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Wenn der Grundwasserspiegel sinkt

Die Schorfheide, eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Deutschland, leidet schon seit Jahren unter einem sinkenden Grundwasserspiegel. Was dagegen getan werden kann, dass Feuchtgebiete weiter austrocknen oder Seen verlanden, dazu hat das brandenburgische Landesumweltamt eine Studie erstellt.

Von Heike Holdinghausen | 12.09.2008
    "Wo ich früher als Kind noch im Wald gebadet oder geangelt habe - durch diesen See kann ich heute teilweise durchlaufen."

    Was Förster Lutz Hamann täglich bei der Arbeit in seinem Revier in der Schorfheide sieht, hat jetzt eine Studie im Auftrag des Brandenburgischen Landesumweltamtes offiziell bestätigt. Das artenreiche und für seine Feuchtgebiete bekannte Waldgebiet nordöstlich von Berlin trocknet aus. Katerina Fröhlich, Projektleiterin der Studie:

    "Es gab Absenkungen im Grundwasser, das konnten wir anhand der Messwerte nachweisen. Und zwar kann man sich vorstellen, von 1980 bis 2005 gab es einen Rückgang in der Schorfheide auf dieser Hochfläche da von etwa 1,50 Meter bis 2,20 Meter. Das ist also sehr erheblich."

    Die Diplomhydrologin Fröhlich hat für ihre Machbarkeitsstudie unter anderem Daten zur Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung, aber auch der Beschaffenheit des Waldes und des Bodens in der Schorfheide von 1980 bis 2005 ausgewertet. Drei Gründe sind demnach für den Rückgang des Grundwassers verantwortlich. Zum einen die großflächigen Kiefernforste. Die Nadelbäume sind auch im Winter grün - und brauchen und verdunsten darum das ganze Jahr über Wasser.

    Außerdem: die zahlreichen Abwasserkanäle und Drainagen. Durch sie fließt das Wasser schnell ab, es bleibt ihm keine Zeit, um im Boden zu versickern und Grundwasser zu bilden. Die Hauptursache aber ist der Klimawandel. Die Studie zeigt: Es wird immer wärmer in Brandenburg und es fällt immer weniger Regen. Im kleinen Städtchen Angermünde etwa ist es heute um zwei Grad wärmer als noch vor 50 Jahren. Der Präsident des Brandenburgischen Landesumweltamtes, Matthias Freude, schlägt Alarm:

    "Wir haben hier in Brandenburg mit Abstand die verschärftesten Bedingungen, was den Landschaftswasserhaushalt, den Klimawandel, die Folgen des Klimawandels betrifft sowieso in ganz Deutschland. Wenn ich mit meinen anderen Präsidentenkollegen der Umweltämter in Deutschland rede, die wissen oft überhaupt nicht, wovon die Rede ist. Die wissen nicht, dass bei uns innerhalb der letzten zwölf Jahre in dem Gebiet, in dem wir uns hier gerade befinden, 14 Seen ausgetrocknet sind."

    Gegen den Klimawandel können die Brandenburger allein nichts tun. Aber sie können vor Ort dafür sorgen, dass das wenige Wasser, was noch zu ihnen kommt, nicht sofort wieder wegfließt:

    "Generelle Überschrift: Wasser zurückhalten. Wo es runterkommt, nicht weglaufen lassen. Moore wieder herstellen. Moore und andere Feuchtgebiete sind unsere normalen und natürlichen Wasserspeicher. Früher war die Landschaft wie ein Schwamm, und wir haben die verdammte Aufgabe, der Landschaft diese Schwammfunktion ein bisschen wieder zurückzugeben."

    Die Studie empfiehlt also, Abwasserkanäle versanden zu lassen und unterirdische Drainagen und auch kleinere Entwässerungsgräben zu beseitigen. Zugleich müssten die Nadelforste nach und nach durch Laubwälder aus Eichen und Buchen ersetzt werden. Das alles braucht Zeit - wenn alle Maßnahmen, die die Wasserexperten vorschlagen, greifen, wird der Grundwasserspiegel sich in etwa 30 Jahren normalisiert haben; vorausgesetzt, der Klimawandel hält keine Überraschungen bereit.