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Weltweit sicherer Chemiehandel

Entwicklungsländer können sich jetzt besser vor gefährlichen Chemikalien schützen. Denn seit heute gilt die Rotterdam-Konvention – ein internationales Abkommen, das 1998 in Rotterdam unterzeichnet wurde, und es Staaten wie Armenien, Kamerun oder Uruguay erlaubt, die Einfuhr von erst einmal 27 gefährlichen Stoffen zu verbieten.

Von Ralph Ahrens |
    Jim Willis von UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen:

    Die Konvention soll den Handel mit gefährlichen Chemikalien regeln. Ihr eigentlicher Sinn ist aber, Mensch und Umwelt zu schützen – insbesondere in Entwicklungsländern. Denn die Mehrzahl der in der Konvention aufgelisteten Chemikalien sind Pestizide. Und leider ist es immer noch so, dass jährlich Tausende von Menschen durch Pestizide zu Tode kommen. Das könnte verhindert werden, würden alle Länder diese Konvention voll befolgen.

    Das Kernstück des Abkommens ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit: nämlich höflich zu fragen, bevor man eine gefährliche Chemikalie in ein fremdes Land liefern möchte, ob diese Einfuhr überhaupt erwünscht ist.
    Das heißt konkret, so Matthias Kern von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, ....

    ... dass die Firmen, die etwas in eine Entwicklungsland exportieren, über die staatlichen Stellen in den Industrieländern den offiziellen Stellen in den Entwicklungsländern mitteilen, dass dort so eine gefährliche Chemikalie kommt. Und damit dem Staat vor Ort die Chance gegeben wird, den Import mal zu kontrollieren oder zu sagen, "nee, wollen wir nicht”, und dann darf der Stoff gar nicht erst aus dem Industrieland herausgehen.

    Ob diese Pflicht, höflich um Erlaubnis zu fragen, viel bringt, bezweifelt allerdings Andreas Bernstorff von Greenpeace:

    Die Rotterdam-Konvention ist ja von guten Absichten getragen gewesen – und könnte, wenn sie strikt eingehalten würde, auch Gutes bewirken. Sie tut das sicher in vielen Fällen, aber sie ist leicht zu unterlaufen.

    So vermutet Andreas Bernstorff, dass weiterhin zum Beispiel unnötige Pestizide in Entwicklungsländer gelangen:
    "Wir haben immer wieder Fälle, wo die Firmen oder Firmenkonsortien sich mit den Regierungen der Empfängerländer in der dritten Welt, in Afrika oder sonstwo zusammensetzen und sagen, "passt mal auf, ihr braucht doch das und das, bestellt doch das”. Dann sagen die, "ja, wir haben aber das Geld nicht”. Dann sagen unsere Firmen, "na ja, das wussten wir ja, hier sind ein paar Formulare, eines für die afrikanische Entwicklungsbank, das andere für die Weltbank. Die muss man nur richtig ausfüllen. Wir sorgen dafür, dass es dort anständig bearbeitet wird”. Dann geht das Geld direkt von der Entwicklungsbank auf das Konto von Bayer und Konsorten. Und die liefern und kümmern sich nicht mehr drum."

    Und die Stoffe können dann – wie gehabt – Schaden anrichten, wenn sie etwa in Fässer lagern, die solange vor sich hin rosten, bis der Inhalt heraustropft und das Trinkwasser vergiftet.

    Diese Probleme kennt Jim Willis von UNEP. Und er glaubt dennoch, dass die Rotterdam-Konvention dazu beitragen wird, hier Abhilfe zu schaffen – und das auch, obwohl dem Abkommen bislang erst 60 Staaten beigetreten sind und es zurzeit nur 27 aller gefährlichen Chemikalien erfasst

    Zurzeit treten jährlich etwa 25 oder 30 weitere Staaten dem Abkommen bei. Geht das so weiter, gilt die Konvention bald weltweit. Und was die Zahl der Chemikalien angeht: Zurzeit wird geprüft, ob weitere Stoffe aufgenommen werden. Und es kann gut sein, dass im September auf der ersten Vertragsstaatenkonferenz beschlossen wird, dass 15 weitere Chemikalien hinzukommen.

    Und das soll erst der Anfang sein. Denn Jim Willis geht davon aus, dass jedes rund Jahr fünf neue Chemikalien in die Rotterdam-Konvention aufgenommen werden – solange, bis der Handel mit allen Problemstoffen in geordneten Bahnen verläuft.