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StartseiteUmwelt und VerbraucherWie kommt die rote Farbe in die Lebensmittel?27.12.2001

Wie kommt die rote Farbe in die Lebensmittel?

von: Solweig Bader

In Campari, Tortenguss, kandierten Früchten, Gummibärchen, sogar in Lachsersatz isst das Auge den tiefroten Farbstoff mit. Schon in Mexiko und Peru wusste man die intensive rote Färbung der Schildlaus zu nutzen und exportierte sie nach Spanien. Heute werden hauptsächlich auf den sonnigen Kanarischen Inseln die so genannten "cochinillas" auf dem Feigenkaktus speziell für die Farbstofferzeugung gezüchtet. Es ist der einzige natürliche Farbstoff, der von Tieren stammt. Manfred Hofmann lebt seit 31 Jahren auf Lanzarote. Dort findet man überall die etwa erbsengroßen Tierchen auf den Kaktusblättern.

Hier sind kleine Läuse, die leben auf der Opuntie, auf diesem Kaktus, die werden einmal im Jahr gesammelt, das ist Ende Sommer, dann werden sie getrocknet und gesiebt, von außen sehen sie weiß aus, weil sie ein kleines Pulver dran haben, deswegen muss man das Pulver erstmal absieben, dann werden sie getrocknet und dann sind sie jahrelang haltbar. Nachher werden sie gemehlt und benutzt für verschiedene Produkte wie Campari, die rote Farbe im Campari oder Lippenstift, Joghurt oder Wurst ist die "cochinilla" drin.

Die "cochinillas" saugen sich an den Blättern fest und leben als Parasiten vom Saft der Kakteen. Der rote Farbstoff ist allerdings nur den weiblichen Läusen gegeben. Da sie keine Flügel haben, dient der bitter schmeckende Stoff als Abschreckungsmittel anderen Tieren gegenüber. Die weiblichen Läuse werden von den Kakteen - wie die Fachleute sagen ? abgelöffelt. Und zwar kurz vor der Eiablage, weil in den Eiern der meiste Farbstoff enthalten ist. Nachdem die Läuse dann an der Sonne getrocknet und anschließend gemahlen wurden, wird das feine Mehl in Wasser verrührt und abfiltriert. Lässt man das Wasser verdampfen, bleibt Farbstoff-Pulver zurück. Das Rot wird zum Färben von Textilien und Naturkosmetika verwendet, in der Lebensmittelindustrie den Rezepturen zugesetzt. Dr. Elke Dick-Hennes, Lebensmittelchemikerin am Chemischen Untersuchungsamt in Essen:

Man hat den natürlichen Farbstoff, der hat auch eine so genannte E-Nummer, das ist die Nummer E-120 und der wird beschrieben als "echtes Karmin" und zwar deshalb, weil man nicht die gesamte Laus verarbeitet, sondern den isolierten Farbstoff verwendet.

Das "echte Karmin" der Schildlaus wurde zum großen Teil durch den synthetisch hergestellten Azofarbstoff "cochinilla rot A" mit der E-Nummer 124 verdrängt. Laut Schätzungen der Lebensmittelchemiker weisen rund 80 Prozent der Lebensmittel die synthetische Farbe auf, nur 20 Prozent die natürliche. Grund: Der künstliche Farbstoff ist billiger in der Herstellung. Laut Zusatzstoff-Zulassungsverordnung der EU ist genau festgelegt, in welchen Lebensmitteln der künstliche Farbstoff jedoch nicht enthalten sein darf, so Elke Dick-Hennes:

Schwerpunktmäßig sind das die Wurstwaren, dann gibt es eine Zulassung für so genannte Frühstückscerealien mit Fruchtgeschmack, die zum Teil auch gefärbt werden, um diese Kirsch- oder Himbeergeschmacksrichtungen auch zu färben. Das sind die Hauptlebensmittel, in denen nur der natürliche eingesetzt werden darf, in den anderen dürfen beide eingesetzt werden. Für Spirituosen, zum Beispiel für roten Martini und roten Campari, sind beide Farbstoffe zugelassen, in der Regel wird aber dort der natürliche Farbstoff eingesetzt.

Obwohl synthetische Farbstoffe im Verdacht stehen, Allergien - insbesondere Hautreaktionen - auszulösen, gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse über gesundheitliche Auswirkungen. Wer Risiken ausschließen möchte, sollte künstlich gefärbte Lebensmittel meiden, rät die Verbraucherzentrale NRW. Denn Farbstoffe in Lebensmitteln sind schlichtweg überflüssig. Besonders rot gefärbte Wurst täusche einen höheren Muskelfleischanteil vor und beeinflusse dadurch die Kaufentscheidung der Verbraucher, so die Verbraucherzentrale. Immer mehr Hersteller gehen dazu über, alternative Naturfarbstoffe aus Pflanzen zu verwenden, so Lebensmittelchemikerin Elke Dick-Hennes , so dass ...

viele dieser Artikel wie Gummibärchen oder Weingummi mit natürlichen Pflanzenextrakten, zum Beispiel mit Rote Beete-Saft gefärbt werden und keine künstlichen Farbstoffe enthalten. Die grüne Farbe wird oft mit Spinatextrakt erreicht oder in Wurstwaren wird auch ein Paprikaextrakt eingesetzt.

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