Deutscher Filmpreis
Wenders zu früherer Nacktszene von Nastassja Kinski: "Würde ich so nicht mehr machen"

Der Filmregisseur Wim Wenders hat sich von einer kritisierten Nacktszene der damals 13-jährigen Schauspielerin Nastassja Kinski in seinem Film "Falsche Bewegung" distanziert. Das würde er heutzutage nicht mehr so machen, sagte der 80-jährige bei der Verleihung der Deutschen Filmpreise in Berlin.

    Wim Wender hält auf der Bühne den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises in der Hand. Hinter ihm steht in großer weißer Schrift "Deutscher Filmpreis".
    Wim Wenders bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)
    Es sei ein schwieriges Kapitel in seinem Leben. Heute wisse er viel mehr. Es gebe andere Sensibilitäten, man lebe in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren. Seinem damaligen jungen Ich könne er aber keinen Vorwurf machen. Er habe einen Film in seiner Zeit gemacht.
    Nastassja Kinski ist in dem Film aus dem Jahr 1975 mit nacktem Oberkörper zu sehen. Sie hatte kürzlich der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war." Dem Bericht zufolge versucht sie seit Jahren, die Szene aus dem Film entfernen zu lassen.

    Wenders: Wie geht man mit Filmerbe um?

    Nach Wenders Ansicht stellt sich in dem Fall eine Frage, die alle angeht. Er sagte an die Filmschaffenden im Publikum in Berlin gerichtet: "Wie geht man mit Filmerbe um?" Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin - die er sehr verehrt habe und verehre - weh tue? "Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?" Er sei mit dieser Frage ziemlich allein und auch ratlos, fügte der Regisseur hinzu. Es sei eine moralische Frage.
    Wenders bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu diesem Thema - besonders mit jüngeren Leuten. Angenommen, er kürze den Film, dann sei das ein Präzedenzfall, der alle betreffe. Dies sei dann auch bei anderen Filmen möglich. Darüber wolle er diskutieren und nicht damit alleine bleiben, betonte Wenders.

    Standing Ovations

    Wenders - berühmt für Filme wie "Perfect Days", "Paris, Texas" oder "Der Himmel über Berlin" - war bei der Gala unter Standing Ovations mit dem Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie geehrt worden. In einem Video würdigten ihn Stars wie Campino, Patti Smith, Cate Blanchett und Nick Cave. Akademiechef Florian Gallenberger beschrieb das Werk von Wenders als "grenzenlos und gleichzeitig so unverwechselbar".
    Diese Nachricht wurde am 30.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.