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StartseiteCorso"Wir gönnen uns die Freiheit"11.07.2012

"Wir gönnen uns die Freiheit"

Die Musiker Guaia Guaia leben selbstbestimmt auf der Straße

Die beiden Musiker Elias und Luis leben auf der Straße - freiwillig. Seit zwei Jahren reisen sie durch Deutschland und spielen von Hamburg bis Oberammergau Konzerte auf den Plätzen und Straßen des Landes. Auf dem zweitgrößten Filmfestival Deutschlands in München feierte eine Kinodokumentation über ihr Leben auf der Straße Premiere - und gewann auf Anhieb den Publikumspreis.

Von Patrick Stegemann

Szene aus dem Film "UNPLUGGED:LEBEN Guaia Guaia" (Filmbüro una com)
Szene aus dem Film "UNPLUGGED:LEBEN Guaia Guaia" (Filmbüro una com)
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Elias und Luis sind auf Schlafplatzsuche in Münchens Innenstadt. Die beiden haben vor zwei Jahren ihre Wohnung aufgegeben, um sich auf das zu konzentrieren, was ihnen wirklich wichtig ist im Leben: die Musik. Als Guaia Guaia ziehen quer durchs Land, in drei umgebauten Fahrrädern haben sie ihre Habseligkeiten und ihr Equipment dabei - Boxen, Laptop, Gitarre, Posaune und ein Dieselgenerator.

Kennengelernt haben sich Elias und Luis an einem Gymnasium in Neubrandenburg, hier beginnen sie gemeinsam Musik zu machen, bevor sie in der zehnten Klasse die Schule abbrechen und nach Frankfurt am Main ziehen. Neben Zivildienst und Aushilfsjobs widmen sie sich dort immer intensiver auch der Musik - doch bald schon reicht ihnen das nicht mehr, wie einer der beiden, Elias Gottstein, schildert.

"Es hat uns schon ziemlich gestört, dass wir halt eigentlich genau wie in der Schulzeit ganz viel Zeit für irgendetwas Anderes verwenden mussten. Und dann haben wir halt einen Dokumentationsfilm gesehen über Straßenmusik und der hat uns total fasziniert und da haben wir beide gesagt: Das müssen wir machen, auf modern, nicht mit einem Schifferklavier, sondern mit halbelektronischer Musik."

"Und ich bin wieder auf der Spur, wir werden sehen, wohin sie führt. Endlich bin ich wieder in Fahrt. Hab all meine Sachen gepackt. Ich brauch nicht viel, ich brauche echt nicht viel, Luft und Liebe wäre echt schon viel."

Dieses Leben von Luft und Liebe - ohne Wohnung, Bankkonto und Versicherung - hat der Regisseur Sobo Swobodnik in seinem Kino-Dokumentarfilm "UNPLUGGED:LEBEN" eingefangen. Über ein Jahr begleitete er Guaia Guaia immer wieder auf ihren Reisen. Entstanden ist eine beeindruckende Dokumentation über zwei junge Männer, die das Leben und ihre Musik bedingungslos lieben. Swobodnik gelingt es, das Lebensgefühl von Guaia Guaia einzufangen - ganz ohne unnötiges Pathos.

"Der Film ist auch ein bisschen dreckig und das muss er sein, weil die Jungs auch dreckig sind. Man muss an ihnen riechen, die riechen -finde ich- nach Freiheit, das ist die wahre Freiheit. Und die riecht eben. Also wir wollten auch nichts geschönt haben, sondern wir wollten sie so darstellen, wie wir glauben, dass sie sind oder auch sie glauben, wie sie sind","

schildert Swobodnik die Idee seines Films. Abseits der Straßenromantik widmet er sich auch den ruhigen Momenten und Unwägbarkeiten im Leben der beiden 22-Jährigen, wenn zum Beispiel Elias ohne Krankenversicherung an einer Lungenentzündung erkrankt oder die bezogenen Winterquartiere immer wieder von der Polizei geräumt werden.

Der Film "UNPLUGGED:LEBEN" erzählt die Geschichte zweier passionierter Musiker, er ist aber auch eine Ode an die Freundschaft - und an die Freiheit.

""Straßenmusik machen und unter der Brücke schlafen: Das ist das, was man sieht auf den ersten Blick. Das, was dahinter steckt, ist eigentlich, dass wir machen, was wir wollen. Und wir können uns die Freiheit gönnen."

"Die Sonne geht auf, die Welt geht unter. Ich penn am Strand, seh' ein Wunder. Mehr kann ich nicht gewinnen."

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