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Weniger verbeamtete Lehrer an Auslandsschulen

Etwa 21.000 deutsche Kinder und 60.000 Schüler aus anderen Kulturkreisen gehen derzeit in die 140 deutschen Auslandsschulen. Wenn die Schulen im nächsten Jahr ihr Lehrerkontingent über eigene Budgets finanzieren müssen, wird es weniger verbeamteten Lehrer aus Deutschland geben.

Von Verena Kemna | 27.04.2012

    Die Basis deutscher Schulen im Ausland sind gemeinnützige Trägervereine, die nach Angaben des Weltverbandes Deutscher Auslandsschulen etwa 80 Prozent ihres Etats, ungefähr 380 Millionen Euro pro Jahr, selbst erwirtschaften. Hinzu kommen Gelder aus dem Schulfonds des Auswärtigen Amtes. In diesem Jahr liegt die Fördersumme bei 238 Millionen Euro. Der Status deutscher Auslandsschulen ist für viele ohne die Arbeit der verbeamteten Lehrer aus Deutschland undenkbar, erklärt Detlef Ernst, Vorsitzender des Weltverbandes Deutscher Auslandsschulen. Er befürchtet: Wird das Reformkonzept nach den Plänen des Auswärtigen Amtes umgesetzt, dann können künftig weniger verbeamtete Lehrer aus Deutschland im Ausland arbeiten.

    "Die Versorgung der Schulen mit den entsandten Lehrern ist nicht mehr in der Form gewährt, wie es bislang war. Es gibt die Möglichkeit, sich diese Lehrer selbst dazu zu kaufen, aber das zur Verfügung stehende Budget ist nicht so ausgestattet, dass es dazu ausreicht."

    Schon im nächsten Jahr sollen die Auslandsschulen ihr Lehrerkontingent über eigene Budgets finanzieren. Die Zahl der verbeamteten Lehrer aus Deutschland verringert sich dann je nach Schultyp. So muss etwa eine zweizügige Schule mit Abitur auf vier von derzeit 16 Auslandsdienstlehrkräften verzichten, oder die teuren deutschen Beamten selbst einkaufen. Während der Tagungspause des Weltverbandes am Pariser Platz bewundert Ricardo Coscollola, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Barcelona, den Blick von der Terrasse auf den großen Springbrunnen. Derzeit arbeiten an der Deutschen Schule Barcelona 26 deutsche Lehrer mit Beamtenstatus. Nach dem neuen Konzept werden es nur noch 15 sein. Dabei, meint er, sind genau diese Lehrer wichtig.

    "Weil wir vor allem in der Oberstufe erfahrene Lehrer brauchen, die wir vor Ort nicht finden. Das sind meistens Lehrer, die schon eine gewisse Erfahrung in Deutschland gehabt haben, die das deutsche Schulleben mit nach Spanien bringen und die natürlich die Kerncurricula der Abiturienten und der Real – und Hauptschüler bestens kennen. Solche Lehrer vor Ort in Spanien zu finden, ist natürlich sehr schwierig."

    Nach den Plänen des Auswärtigen Amtes sollen die Auslandsschulen schon im nächsten Jahr über eigene Budgets verfügen. Für die Deutsche Schule Barcelona heißt das sparen, für die Eltern bedeutet es, dass sie vielleicht schon bald mehr Schulgeld bezahlen müssen.

    "Zum Glück haben wir weiterhin eine starke Nachfrage für die Deutsche Schule, und das liegt wohl daran, dass die Zukunftsaussichten für einen Jungen oder Mädchen mit einem guten Abschluss viel besser sind, als für einen spanischen Schüler. "

    Zumindest auf dem Papier bietet das Reformpaket den Schulen mehr Flexibilität. Sie sollen selbst entscheiden, wie sie die Fördermittel einsetzen. Axel Albrecht, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Bratislava, hält die Reformen für längst überfällig. Er ist sich sicher, dass er fehlende Lehrer anwerben kann.

    "Jetzt scheinen wieder mehr Lehrer frei auf dem Markt verfügbar zu sein, weil in Deutschland die Entwicklung wieder in die andere Richtung geht. Das heißt, es wird in Deutschland wieder mehr Lehrer geben, die Jobs suchen, als es bisher der Fall war."

    Er macht sich keine Sorgen um geeignete Lehrer, viel wichtiger sei die langfristige Finanzierung. Derzeit werden die Fördergelder jedes Jahr neu verhandelt. Ein Auslandsschulgesetz soll das ändern. Auch diese Reform ist so Axel Albrecht längst überfällig.

    "Als ich die Schule 2005 gegründet habe, habe ich den Eltern in Wahrheit ein Versprechen auf 12 Jahre abgegeben. Nämlich, dass sie in 12 Jahren das deutsche Abitur ablegen können. Das ist mit einem Zuwendungsrecht, was nur ein Jahr gilt, absolut unvereinbar."

    Eine Forderung, die auch der Weltverband der deutschen Auslandsschulen unterstützt.