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StartseiteKultur heuteDie Eifel als Spiegel der Welt25.09.2019

Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2019Die Eifel als Spiegel der Welt

Der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, gestiftet von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk, geht in diesem Jahr an Norbert Scheuer. Der deutsche Schriftsteller mache das lokale Kleine zum Gegenstand höchster Aufmerksamkeit, lobte die Jury.

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Der Schriftsteller Norbert Scheuer (Peter Linden)
Norbert Scheuer erhält den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2019 (Peter Linden)
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Norbert Scheuer: "Winterbienen" Von Bienen und Bombern

Für sein Buch "Winterbienen" erhält Schriftsteller Norbert Scheuer Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2019. Die Kriterien der Preisvergabe: Mit der Auszeichnung soll exemplarisch das bis zum Zeitpunkt der Preisverleihung publizierte literarische Schaffen gewürdigt werden. Ein neues Buch des Preisträgers muss im laufenden Kalenderjahr erschienen sein.

Das Bild zeigt das Cover des Buches "Winterbienen", einen Imker.  (Deutschlandradio / C.H. Beck)Exemplarisch für das Werk von Norbert Scheuer: "Winterbienen" (Deutschlandradio / C.H. Beck)

Zur Begründung erklärte die Jury: "Alle Dinge dieser Welt sind einander ähnlich. Das Kleinste korrespondiert mit dem Größten, und noch im Kontrast steckt Verwandtschaft. Nikolaus von Kues ist einer der Philosophen, die diese Einsicht durch die Zeiten getragen haben. Bis heute und bis nach Kall in der Eifel, wo der Schriftsteller Norbert Scheuer lebt.

Er hat seinen kleinen Eifelort in bisher acht Romanen zum Spiegel der Welt gemacht, und in jedem seiner Bücher das lokale Kleine zum Gegenstand höchster Aufmerksamkeit gesteigert. Damit hat er zugleich einen großen metaphorischen Raum geöffnet. In seinem Roman "Winterbienen" leisten dies eben jene in unserer Gegenwart über alles geschätzten, ja geradezu verehrten Insekten, die zu Tausenden einen gemeinsamen Körper bilden.

Der Roman spielt in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs, und mit den summenden Bienen auf den Wiesen an der Urft kontrastieren und korrespondieren die alliierten Jagdflugzeuge am westlichen Himmel. Egidius Arimond ist Epileptiker, der versucht, sich mit Medikamenten ruhig zu halten. Dabei ist es doch die kriegerische Außenwelt, die in konvulsivischen Zuckungen tobt. Ohne Aufhebens rettet er jüdische Mitmenschen vor dem Tod, mit Hilfe seiner Bienenvölker.

In "Winterbienen" erreicht Norbert Scheuer eine äußerste Nähe von symbolischem Zeichen und konkreter Realität. In der Form des Tagebuchs findet er zu einer Kompaktheit der Darstellung und einer Gelassenheit der Schreibweise, die jedes Unheil in der Welt überführt in eine neue ästhetische Ordnung. Das macht ihn zu einem einzigartigen realistischen Erzähler unserer Zeit, zu einem poetisch-realistischen Erzähler auch in der Tradition Wilhelm Raabes."

Literaturjournalist Hubert Winkels, Jury-Präsident des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt (picture alliance/Uwe Zucchi) (picture alliance/Uwe Zucchi)Wilhelm-Raabe-Preis für Norbert Scheuers Roman "Winterbienen" 
Es sei "lyrisch modern zerbrochene Prosa, die über die Seiten von Norbert Scheuers Roman flimmert. Ich habe mich in das Buch regelrecht verguckt", sagt Dlf-Redakteur Hubert Winkels zur Vergabe des Wilhelm-Raabe-Preises.

Über den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis

Der Preis wird von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestiftet und ist mit 30.000 Euro dotiert. Er wird am 3. November im Rahmen eines Matinee-Festakts im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters durch den Braunschweiger Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue überreicht. Bereits am Vortag liest Norbert Scheuer dort im Rahmen der Langen Nacht der Literatur. Mit der Verleihung des Wilhelm Raabe-Literaturpreises zeichnen Deutschlandfunk und die Stadt Braunschweig jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk aus. Mit der Auszeichnung soll exemplarisch das bis zum Zeitpunkt der Preisverleihung publizierte literarische Schaffen gewürdigt werden. Ein neues Buch des Preisträgers muss im laufenden Kalenderjahr erschienen sein.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Rainald Goetz, Jochen Missfeldt, Ralf Rothmann, Wolf Haas, Katja Lange-Müller, Andreas Maier, Sibylle Lewitscharoff, Christian Kracht, Marion Poschmann, Thomas Hettche und Clemens J. Setz, Heinz Strunk, Petra Morsbach und Judith Schalansky. Die Jury des Wilhelm Raabe-Literaturpreises besteht aus neun Personen und setzt sich in diesem Jahr zusammen aus Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel (Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V.), Alexander Cammann ("Die Zeit"), Thomas Geiger (Literarisches Colloquium Berlin), Dr. Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig), Katrin Hillgruber (freie Journalistin), Marie Schmidt ("Süddeutsche Zeitung"), Dr. Michael Schmitt (3sat), Prof. Dr. Renate Stauf (Germanistisches Institut, TU Braunschweig) und Dr. Hubert Winkels (Deutschlandfunk).

Programmtipp:
Deutschlandfunk wird den Festakt und eine Lesung des Preisträgers mit anschließendem Gespräch am 30. November von 20.05 bis 22.00 Uhr senden. Auf dem Digitalkanal "Dlf Dokumente und Debatten" ist der komplette Festakt am 3. November ab 11.00 Uhr sowie ein fünfstündiges Literaturprogramm am Vorabend ab 19.00 Uhr live zu hören.

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