Eine nicht enden wollende Festtafel erstreckt sich über die ganze Bühne. Noch bevor die Ouverture einsetzte, machten sich Frauen unter Spitzenhäubchen an ihr zu schaffen und gingen unter Scheppern, Klirren und Plumpsen zu Boden. Dies akustische Signal gab der Musik den Einsatz, die auch des weiteren nicht sicht- oder hörbar eines Dirigenten bedurfte. Die erhöht aus der "barocken" Sitzanordnung hervorragende Primgeigerin Petra Müllejans sorgt mit ihrer beredten Kopfarbeit und Armfreiheit für die Zeichengebung, die ihre Kapelle koordiniert.
Die Kostüme der Frauen, die als Kollektiv in Krieg und Frieden durch den Abend begleiten, wurden von Christian Lacroix "barocken" Moden nachempfunden und sollten Exzentrizität signalisieren: Exklusivität, die das Leben der teils in modernere Kleidung gehüllten Royals rahmt und schmückt.
Florian Boesch, der virile Glatzkopf, wurde als der kriegslüsterne König Tiridate von Armenien mit einem Brustpanzer bedacht, der kaum für Gefechtseinsätze taugt. Eher für die Erhebung zum Standbild.
Überhaupt erscheint dieser König Tiridate als alternder Mann, der eben geliebt werden will, das heißt: mit langatmigen Arien die Zuneigung einer jüngeren Frau erschwatzen möchte – die seiner Schwägerin Zenobia. Die aber hält in allen Anfechtungen und Fährnissen unbeirrt zu ihrem so lange fatal entschlussschwachen Radamisto. Auch, als sie mitsamt der Hauptstadt erobert wird. Sie ist bereit, für den Gatten mindestens tausend Tode zu sterben. Der Zuschauer schwankt, ob er der weithin anrührend, aber nicht immer ganz spursicher singenden superblonden Patricia Bardon das glauben soll - oder doch lieber nicht.
Das Kriegsziel des lange Zeit recht raubeinig wirkenden vorderorientalischen Monarchen Tiridate ist, neben dem Üblichen Zuwachs von Macht und Reichtum, im Besonderen eben die Frau seines Schwagers, des thrakischen Kronprinzen. Zu den markanten Eigenschaften der Kraft- und Machtdemonstrationen dieses schlussendlich geläuterten und bemerkenswert einsichtigen Despoten gehört, dass er sich zunächst nicht an das Inzestverbot halten will und mit seinen edel-derben Stiefeln ausgiebig auf dem Tuch des langen Tischs herumlatscht, der dem extravagant mit wallenden Röcken kostümierten Frauenbataillon auch als Laufsteg dient. Dieser Tisch kann wie magisch in der Versenkung verschwinden und schließlich aus dieser wieder auftauchen.
Insgesamt hält sich das Antikisieren in engen Grenzen. An den glatten Wänden des schlichten Bühnenraums, der keinen konkreten Ort und keine genauere Zeit bestimmt, und hinter den drei Türöffnungen zeigen sich immer wieder Projektionen. Bevorzugt von Fischen im Aquarium - vielleicht, weil es sich bei Armenien und Thrakien um bedeutende Seemächte handelte. Die Schwimmübungen der munteren Fischlein lockerten manche der von Georg Friedrich Händel nicht sonderlich aufmerksam instrumentierten Arien auf.
Vincent Boussards bewegungsarme Inszenierung scheint darauf ausgerichtet, die von seinen Ausstattern kredenzten Schönheiten unauffällig anzurichten, diesen also ungehindert den Vortritt zu gewähren. Die militärischen bzw. im Familienclinch militanten Aspekte finden sich noch nicht einmal angedeutet, sieht man von kurzfristig drohendem Missbrauch des Tafelsilbers ab und dem Abdruck eines Textes von Sigmund Freud im Programmheft.
Insgesamt also: Wenig Adrenalin und viel Spitzenhäubchen. Zu den stimmlichen Glanzpunkten des langen Abends gehörten die Auftritte der betrogenen und überhaupt wüst behandelten, zuletzt verständnisvoll verzeihenden Diktatoren-Gattin Polessina, deren Partie Sophie Karthäuser viele Facetten und immer wieder entschiedenen Drive verlieh.
Die Kostüme der Frauen, die als Kollektiv in Krieg und Frieden durch den Abend begleiten, wurden von Christian Lacroix "barocken" Moden nachempfunden und sollten Exzentrizität signalisieren: Exklusivität, die das Leben der teils in modernere Kleidung gehüllten Royals rahmt und schmückt.
Florian Boesch, der virile Glatzkopf, wurde als der kriegslüsterne König Tiridate von Armenien mit einem Brustpanzer bedacht, der kaum für Gefechtseinsätze taugt. Eher für die Erhebung zum Standbild.
Überhaupt erscheint dieser König Tiridate als alternder Mann, der eben geliebt werden will, das heißt: mit langatmigen Arien die Zuneigung einer jüngeren Frau erschwatzen möchte – die seiner Schwägerin Zenobia. Die aber hält in allen Anfechtungen und Fährnissen unbeirrt zu ihrem so lange fatal entschlussschwachen Radamisto. Auch, als sie mitsamt der Hauptstadt erobert wird. Sie ist bereit, für den Gatten mindestens tausend Tode zu sterben. Der Zuschauer schwankt, ob er der weithin anrührend, aber nicht immer ganz spursicher singenden superblonden Patricia Bardon das glauben soll - oder doch lieber nicht.
Das Kriegsziel des lange Zeit recht raubeinig wirkenden vorderorientalischen Monarchen Tiridate ist, neben dem Üblichen Zuwachs von Macht und Reichtum, im Besonderen eben die Frau seines Schwagers, des thrakischen Kronprinzen. Zu den markanten Eigenschaften der Kraft- und Machtdemonstrationen dieses schlussendlich geläuterten und bemerkenswert einsichtigen Despoten gehört, dass er sich zunächst nicht an das Inzestverbot halten will und mit seinen edel-derben Stiefeln ausgiebig auf dem Tuch des langen Tischs herumlatscht, der dem extravagant mit wallenden Röcken kostümierten Frauenbataillon auch als Laufsteg dient. Dieser Tisch kann wie magisch in der Versenkung verschwinden und schließlich aus dieser wieder auftauchen.
Insgesamt hält sich das Antikisieren in engen Grenzen. An den glatten Wänden des schlichten Bühnenraums, der keinen konkreten Ort und keine genauere Zeit bestimmt, und hinter den drei Türöffnungen zeigen sich immer wieder Projektionen. Bevorzugt von Fischen im Aquarium - vielleicht, weil es sich bei Armenien und Thrakien um bedeutende Seemächte handelte. Die Schwimmübungen der munteren Fischlein lockerten manche der von Georg Friedrich Händel nicht sonderlich aufmerksam instrumentierten Arien auf.
Vincent Boussards bewegungsarme Inszenierung scheint darauf ausgerichtet, die von seinen Ausstattern kredenzten Schönheiten unauffällig anzurichten, diesen also ungehindert den Vortritt zu gewähren. Die militärischen bzw. im Familienclinch militanten Aspekte finden sich noch nicht einmal angedeutet, sieht man von kurzfristig drohendem Missbrauch des Tafelsilbers ab und dem Abdruck eines Textes von Sigmund Freud im Programmheft.
Insgesamt also: Wenig Adrenalin und viel Spitzenhäubchen. Zu den stimmlichen Glanzpunkten des langen Abends gehörten die Auftritte der betrogenen und überhaupt wüst behandelten, zuletzt verständnisvoll verzeihenden Diktatoren-Gattin Polessina, deren Partie Sophie Karthäuser viele Facetten und immer wieder entschiedenen Drive verlieh.