Christoph Schmitz: Unsere Erde ist fast fünf Milliarden Jahre alt. Abgekühlt ist sie recht schnell, aber die Glut im Innern dringt seit einigen Milliarden Jahren immer wieder durch die Erdkruste. Auch in den kommenden Millionen Jahren wird das so sein. Aschewolken werden in den Himmel gestoßen, sie verteilen sich in der Atmosphäre und sinken nieder. Fluggesellschaften werden diesen Zustand nicht ändern können, auch wenn es einmal ein globales Verkehrsministerium geben wird, das sich dann um solche Probleme kümmern muss. Auch Tornados werden vor den Errungenschaften der hochmobilen und technisierten Welt nicht Halt machen, ebenso wenig Erdbeben und Tsunamis vor Hightech-Zentren.
Der Soziologe Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin beschäftigt sich mit Zukunftsfragen der technisierten Welt. Gefragt habe ich ihn: Müssen wir uns etwa bei unserer globalen Mobilität damit abfinden, dass uns die Natur immer in die Quere kommen wird?
Weert Canzler: Ja, damit müssen wir uns abfinden. Das lässt sich nicht komplett ausschließen und wir haben andererseits eine so dichte Taktung, was die Verkehrsleistung, was die Verkehrsströme angeht, dass da immer wieder Störungen stattfinden können, je dichter alles getaktet ist – und das betrifft ja sowohl, wenn man sich anschaut, die Flughäfen mit ihren Starts und Landungen, das betrifft den Eisenbahnverkehr, die Auslastung von Autobahnen etcetera -, je stärker wir das vertakten, desto anfälliger wird das System natürlich.
Schmitz: Aber ist der Mensch mit dieser hochtechnologisierten Umwelt nicht letztlich doch Herr der Lage, Herr der Natur geworden und wird es immer mehr, weswegen Aschewolken, Tornados und Tsunamis ja dann doch nur gelegentliche Störfälle verursachen, deren Folgen wir dann schnell beheben? So scheint es ja bisher gewesen zu sein.
Canzler: Ja, aber diese Störungen unterbrechen doch das System auf eine ziemlich empfindliche Art und Weise. Wenn wir jetzt an die letzte Aschewolke denken, jetzt nicht gerade die aktuelle, sondern die vorherige, dann haben wir ja gesehen, dass dann der gesamte Flugverkehr für bestimmte Zeit außer Kraft gesetzt war, und wenn wir uns angucken, was bei der Bahn mit einer kleinen Störung schon für Folgewirkungen im Netz zu beobachten sind, dann kann man zwar sagen, letztendlich beherrscht man es dann wieder, aber die Effekte selbst kleinster Störungen sind dann schon massiv.
Schmitz: Wenn also diese Technologie anfällig ist für Natureinwirkungen, dann kann es ja nicht heißen, dass wir aus Vorsicht auf den Fortschritt und auf die Verbesserungen verzichten. Aus Unfällen scheint der Mensch ja auch zu lernen. Wegen der verbesserten Autos gibt es heute viel weniger Verkehrstote als noch vor 20, 30 Jahren. Die Frage ist ja dann, ob wir genug aus den Katastrophen lernen.
Canzler: Na ja, das hängt jetzt ein bisschen von dem Feld an, was man sich anguckt. Ich denke, bei der Luftfahrt zum Beispiel haben wir extreme Sicherheitssysteme entwickelt. Gerade weil wir uns solch einen Absturz nicht leisten können, ist da ja sehr viel an Redundanzen eingebaut. Das ist in anderen Verkehrssystemen nicht so, weil da sozusagen die Schadenswirkungen nicht so fatal sind wie im Luftverkehr. Aber wir werden natürlich schon auch lernen müssen, insofern als dass wir in vielen Fällen einfach auch mehr Puffer einbauen müssen. Also im Bahnverkehr zum Beispiel ist es so, dass wir oftmals Folgewirkungen eines einzelnen Unfalls, oder einer Selbsttötung haben, die einfach dadurch passieren, dass wir eine extrem enge Zeitschiene haben, in der die Züge und die Bahnhöfe organisiert sind, und das wird man wahrscheinlich künftig doch auch durch Redundanzen, wie man sie in anderen Bereichen kennt, ausgleichen müssen.
Schmitz: Nun ist in Bewegung zu sein, mobil zu sein, sich über die Erde gewissermaßen zu verbreiten ja fast so was wie eine anthropologische Konstante. Der Individualverkehr, Reisen rund um den Globus mit dem Flugzeug, der Bahn, Auto und Schiff wird insofern ja dann auch nicht zu stoppen sein oder einzudämmen sein, weil der Mensch nun mal so ist, wie er ist, weil er unterwegs sein möchte, mit allen Folgeschäden, der Umweltbelastung, der sich anbahnenden Klimakatastrophe, die ja auch wesentlich mit dem Verkehr zu tun hat. Wie kann das aber in vernünftige Bahnen gebracht werden, dieser Urdrang des Menschen, sich zu bewegen, denn auf Auto, auf Bahn, auf Schiffe, Flugzeuge wird ja niemand verzichten wollen?
Canzler: Was wir jetzt erleben, diese hohe Form der Individualmobilität, das ist natürlich etwas, was wir im Grunde nicht verallgemeinern können weltweit. Das gibt einfach die Ressourcenlage nicht her und das wird auch, was die Fragen angeht, die Sie ja auch schon erwähnt haben, nicht zu tragen sein. Das heißt, wir werden zu effizienteren, auch kollektiveren Formen kommen müssen, wir werden auch im Zuge von Urbanisierung dazu kommen, dass wir bestimmte Aktivitäten einfach näher zusammenlegen. Man wird nicht weiter so machen können, dass man Funktionen wie Wohnen, Arbeiten, Freizeit einfach weit auseinanderzieht, sondern das wird wieder stärker zusammenkommen müssen, einfach aus Ressourcenschutzgründen und weil es dann einfach sinnvoller im Sinne von effizienter organisierbar ist, als es bisher der Fall ist.
Schmitz: Das sagt der Soziologe Weert Canzler über Mobilität und Technik im Schatten von Aschewolken.
Der Soziologe Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin beschäftigt sich mit Zukunftsfragen der technisierten Welt. Gefragt habe ich ihn: Müssen wir uns etwa bei unserer globalen Mobilität damit abfinden, dass uns die Natur immer in die Quere kommen wird?
Weert Canzler: Ja, damit müssen wir uns abfinden. Das lässt sich nicht komplett ausschließen und wir haben andererseits eine so dichte Taktung, was die Verkehrsleistung, was die Verkehrsströme angeht, dass da immer wieder Störungen stattfinden können, je dichter alles getaktet ist – und das betrifft ja sowohl, wenn man sich anschaut, die Flughäfen mit ihren Starts und Landungen, das betrifft den Eisenbahnverkehr, die Auslastung von Autobahnen etcetera -, je stärker wir das vertakten, desto anfälliger wird das System natürlich.
Schmitz: Aber ist der Mensch mit dieser hochtechnologisierten Umwelt nicht letztlich doch Herr der Lage, Herr der Natur geworden und wird es immer mehr, weswegen Aschewolken, Tornados und Tsunamis ja dann doch nur gelegentliche Störfälle verursachen, deren Folgen wir dann schnell beheben? So scheint es ja bisher gewesen zu sein.
Canzler: Ja, aber diese Störungen unterbrechen doch das System auf eine ziemlich empfindliche Art und Weise. Wenn wir jetzt an die letzte Aschewolke denken, jetzt nicht gerade die aktuelle, sondern die vorherige, dann haben wir ja gesehen, dass dann der gesamte Flugverkehr für bestimmte Zeit außer Kraft gesetzt war, und wenn wir uns angucken, was bei der Bahn mit einer kleinen Störung schon für Folgewirkungen im Netz zu beobachten sind, dann kann man zwar sagen, letztendlich beherrscht man es dann wieder, aber die Effekte selbst kleinster Störungen sind dann schon massiv.
Schmitz: Wenn also diese Technologie anfällig ist für Natureinwirkungen, dann kann es ja nicht heißen, dass wir aus Vorsicht auf den Fortschritt und auf die Verbesserungen verzichten. Aus Unfällen scheint der Mensch ja auch zu lernen. Wegen der verbesserten Autos gibt es heute viel weniger Verkehrstote als noch vor 20, 30 Jahren. Die Frage ist ja dann, ob wir genug aus den Katastrophen lernen.
Canzler: Na ja, das hängt jetzt ein bisschen von dem Feld an, was man sich anguckt. Ich denke, bei der Luftfahrt zum Beispiel haben wir extreme Sicherheitssysteme entwickelt. Gerade weil wir uns solch einen Absturz nicht leisten können, ist da ja sehr viel an Redundanzen eingebaut. Das ist in anderen Verkehrssystemen nicht so, weil da sozusagen die Schadenswirkungen nicht so fatal sind wie im Luftverkehr. Aber wir werden natürlich schon auch lernen müssen, insofern als dass wir in vielen Fällen einfach auch mehr Puffer einbauen müssen. Also im Bahnverkehr zum Beispiel ist es so, dass wir oftmals Folgewirkungen eines einzelnen Unfalls, oder einer Selbsttötung haben, die einfach dadurch passieren, dass wir eine extrem enge Zeitschiene haben, in der die Züge und die Bahnhöfe organisiert sind, und das wird man wahrscheinlich künftig doch auch durch Redundanzen, wie man sie in anderen Bereichen kennt, ausgleichen müssen.
Schmitz: Nun ist in Bewegung zu sein, mobil zu sein, sich über die Erde gewissermaßen zu verbreiten ja fast so was wie eine anthropologische Konstante. Der Individualverkehr, Reisen rund um den Globus mit dem Flugzeug, der Bahn, Auto und Schiff wird insofern ja dann auch nicht zu stoppen sein oder einzudämmen sein, weil der Mensch nun mal so ist, wie er ist, weil er unterwegs sein möchte, mit allen Folgeschäden, der Umweltbelastung, der sich anbahnenden Klimakatastrophe, die ja auch wesentlich mit dem Verkehr zu tun hat. Wie kann das aber in vernünftige Bahnen gebracht werden, dieser Urdrang des Menschen, sich zu bewegen, denn auf Auto, auf Bahn, auf Schiffe, Flugzeuge wird ja niemand verzichten wollen?
Canzler: Was wir jetzt erleben, diese hohe Form der Individualmobilität, das ist natürlich etwas, was wir im Grunde nicht verallgemeinern können weltweit. Das gibt einfach die Ressourcenlage nicht her und das wird auch, was die Fragen angeht, die Sie ja auch schon erwähnt haben, nicht zu tragen sein. Das heißt, wir werden zu effizienteren, auch kollektiveren Formen kommen müssen, wir werden auch im Zuge von Urbanisierung dazu kommen, dass wir bestimmte Aktivitäten einfach näher zusammenlegen. Man wird nicht weiter so machen können, dass man Funktionen wie Wohnen, Arbeiten, Freizeit einfach weit auseinanderzieht, sondern das wird wieder stärker zusammenkommen müssen, einfach aus Ressourcenschutzgründen und weil es dann einfach sinnvoller im Sinne von effizienter organisierbar ist, als es bisher der Fall ist.
Schmitz: Das sagt der Soziologe Weert Canzler über Mobilität und Technik im Schatten von Aschewolken.
