
Im Vorfeld hatten mehrere Künstler ihre Auftritte bei den Wiener Festwochen aus Protest gegen die geplante Teilnahme Thiels abgesagt. Da diese Absagen das Festival "in einem untragbaren Umfang" schwächten, habe sich die Geschäftsführung dazu entschlossen, die Debatte mit Thiel abzusagen, teilten die Veranstalter mit. Kritik kam zuvor auch von der Stadt Wien, die die Festwochen finanziert. Kulturstadträtin Kaup-Hasler hatte in der Zeitung "Der Standard" erklärt, die Einladung Thiels führe "durchaus berechtigt zu großem Unmut".
Wichtiger Akteur des Rechtsrucks in den USA
Der Paypal-Gründer Thiel gilt als einer der einflussreichsten Männer des Silicon Valley und als wichtiger Akteur des Rechtsrucks in den USA. Der Tech-Milliardär ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu US-Präsident Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien. In letzter Zeit hatten Berichte über Thiels apokalyptische Weltsicht auch seine religiöse Ideologie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Intendant Rau für kritische Auseinandersetzung
Thiel hätte in Wien an einer Debatte mit dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver teilnehmen sollen. Der Festwochen-Intendant und Regisseur Milo Rau hatte sich für den öffentlichen Diskussionsabend eingesetzt. Er nehme die Kritik an der Veranstaltung ernst, halte aber auch das Gespräch für wichtig, sagte Rau im Deutschlandfunk Kultur. Es sei nötig, sich Thiels Ideologie anzuhören und sich mit Macht, Einfluss und politischen Netzwerken kritisch auseinanderzusetzen. Dies nicht zu tun, wäre "fast schon ein politisch unentschuldbares Versäumnis", erklärte Rau.
Diese Nachricht wurde am 31.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
