WhatsApp-Nutzungsbedingungen Warum die neuen Facebook-Regeln in der EU nicht greifen

Nutzerinnen und Nutzer von WhatsApp müssen die neuen Nutzungsbedingungen des Unternehmens bestätigen, wenn sie den Dienst weiterhin nutzen wollen. Konzernmutter Facebook will mit dem Messengerdienst endlich Geld verdienen. Doch innerhalb der EU stoßen die aktuellen Pläne an Grenzen.

Von Michael Borgers | 11.01.2021

Eine Hand hält ein Smartphone, wo die neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp zu sehen sind
Wer WhatsApp weiternutzen will, muss bis zum 8. Februar 2021 neue Regeln akzeptieren (Deutschlandfunk / Michael Borgers)
Die Übernahme von WhatsApp durch Facebook ist bald 7 Jahre her. Von Anfang an betonte Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Der Messengerdienst WhatsApp soll unabhängig unter dem Dach seiner Firma bleiben. Noch 2019 versicherte Zuckerberg vor dem Hintergrund von Datenskandalen, den Schutz der Privatsphäre bei Facebook in den Mittelpunkt zu stellen – doch der Umbau seines Konzerns hatte da schon begonnen.
Die neue Strategie, die damals angekündigt wurde: Das Unternehmen will seine drei großen Apps, also Facebook selbst, Instagram und WhatsApp, miteinander verbinden und direkte Kommunikation in den Chats der Dienste möglich machen. Seit einigen Monaten ist das zwischen Facebook und Instagram bereits möglich.

Neue WhatsApp-Regeln gelten nicht für die EU

Die Datenschutzrichtlinie, der die Nutzerinnen und Nutzer von Whatsapp nun bis zum 8. Februar zustimmen sollen, betrifft erst einmal nur den Austausch von Daten, die dem Unternehmen selbst zur Verfügung stehen: Mit den Änderungen kann WhatsApp Kontakt- und Profilinformationen mit Diensten der Mutterfirma Facebook teilen und sogar an deren Werbekunden weiterreichen.
Doch: Die neuen Regeln sollen nicht innerhalb der Europäischen Union gelten. Das stellte Facebook umgehend nach massiver Kritik deutscher Datenschützerinnen und -schützer klar. Hintergrund dieser Ausnahme ist, dass die EU-Kommission einen solchen Datenaustausch bereits 2014 beim Zukauf untersagt hat – und seitdem streng überwacht.
2017 musste Facebook 110 Millionen Euro Strafe zahlen. Die EU-Kommission stellte damals fest, dass der Konzern bei der Übernahme falsche Angaben gemacht hatte. Denn es stellte sich heraus, dass Werbetreibende doch persönliche Daten wie Telefonnummern von Whatsapp mit denen von Facebook hätten abgleichen können.
Werbung statt offener Austausch
Für uns mögen Facebook und Twitter Diskussionsforen sein, für die Konzerne dahinter sind sie vor allem Werbeflächen. Marina Weisband fordert, auch Plattformen mit anderen Geschäftsmodellen eine Chance zu geben.

WhatsApp bald auch als Plattform für Werbung?

Branchen-Insider gehen schon lange davon aus, dass Facebook seinen mit rund zwei Milliarden Kundinnen und Kunden beliebtesten Messenger langfristig auch als Plattform für Werbung nutzen will. In Ländern außerhalb der EU dürfte die neue Datenschutzrichtlinie das zur Folge haben.
Die Ankündigung Ende vergangener Woche hat mit dazu geführt, dass weltweit andere Dienste stärker nachgefragt werden. Messenger wie Threema und Signal gelten als datensichere Alternativen.