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Wildkatzenparadies Pfälzerwald

Wildkatzen sind scheue und nachtaktive Tiere. Selbst zur Paarungszeit im Frühjahr kriegt man sie deswegen selten zu sehen - aber hören kann man sie bisweilen im Pfälzerwald. Dort leben vermutlich zwischen 200 und 600 der Tiere.

Von Ludger Fittkau | 12.03.2010
    Der Frühling ist Paarungszeit bei Wildkatzen - die Chancen steigen jetzt, im südlichen Pfälzerwald die scheuen Tiere zu hören. Zu sehen bekommt man Wildkatzen selten, die wie graugetigerte Hauskatzen aussehen, nur größer und kräftiger.

    "Aber ganz wichtig ist auch die Zeichnung der Wildkatze. Es ist ein verwaschenes, getigertes Grau im Endeffekt, mit einer hellen Unterfärbung am Bauch. Und der Schwanz ist ganz wichtig, dass der eben auch richtig dick und buschig ist. Und eine schwarze Spitze hat, ein paar schwarze Kringel noch außen rum. Es gibt ja getigerte Hauskatzen. Und das ist halt ein sehr scheues Tier, nachtaktiv, ganz selten auch tagsüber zu sichten und auch wenig in Siedlungsnähe."

    Vanessa Zürrlein ist Diplomumweltwissenschaftlerin und Koordinatorin des Wildkatzenprojektes im Biosphärenhaus. Hauptziel des Projektes: Aufklärung über die Unterschiede zwischen Hauskatze, Wildkatze und den Luchs, der hier auch vereinzelt wieder vorkommt, und konkrete Pflege für hilflose Jungtiere. So bringen Wanderer junge Wildkatzen, die sie im Pfälzerwald finden, oftmals in Tierheime der Umgebung, berichtet Vanessa Zürrlein.

    Doch dort bekomme man die Tiere nicht gezähmt, Wildkatzen bleiben auch im Käfig wild. Deswegen wird im südlichen Pfälzerwald nun ein Wildkatzen-Auffanggehege eingerichtet, um junge oder verletzte Katzen artgerecht zu versorgen. Hauptfeind der Wildkatze in der Region ist der Autoverkehr, so Vanessa Zürrlein.

    "Das ist mitunter der größte Faktor, warum Wildkatzen dezimiert werden, nicht die Natur oder das normale Sterben, sondern die Straßenunfälle."

    Sogenannte Grünbrücken und Wildkatzenkorridore sollen künftig an mehreren gefährlichen Straßenabschnitten die Lebensbedingungen für die Wildkatzen in Rheinland-Pfalz noch einmal verbessern helfen. Neben den Umweltwissenschaftlern im Biosphärenhaus Fischbach sind auch BUND Rheinland-Pfalz und der Hunsrückverein im Norden des Bundeslandes am Wildkatzenprojekt beteiligt. Gemeinsam erstellt man eine Mappe mit grundlegenden Informationen zur Wildkatze. Das Naturschutznetzwerk soll die Tiere von der französischen Grenze bis zur Mosel im Blick haben. Vanessa Zürrlein:

    "Der BUND selbst hat den Schwerpunkt des Wildkatzenkorridors, und der Hunsrückverein richtet auch ein Auffanggehege sowie eine Quarantäne- und Auswilderungsstation ein."

    Eine Ausstellung in einem Nebengebäude des Biosphärenhauses Fischbach soll künftig vor allem Schulklassen über die Wildkatzen informieren. Auch über das, was die Wildkatze vom Luchs unterscheidet. Denn bisweilen bekommt Vanessa Zürrlein Meldungen über Wildkatzen, die wohl eher Luchse sind:

    "Kommt manchmal vor, wenn dann einer sagt: Ja, ich habe eine Riesenwildkatze gesehen, 50 Zentimeter groß, Pinselohren. Dann muss man sagen: Nein, das war dann doch keine. Im Zuge dieser Wildkatzenmeldungen, die bei uns eingehen, sind auch teilweise Luchsmeldungen mit dabei. Ich denke, dass da doch noch ein Bedarf ist, die Leute anhand dieses Projektes aufzuklären und zu sagen: Das ist eine Wildkatze, das ist eine Hauskatze und das ist eventuell der Luchs."

    Doch einen Luchs zu sehen, ist noch einmal um einiges schwieriger, als irgendwann mal eine Wildkatze zu erspähen. Schon deshalb, weil im südlichen Pfälzerwald nur ganz wenige einzelne Luchse leben dürften. Zu hören sind Luchse hier schon eher, genauso wie die Wildkatzen gerade jetzt im Frühjahr.