden Euro). Das ist der höchste je verzeichnete Wert. Angetrieben worden sei die Nachfrage nach Rüstungsgütern durch die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen, durch geopolitische Spannungen und wachsende Militäretats, schreiben die Forscher. Viele Staaten vergrößerten ihre Waffenarsenale. Etliche Produzenten hätten ihre Fertigungslinien ausgebaut, Anlagen erweitert, Tochtergesellschaften gegründet oder andere Unternehmen übernommen.

    Umsatzsprung für deutsche Waffenhersteller

    Branchenprimus bleiben die USA, in denen 39 der 100 beobachteten Unternehmen ihren Hauptsitz haben. Zusammen kommen sie nach einem Zuwachs um knapp vier Prozent auf Rüstungsumsätze von 334 Milliarden Dollar, also fast die Hälfte der weltweiten Summe. Allein auf den laut SIPRI global umsatzstärksten Konzern, das US-Unternehmen Lockheed Martin, entfielen davon 64,7 Milliarden Dollar.
    In Europa (ohne Russland) stiegen die Umsätze insgesamt um 13 Prozent auf 151 Milliarden Dollar. Überdurchschnittlich stark konnten laut der Studie die deutschen Rüstungskonzerne zulegen. Die vier gelisteten Hersteller Rheinmetall, Thyssenkrupp, Hensoldt und Diehl erzielten zusammengerechnet ein Umsatzplus von 36 Prozent - mit nunmehr 14,9 Milliarden Dollar. Als Grund wurde die stärkere Nachfrage nach Luftabwehr-Systemen, Munition und gepanzerten Fahrzeugen angegeben.

    Materialbeschaffung könnte schwieriger werden

    Dennoch stehe die Branche auch vor Herausforderungen, „die sich auf die Kosten und Liefertermine auswirken könnten“, erläuterte SIPRI-Forscherin Jade Guiberteau Ricard. So könnte die Beschaffung von Materialien schwieriger werden. „Insbesondere die Abhängigkeit von kritischen Mineralien dürfte die europäischen Aufrüstungspläne erschweren.“
    Beispielsweise hätten das transeuropäische Unternehmen Airbus und der französische Konzern Safran bis 2022 die Hälfte ihres Titanbedarfs mit russischen Importen gedeckt. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hätten sie sich neue Lieferanten suchen müssen. Auch die chinesischen Exportbeschränkungen für kritische Mineralien könnten dazu führen, dass Lieferketten umstrukturiert und höhere Kosten in Kauf genommen werden müssten.

    Russische Rüstungskonzerne boomen

    Die beiden größten Rüstungskonzerne in Russland steigerten dem Bericht zufolge ihre Umsätze 2024 - trotz internationaler Sanktionen - ebenfalls deutlich: Im Zuge des Angriffskriegs gegen die Ukraine wuchsen die Gesamteinnahmen des Unternehmens Rostec und der Werftengruppe United Shipbuilding Corporation demnach um 23 Prozent auf insgesamt 31,2 Milliarden Dollar. Als Grund wurde die inländische Nachfrage angegeben.
    Für Asien und Ozeanien verzeichnete SIPRI dagegen einen Rückgang um 1,2 Prozent, den das Institut "fast ausschließlich" auf einen zehnprozentigen Umsatzrückgang der acht größten chinesischen Hersteller zurückführt.
    Die drei im Top-100-Ranking vertretenen größten israelischen Rüstungsunternehmen konnten demnach ihre Umsätze erheblich ausbauen. Die internationale Kritik am militärischen Vorgehen im Gazastreifen habe "kaum Auswirkungen auf das Interesse an israelischen Waffen" gehabt.
    SIPRI weist in seinem Bericht ausdrücklich darauf hin, dass es in vielen Fällen nur möglich sei, Angaben zu den Umsätzen der Rüstungskonzerne zu machen, nicht aber zu den erzielten Gewinnen.

    Weiterführende Informationen:

    SIPRI-Bericht zur Rüstungsindustrie für 2024 wird vorgestellt(Audio)
    Diese Nachricht wurde am 01.12.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.