Migration
Wie die britische Regierung versucht, die Einwanderungs- und Sicherheitspolitik der USA zu kopieren

Während die US-Einwanderungsbehörde wegen ihres brutalen Handelns international in der Kritik steht, scheint Großbritannien die Methoden von ICE zu kopieren. So geht auch die britische Regierung öffentlich hart gegen Migranten vor. Auf dem TikTok-Account des Innenministeriums werden Videos verbreitet, die Festnahmen und Abschiebungen zeigen.

    Symbolbild zu Großbritannien, Migration
    Hartes Vorgehen gegen illegale Einwanderung in Großbritannien (picture alliance / Shotshop / stadtratte)
    Der Account mit den Namen "Secure Borders UK" hat mehr als 28.000 Follower und trägt den Status "Wiederherstellung von Ordnung und Kontrolle an unseren Grenzen". Ein vor gut zwei Wochen gepostetes Video zeigt Personen, die bei Polizeirazzien festgenommen wurden. In einem anderen Video sind Migranten zu sehen, die mit Handschellen an den Handgelenken zu Flugzeugen begleitet werden. Am Ende erscheint die Botschaft: "Das ist erst der Anfang". 30 Clips, jeweils mit Musik unterlegt, sind inzwischen hochgeladen worden.

    Flüchtlingsorganisationen kritisieren populistische Inhalte

    Flüchtlingsorganisationen kritisieren den Auftritt scharf, schildert die London-Korrespondentin der ARD, Franziska Hoppen. Josephine Whitaker-Yilmaz von der Nichtregierungsorganisation "Praxis - for Migrants and Refugees" etwa erklärte: "Die Entscheidung der Regierung, diese entmenschlichte Sprache von Aufnahmen von Menschen zu zeigen, die abgeschoben oder inhaftiert werden, legitimiert Rassismus." Die Aufnahmen sollten Einwanderer abschrecken, führten aber auch bei allen anderen Menschen mit Migrationshintergrund zu Furcht.
    Das britische Innenministerium erklärte, der Account diene dazu, Online-Desinformation zu bekämpfen und Menschen von der gefährlichen Überfahrt über den Ärmelkanal abzuhalten.

    "So viele Razzien wie nie zuvor"

    Zeitgleich veröffentlichte die Labour-Regierung neue Zahlen zum harten Vorgehen gegen illegale Einwanderung. Nach Regierungsangaben wurden seit Amtsantritt fast 50.000 Abschiebungen durchgeführt. Im Fokus stehen Schleuserbanden, aber auch illegale Erwerbstätige. 17.400 Razzien habe es gegeben, so viele wie nie zuvor in einem so kurzen Zeitraum, betonte die Regierung. Außerdem seien mehr als 12.000 Menschen festgenommen worden.
    Innenministerin Mahmood hatte zuvor eine deutlich verschärfte Migrationspolitik angekündigt, auch um das Streitfeld Migration nicht den rechten Parteien zu überlassen. Die Bemühungen, eine harte Haltung in der Einwanderungsfrage zu zeigen, sind Teil der Strategie von Premier Starmer, die Unterstützung der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Seine Labour-Partei ist Umfragen zufolge weit hinter der Partei Reform UK des Rechtspopulisten Farage zurückgefallen.
    Auch die britische Konservative Partei hatte ein hartes Migrationsprogramm angekündigt. Parteichefin Badenoch sagte im Oktober, man werde im Falle eines Wahlsiegs eine neue Abschiebebehörde schaffen – nach dem Vorbild der US-Einwanderungsbehörde ICE.

    AfD-Idee einer Abschiebe-Polizei

    In Deutschland werden am politisch rechten Rand ebenfalls Rufe nach einer Art ICE-Einheit laut. Die bayerische AfD-Landtagsfraktion forderte die Schaffung einer speziellen Asyl-, Fahndungs- und Abschiebegruppe der Polizei - und bezog sich dabei explizit auf ICE in den USA. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsdent Söder wies dies zurück. Methoden wie die von ICE werde es in Bayern und Deutschland nicht geben. Auch der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Wiese, wies die AfD-Idee als "menschenverachtend und demokratiefeindlich" zurück.
    Diese Nachricht wurde am 28.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.