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StartseiteKultur heuteWie der Zauberer nach Oz kam03.03.2013

Wie der Zauberer nach Oz kam

Sam Raimis "Die fantastische Welt von Oz" im Kino

Wer war eigentlich der legendäre Zauberer von Oz? Wo kommt er her? Und wie fand er den Weg in das rätselhafte Zauberland? Der legendäre Kinderbuchklassiker gibt darauf keine Antwort. Sam Raimis Film hat die Lücke höchst eigenwillig geschlossen.

Von Josef Schnelle

 Regisseur Sami Raimi bei der US-Premiere seines Films. (picture alliance / dpa)
Regisseur Sami Raimi bei der US-Premiere seines Films. (picture alliance / dpa)

"Kansas ist voller guter Menschen. Ich will aber nicht gut sein. Ich will der Größte sein. Ich will nicht sterben."

Kleines Schwarz-Weiß-Format, mittelmäßige Illusionskunst, grundlose Großspurigkeit. Nach 18 Minuten ist das alles vorbei. Das Bild wird farbig, Breitwand und 3D. Oz steht auf dem Ballon, der den Helden in einen Wirbelstrom trägt und wie 1939 Dorothy im Filmklassiker "Der Zauberer von OZ" in ein rätselhaftes Zauberland gerät.

Sam Raimi ist bei der Neuverfilmung des klassischen Stoffes von L. Frank Baum einen ganz anderen Weg gegangen. Er hat eine Vorgeschichte zu der absurd-komischen Märchenwelt von Oz erfunden, die nicht mehr viel mit den 15 Romanen zu tun hat, die Baum dort ansiedelt. Das ist nicht ganz richtig. Es gibt schließlich Hexen und Fabelwesen und einen Magier, der das alles erobert wie in der Originalvorlage. Judy Garland sang damals den Klassiker "Somewhere over the Rainbow" und wünschte sich am Ende nur noch die sichere Rückkehr. Die Kinoformel "Es ist nirgends schöner als Zuhause", die sie am Ende murmelte, machte alle Kinoträume zu Fiebervisionen und den Film von Victor Fleming zum Klassiker für alle Zeiten. Besonders für die bitteren Krisen und Kriegszeiten, die 1939 anbrachen. Sich an diesen klassischen Stoff heranzuwagen, ist deswegen ein besonderes Wagnis. Raimi liebt die Finten und Details der Geschichte, die die knallige Buntheit des Landes Oz zwar weiter betont, jedoch völlig andere Akzente setzt. Der Zauberer von Oz ist zwar auch in dem alten Film ein schließlich durchschaubarer Taschenspieler, doch er ist auch schon fast allmächtig. Oz ist in diesem Film der Möchtegern-Houdini Diggs, der sich zunächst nicht sicher ist, wo er da gelandet ist. Drei Hexen empfangen ihn.

"Ist das ein Traum?" – "Sie sind in Oz. Ich bin Theodora, die gute Hexe." – "Wo ist Ihr Besen?" – "Sie wissen nicht viel über Hexen. Die Smaragdstadt. Endlich sind sie hier und die Weissagung wird erfüllt."

In der Smaragdstadt trifft er Zauberwesen, und der betrügerische Magier muss sehr schnell lernen, mit echten Zauberkräften zurechtzukommen. Manche Figuren dort sind auch böse, irrlichtern herum und haben scharfe Zähne. Oz ist ein Scharlatan, der sich – dargestellt vom Star der Saison James Franco – irgendwie so durchgemogelt hat. Im Lande Oz braucht er aber neue Fähigkeiten und Maßstäbe. Außerdem ist das Böse nicht wie im Film von 1939 eine Hexe mit grünem Gesicht, sondern manchmal auch schön und verführerisch. Es ist auch lange nicht klar, wer wirklich gut, wer manchmal böse und wer das absolut Böse verkörpert. Giggs, der eigentlich nur über Illusionstricks verfügt, muss in dieser fremden Welt neue Wege gehen.

"Brave Bürger von Oz. Euer Zauberer ist da."

Na ja, so einfach ist das denn nun doch nicht, eine Welt zu retten, die in 3D und in Farbe an James Camerons stilbildenden Film "Avatar" erinnert. Das Staunen hat das Kino jedenfalls nicht verlernt, das von Anfang an zwischen der Abbildung der bekannten Welt und der Erschaffung gänzlich neuer Bildwelten hin- und hergesprungen ist, zwischen den realistischen Lumière-Brüdern und dem genialen Phantasten Georges Méliés. Raimi ist sich dieser Traditionen bewusst. Zwischen der Verkündigungsbotschaft des erwarteten Retters und dessen durchsichtigen Taschenspielertricks entfaltet sich in diesem kleinen Meisterstück auch das Kino als genuine Jahrmarktskunst. Zwei Hexenschwestern im Zwiegespräch:

"Ist er nicht wundervoll. Sagte ich nicht, dass er kommt." – "Du wagst dich mit diesem Trottel hierher und lässt ihn den heiligen Thron besteigen." – "Warum auch nicht. Er ist der Zauberer." – "Zauberer – das sagt er. Ich meine, ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass er vielleicht ein Schwindler ist, den die böse Hexe schickt, um uns alle zu töten."

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