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Weniger Wein ist mehr

In Europa strömt der Wein im Überfluss: Eine EU-Reform soll diese Überproduktion eindämmen. Bauern, die Felder brachlegen, werden finanziell unterstützt. Statt Quantität soll so Qualität gefördert werden. Das kleine Weinland Zypern profitiert von dieser Regelung.

Von Christiane Sternberg |
    Mit kräftigen Stößen rammen die Männer ihre spitzen Werkzeuge ins harte Erdreich. Sie rufen nach Wasser, um den unwirtlichen Boden zu erweichen. Frauen mit Wassereimern eilen herbei, die Männer stampfen weiter, bis dem steinigen Land im Troodosgebirge ein weiteres Pflanzloch für den jungen Wein abgerungen ist.

    Diese traditionelle Pflanzzeremonie, bei der das halbe Dorf zusammenkommt und den neuen Weinberg anlegt, findet immer seltener statt in Zypern. Viel eher liegen alte Felder brach. Etliche Weinbauern nehmen dankbar die Entschädigungszahlungen an, die durch die Europäische Weinreform für die Stilllegung von Weinfeldern bereitgestellt werden.

    "Wir werden etwa 6,8 Millionen Euro dafür aufwenden; gemessen an der nationalen Weinanbaufläche die höchste Summe in ganz Europa. Bei uns betrifft das etwa 900 Hektar, 6,5 Prozent der gesamten Weinanbaufläche Zyperns."

    Yiannakis Georgiades, Direktor des nationalen Rates für Weinprodukte in der Republik Zypern, sieht die Entwicklung dennoch positiv. Denn die Weinberge, die übrig bleiben, sollen eine neue Qualität des griechisch-zyprischen Weines garantieren.

    Auf Zypern wurde schon vor 5500 Jahren Wein gekeltert. Hier gibt es den ältesten noch immer produzierten Wein der Welt. Dieser Commandaria galt im Mittelalter als "Getränk der Könige". Seit etwa zehn Jahren bemühen sich kleine Weingüter, an den einstigen Ruhm anzuknüpfen. Mit der Weinreform reift die Hoffnung auf ein Comeback. Denn jetzt fließen Mittel für Investitionen und den Anbau von Rebsorten, die auf der Sonneninsel ihre Charakteristik voll entfalten können.

    Auch Kostas Pericleous aus Anoyira will seinen Weinberg mit Hilfe von EU-Geldern umstrukturieren.

    "Mein fünf Hektar großes Weinfeld kann ich mit der finanziellen Unterstützung neu bepflanzen, auf moderne Weise in Reihen mit ausreichenden Zwischenräumen und mit der Sorte Shiraz, die in dem Weingut in unserem Dorf sehr gefragt ist."

    1000 Euro bekommt Kostas Pericleous pro Hektar, um die Kosten der Neupflanzung und den Einkommensausfall für die kommenden drei Jahre bis zur ersten Ernte zu decken.

    Bisher konnten in der Republik Zypern 1,8 Millionen Euro aus den Mitteln der EU-Weinreform für die Neuordnung und Umwandlung von Weinfeldern zugeteilt werden. Die Reduzierung der Anbaumenge und die Konzentration auf einheimische Rebsorten sollen die Qualität des Zypernweines stärken.

    Trotz aller Modernisierung bleibt der Weinanbau in Zypern harte Arbeit. Christakis Lambouri vom gleichnamigen Weingut, dessen Familie schon seit 300 Jahren im Geschäft ist, erzählt von den Problemen, mit denen zyprische Weinbauern zu kämpfen haben.

    "Bei uns kann der Wein nicht am Spalier wachsen. Wir beschneiden die Weinstöcke so, dass sie niedrig bleiben und die Blätter die Beeren vor der starken Sonneneinstrahlung schützen. Die Berge sind sehr steil und nicht mit Traktoren zugänglich. Die Pflücker füllen die Trauben in Kisten und schleppen sie dann den Hang hinauf."

    Mit mechanisierter Massenproduktion kann die Insel also nicht dienen. Um neben der internationalen Konkurrenz zu bestehen, setzt Zypern auf das Label "Klein aber fein". Auch bei der Werbung hilft die europäische Finanzspritze. Erstmals, sagt Yiannakis Georgiades, soll nun der griechisch-zyprische Wein als nationale Marke beworben werden.

    "Wir wollen eine Position im mittleren Preissegment finden. Zypern ist klein, die Produktionsmengen sind gering. Aber der Wein ist etwas ganz Besonderes, selten und sehr gut - daher hat er seinen Preis."