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StartseiteCorsoBeethoven goes BEAThoven13.01.2020

Weltweites Remix-ProjektBeethoven goes BEAThoven

Anlässlich des 250. Geburtstags Ludwig van Beethovens hat ein internationales Netzwerk von Musikerinnen und Musikern elektronischer Musik 19 Melodien aus den Werken des visionären Komponisten neu interpretiert. Das Ergebnis des „World BEAThoven Project“ ist nun als kostenloser Download verfügbar.

Von Andi Hörmann

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Eine Büste von Ludwig van Beethoven aus Sand geformt - das Musikgenie beim Sandskulpturenfestival in Binz 2017 (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Stefan Sauer)
Beethoven auf die Ohren: Das Musikgenie wird gefeiert - hier beim Sandskulpturenfestival in Binz 2017 (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Stefan Sauer)
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Es beginnt mystisch, etwas bedrohlich, vielleicht auch gewollt mysteriös, von der Klangfarbe her eher orientalisch — oder doch afrikanisch? Schwer einzuordnen, aber eindeutig im Sinne der Message des altmeisterlichen Komponisten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Darius Darek Roncoszek: "Wir haben versucht, 20 Melodien aus seinen 800 Werken rauszuziehen, die — ich sag' mal — remixbar sind."

Schon das erste Stück auf "The World BEAThoven Album" legt die musikalische Fährte: Eine Klang-Reise, die keine Grenzen scheut, ihren Ursprung aber in der ehemaligen Hauptstadt Bonn hat. Dem Geburtsort von Ludwig van Beethoven. 17. Dezember 1770.

Keine Coverversionen

"Wir haben nicht einfach Beethoven gecovert oder ganz simple 4/4-Beats unter seine Musik gelegt."

Darius Darek Roncoszek hat das BEAThoven-Projekt kuratiert. Die berühmten Melodien des großen Klassikers waren dabei nur Ausgangsmaterial — in Form von Samples. Und es ist nicht viel übrig geblieben, von seinen großen Melodien. "Sie werden jetzt nicht direkt Beethoven raushören." Selbst bei genauem Hinhören verschwimmen die wiedererkennbaren Harmonien, wie etwa im zeitlosen Ohrwurm "Für Elise" — gespielt auf dem Hackbrett-ähnlichen Instrument Santur aus Persien.

"Ich wollte jetzt nicht die Remixer oder Producer dazu verdonnern, dass sie eins zu eins die Samples benutzen. Sie hatten die vollkommene künstlerische Freiheit, damit zu arbeiten."

"The World BEAThoven Album" hat 19 Tracks von ebenso vielen Musikproduzenten aus der ganzen Welt. 90 Minuten Spielzeit. Weltmusik-Rave. Bei Yeahman aus Frankreich stampft der Rhythmus wie bei einer Mondscheinparty auf einer Südseeinsel. Dazwischen die ganze Palette an verspielter Ethno-Elektronika für clubaffine Hippie-Hipster. Da ist etwa der erste Satz der "5. Symphonie" in Bearbeitung des brasilianischen DJ und Produzenten Nirso. Oder der batikfarbene Deep-House-Track von Barda aus Argentinien; und AkizzBeatzz aus Griechenland macht aus dem Volkslied "Das liebe Kätzchen" eine traumwandelnde Esoterik-Pop-Nummer.

Musik-Recycling im Geiste Beethovens

Musik-Recycling im Geiste Beethovens, der selbst — wenn man so will — ein Remixer war, indem er Werke anderer Komponisten neu arrangierte. So sind von ihm rund 180 Liedbearbeitungen von irischen, walisischen und schottischen Volksliedern überliefert.

"Das hat mich total bewegt. Das war so überhaupt die Initialzündung für meine Arbeit jetzt mit diesem World BEAThoven Project. Weil das ja quasi die gleiche Arbeit ist, die ja Kollegen oder auch ich als Produzenten auch machen: Wir versuchen Volkslieder oder traditionelle Stücke in die Neuzeit zu transportieren."

In diesen Remixen steckt auch Kommunikation. Die Sprache ist die Musik mit einem Alphabet zur musikalischen Völkerverständigung: A wie arrangieren, B wie Beethoven, C wie clubtauglich.

"Darüber hinaus war der Geist von Beethoven eigentlich der, der mich auch sehr, sehr inspiriert hat. Weil die Demokratie oder Brüderlichkeit oder auch Naturfreude und Naturschutz sind Themen, die ich als Diplomgeograph auch sehr verinnerlicht habe und auch sehr in meine Arbeit involviere."

Über eine Sample-Datenbank zum World-BEAThoven-Projekt sind die verrschiedenen Kompositions-Schnipsel frei zugänglich. Jeder darf seinen BEAThoven-Track basteln. Bemerkenswert auf diesem Album ist die Hommage an die "Ode an die Freude": ein Trap-Stück mit tiefer gelegtem Bass, verschlepptem Rhythmus und einem Fridays-for-Future-O-Ton.

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