
Die Unterzeichner - darunter der Kabarettist und Musiker Hans Well (ehemals "Biermöslblosn") - kritisieren die Berufung des Kommunalpolitikers Sebastian Gruttauer zum ersten kommunalen Kulturreferenten aus den Reihen der AfD in Bayern. In dem Schreiben heißt es, Kultur sei kein unpolitischer Raum. "Sie prägt unser gesellschaftliches Miteinander, unsere Werte und unser Verständnis von Offenheit, Vielfalt und Demokratie. Kultur erschöpft sich nicht in Traditionen wie Maibaumaufstellen oder Entenrennen - so identitätsstiftend diese auch sein mögen". Es sei daher mehr als fragwürdig, ob ein Vertreter einer Partei, die immer wieder durch ausgrenzende und demokratiefeindliche Positionen auffalle, glaubwürdig für diese Werte stehen könne.
Rechte Positionen
Der AfD-Stadtrat Gruttauer (32), der sich öffentlich meist in bayerischer Tracht und mit langem Vollbart zeigt, hat in der Vergangenheit öffentlich politisch sehr weit rechts anzusiedelnde Positionen vertreten. "Wir werden mehr und mehr zur Minderheit im eigenen Land", schrieb er etwa in einem seiner Instagram-Posts. "Das darf niemals passieren, und darum braucht es Remigration".
Die AfD stellt seit der Stadtratswahl im März drei der 20 Sitze im Kommunalparlament des 5.000-Einwohner-Städtchens, das ganz im Osten Bayerns an der Grenze zum oberösterreichischen Bezirk Braunau gelegen ist. Im Stadtrat ist es üblich, dass jedes Mitglied ein Fachreferat übernimmt.
"Gab Vorabsprache"
Gruttauer selbst schildert die Situation auf Instagram so, dass es eine Vorabsprache gegeben habe, die ihm das Kulturreferat zugesichert habe. Später soll seiner Darstellung zufolge ein Stadtrat einen Gegenvorschlag gemacht haben - dieser sei aber nicht angenommen worden.
Nach einem Bericht des "Münchner Merkur" soll es Überlegungen geben, die Wahl rückgängig zu machen und Gruttauer mit einem anderen Resort zu versorgen. Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Diese Nachricht wurde am 28.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
