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WintersportNeben der Spur?

Die Leistungen der Biathletinnen und Skilangläuferinnen bei den Olympischen Spielen in Sotschi blieben hinter den Erwartungen zurück. Der tragische Freitod einer Nachwuchsathletin und der positive Dopingbefund bei Evi Sachenbacher-Stehle sorgten für weitere Diskussionen. Kam dies alles überraschend oder gab es Hinweise, denen man im Verband hätte nachgehen müssen?

Von Ralf Meutgens | 16.03.2014

Es rumort im deutschen Skilanglauf und Biathlon. Besonders bei den Damen und ganz besonders beim Nachwuchs. Besorgte Eltern hatten sich bereits vor Jahren beim Deutschen und Bayerischen Skiverband gemeldet und ihre Sicht der Dinge dargelegt. Insbesondere die mangelnde Qualifikation der Trainer, ihre fehlende soziale Kompetenz, die Überforderung der jugendlichen Athleten bis hin zu gesundheitlichen Schäden und erlebtes Mobbing wurden kritisiert.
Schule und Ausbildung auf der einen sowie Training und Wettkämpfe auf der anderen Seite seien nur rudimentär vereinbar. Eine Dopingprävention sei unzureichend, dafür würden Nahrungsergänzungsmittel aggressiv beworben.
Neue Nahrung erhält die Diskussion nun durch aktuelle Fälle. Der Freitod einer 19-jährigen Biathletin, die sich mit ihrer Sportwaffe erschossen hat, wird unter Eltern heftig diskutiert. Es steht die Frage im Raum, ob dieser tragische Fall durch einen veränderten Umgang und eine offene Kommunikation zwischen Trainern, Athleten und Eltern möglicher Weise hätte verhindert werden können. Öffentlich will dies aber niemand sagen. Aber auch, wenn es um vergleichsweise banale Nominierungsprobleme von Nachwuchsathletinnen geht, sind die Eltern aus Angst vor Repressionen gegenüber ihrem Kind nicht bereit, an die Öffentlichkeit zu gehen.
Dabei sind ihre Bedenken objektiv nachvollziehbar und Lösungsansätze umsetzbar. Ein Vater meinte, Zitat:
"Wenn mein Kind sportlich nicht mehr aktiv ist, kann ich Ihnen Dinge erzählen, die Sie nicht für möglich halten“.
Der Fall Sachenbacher lässt den Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln in einem neuen alten Licht erscheinen. Auf Veranstaltungen des Deutschen und Bayerischen Skiverbands können Hersteller ihre Produkte nach wie vor bewerben und anschließend Bestellformulare verteilen. Auch wenn diese Produkte nachweislich keine verbotenen Substanzen erhalten, können sie eine Dopingmentalität fördern. Der junge Sportler lernt, dass er etwas nehmen muss, um gut zu sein. Bis heute gibt es für diese Zusammenhänge anscheinend keine Sensibilität bei den Verantwortlichen. Es scheint, dass finanziellen Interessen der Vorzug gegeben wird.
Allerdings sollte man auch die Situation der Trainer bedenken. Der Beruf genießt kein hohes Ansehen, die Bezahlung ist zum Teil miserabel, die Laufzeiten von Verträgen betragen oft nur jeweils ein Jahr. Dinge, über die sich der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, wohl keinen Kopf zu machen braucht. Sein Vertrag dürfte unbefristet sein und soll mit über 300.000 Euro jährlich datiert sein. Transparenz auch hier unerwünscht.