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Wenn das Internet zur Droge wird

    In der Bibliothek der Technischen Universität Berlin geht es zu wie in einem Taubenschlag. Grund sind die 19 Internet-Plätze der Bibliothek, denn immer mehr Studenten greifen lieber zur Maus anstatt zum Buch. Auch zu Hause verfügen viele Studierende bereits über einen eigenen Internet-Zugang und verbringen viel Zeit im Netz. Erste Anzeichen, dass man dem Online-Zwang unterliegt, sieht Dr. Werner Platz, Diplom-Psychologe an der Freien Universität Berlin, dann gegeben, "wenn das Zeitgefühl verloren geht, und man plötzlich die ganze Nacht vor dem Computer gesessen hat".

    Experten schätzen, dass von derzeit etwa 9 Millionen Internet-Nutzern in Deutschland zirka 10 Prozent Probleme damit haben. Begriffe wie Internetsucht oder Wepaholics sind schon lange keine Fremdworte mehr. Ist man der Droge Internet verfallen, erfolgt meist eine schnelle Abkapselung von der Außenwelt. Wegen der hohen Telefonkosten treibt das Viel-Surfen die Betroffenen oft auch an den finanziellen Abgrund. Als weitere Kennzeichen der Sucht gelten eine stetige Zunahme des Internet-Gebrauchs, mangelnde Kontrolle über das Medium und Entzugserscheinungen. Um einer möglichen Abhängigkeit der Studierenden wenigstens von seiner Seite rechtzeitig entgegen zu wirken will Bibliotheksdirektor Wolfgang Zick von der TU jetzt besondere pädagogische Maßnahmen ergreifen: Der Zugang soll begrenzt werden, indem nur noch etwa 20 Netzadressen zu Recherchezwecken freigeschaltet werden.

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