Internationale Konferenz zur Zukunft der Kernenergie
Widerstand aus Deutschland gegen Atomkraft-Pläne der EU-Kommission

Bundesumweltminister Schneider hat EU-Plänen zur Kernenergie eine deutliche Absage erteilt. Kommissionspräsidentin von der Leyen hatte zuvor auf einer Konferenz in Frankreich von einer verstärkten Hinwendung zur Nukearenergie gesprochen. Bundeskanzler Merz nannte den deutschen Atomausstieg "unumkehrbar".

    Schneider mit brille, dunklem Jackett und Krawatte vor einer Wand, deren Schrift man nicht lesen kann, da sie unscharf abgebildet ist.
    Atomkraft Nein Danke: Bundesumweltminister Carsten Schneider (picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow)
    Umweltminister Schneider erklärte in Berlin, es spreche Bände, dass der Kern dieser rückwärtsgewandten Strategie aus neuen Subventionen für Atomkraftwerke bestehe. Wenn eine Risiko-Technologie nach einem dreiviertel Jahrhundert noch immer am staatlichen Tropf hänge und es längst bessere Alternativen gebe, sollte man daraus Konsequenzen ziehen, forderte der SPD-Politiker. Stattdessen noch mehr Steuergeld für neue Risikoreaktoren auszugeben, lehne er ab. Der Bundesumweltminister fügte hinzu, die von der Kommissionspräsidentin erwähnten kleinen Atomkraftwerke würden schon seit Jahrzehnten angekündigt, schafften aber den Durchbruch nicht und rängen stattdessen um Subventionen. Sauberer ungefährlicher Strom aus Wind und Sonne sei günstiger, treibe längst die Energiewende an und produziere keinen strahlenden Müll.

    "Abkehr von Atomkraft war ein Fehler"

    Zu der internationalen Konferenz in Boulogne-Billancourt bei Paris hatte Frankreichs Präsident Macron eingeladen. Dort bezeichnete von der Leyen die Abkehr von der Atomkraft als einen strategischen Fehler. Europa hätte einer bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom nicht den Rücken kehren sollen, sagte sie. Man erlebe weltweit eine Renaissance der Kernenergie, und daran wolle die EU teilhaben. Aus diesem Grund erarbeite die Kommission eine neue Strategie für kleine modulare Reaktoren, so die Kommissionspräsidentin weiter. Diese Technologie solle bis Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein und neben den herkömmlichen Kernreaktoren eine Schlüsselrolle bei der Energieversorgung spielen. Die CDU-Politikerin fügte hinzu, das Risiko privater Investoren würde dann künftig seitens der EU mit bis zu 200 Millionen Euro abgesichert.

    Macron für grenzüberschreitende Zusammenarbeit

    Gastgeber Macron plädierte in diesem Zusammenhang für eine bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Man benötige einen Markt für den freien Verkehr von kohlenstofffreier Elektrizität. Dabei sei es egal, ob der Strom mit Wind-, Solar- oder mit Atomenergie erzeugt werde. Frankreich setzt im Gegensatz zu Deutschland fest auf die Nuklearenergie. Das Land fordert für die Kernkraft die gleiche finanzielle Unterstützung der EU wie für erneuerbare Energien. Die Regierung in Paris plant derzeit den Bau von sechs weiteren Reaktoren.

    Merz: "Atomausstieg unumkehrbar"

    Bundeskanzler Merz bezeichnete den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland als unumkehrbar. Er sagte nach einem Treffen mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Babiš in Berlin, zwar teile er persönlich die Einschätzung von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, wonach die Abkehr von der Atomkraft falsch gewesen sei. Die Bundesregierungen zuvor hätten aber entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen. Dieser Beschluss sei irreversibel. Er bedauere das, aber es sei so. Die Bundesregierung konzentriere sich darauf, die Energiepolitik zu optimieren, fügte Merz hinzu. Die Netze müssen ausgebaut und das Energieangebot vergrößert werden. 
    An dem Kongress nehmen Vertreter von etwa 30 Staaten teil, nicht aber Deutschland, das die Beratungen lediglich verfolgt. Die Bundesregierung setzt unter anderem auf den Bau neuer Gaskraftwerke. Sie sollen den Ausbau der erneuerbaren Energien flankieren und als "Backups" dienen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.
    Diese Nachricht wurde am 10.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.