Tötung des obersten Führers im Iran
Wer war Chamenei?

Das iranische Staatsfernsehen hat den Tod des geistlichen Oberhaupts, Ali Chamenei, bestätigt. Der 86-Jährige stand mehr als drei Jahrzehnte an der Spitze des Landes. Ein Porträt.

    Ayatollah Ali Chamenei spricht in ein Mikrofon.
    Der iranische Religionsführer Ali Chamenei (Archivbild). (IMAGO / ZUMA Press Wire / Iranian Supreme Leader'S Office)
    Der 1939 als Sohn eines Geistlichen in der ostiranischen Pilgerstadt Maschhad geborene Chamenei gehörte seit seinen Studientagen an den Religionsseminaren in Ghom zum innersten Kreis um Republikgründer Ayatollah Ruhollah. Wegen seiner Aktivitäten in der Opposition gegen die Herrschaft des Schahs wurde Chameni wiederholt inhaftiert, nach dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 stieg er rasch in die Staatsführung auf.
    Als Revolutionsführer Khomeini 1989 starb, wurde Chamenei vom iranischen Expertenrat zu seinem Nachfolger gewählt. Zwar gehörte er damals als Präsident zur Führung des Landes, doch hatte er nur den mittleren geistlichen Rang eines Hodschatoleslam. Als er dann zum Ayatollah erklärt wurde, erkannten Teile des Klerus seine Autorität nicht an.

    Konservativer Hardliner

    In den Machtkämpfen mit den Reformern, die sich während der Präsidentschaft von Mohammed Chatami von 1997 bis 2005 für die politische und kulturelle Öffnung des Landes einsetzten, stellte sich Chamenei auf die Seite der konservativen Hardliner. Die Öffnung des politischen Systems lehnte er ebenso ab wie jede Lockerung der Kleiderregeln oder der Zensurmaßnahmen. Keine wichtige Entscheidung im Land wurde ohne Chameneis Zustimmung getroffen.

    Außenpolitische Doktrin geprägt vom Kampf gegen Erzfeinde

    Chameneis außenpolitische Doktrin war geprägt vom Kampf gegen Erzfeind Israel. Auch die USA wurden als Feindbild stilisiert. Unter dem Druck der internationalen Wirtschaftssanktionen stimmte Chamenei 2015 der Beschränkung des iranischen Atomprogramm zu und hielt trotz des Austritts von US-Präsident Trump aus dem Abkommen in dessen erster Amtszeit lange daran fest. Jahrelang demonstrierte Chamenei mit seinem konfrontativen Kurs gegenüber den Vereinigten Staaten und Israel Stärke und unterstützte pro-iranische Milizen wie die libanesische Hisbollah oder die palästinensische Hamas.
    In seine Zeit als Führer des Landes fielen unter anderem der Studentenaufstand von 1999, Massenproteste wegen einer umstrittenen Präsidentenwahl 2009, niedergeschlagene Demonstrationen 2019 und die landesweiten Proteste nach dem Tod der Kurdin Mahsa Amini 2022. Zuletzt hatte das iranische Regime im Januar erneut Proteste brutal niedergeschlagen, die durch die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes ausgelöst worden waren. Dabei sollen Menschenrechtsorganisationen zufolge zehntausende Menschen getötet worden sein.
    Diese Nachricht wurde am 01.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.