
Dessen Sprecher Saaeid kündigte weiteres Engagement für Betroffene an, Zitat: "Wir werden Schutz organisieren". Saaeid sagte in Magdeburg, mit den Themen Migration und Flüchtlinge habe die AfD im Wahlkampf Ängste geschürt. Bei vielen Migranten herrsche nun Sorge über ihre Zukunft. Zwar wisse man noch nicht, welche Regierung komme, meinte Saeeid und führte aus: "Aber wir wissen, welche Angst dieses Ergebnis schon jetzt auslöst". Wenn Menschen ständig als Problem beschrieben würden, werde ihr Alltag irgendwann selbst zum Problem gemacht.
Menschenrechte nicht zu "Verhandlungsmasse" machen
Menschenrechte dürften jetzt nicht zur Verhandlungsmasse werden, hob Saaeid hervor. Das gelte weder für Koalitionsverhandlungen noch für Haushaltsdebatten, die Praxis in den Behörden oder den Umgang mit Geflüchteten. Saeeid appellierte an die demokratischen Parteien, Menschenrechte und sozialen Zusammenhalt zur obersten Leitlinie zu machen. Auf die Sprache und Logik der extremen Rechten sei zu verzichten. "Führen Sie keine Politik auf dem Rücken von Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte", appellierte Saeeid.
In Halle wurde eine Anlaufstelle für besorgte Bürger eingerichtet. Eine Mitorganisatorin des Camps "Sofa" erklärte, man fange hier damit an, offen über die eigene Angst zu reden, statt allein zu Hause zu sitzen. Für die Einrichtung des Camps haben sich den Angaben nach mehrere Initiativen aus Halle zusammengeschlossen. Den Veranstaltern nach waren am Wahlabend rund 1.000 Menschen gekommen. Für heute Abend wurden in mehreren Städten Proteste gegen die AfD angekündigt.
"Die AfD ist keine normale Partei"
Der Geschäftsführer des Netzwerkes Miteinander, Pascal Begrich, sagte, die AfD habe sich zum Ziel gesetzt, NGOs und Flüchtlingsorganisationen zu marginalisieren und ihnen künftig die Landesförderung zu streichen. Dies sei "eine ernste Bedrohung für Menschen mit Migrationsgeschichte" und Engagierte der kritischen Zivilgesellschaft. Der Verein engagiert sich gegen Rechtsradikalismus.
Der Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Christoph Maier, warnte davor, darauf zu setzen, dass die AfD sich in Regierungsverantwortung entzaubern würde. "Die AfD ist keine normale Partei", sagte er. Doch die letzten Wochen hätten gezeigt, dass die Zivilgesellschaft im Land enger zusammengerückt sei. Dies mache Mut.
Sozialverband VdK: "Ausgrenzung mit Ansage"
VdK-Präsidentin Verena Bentele und der Landesvorsitzende des VdK Sachsen-Anhalt, Lutz Schütte-Krietsch, sagten laut Mitteilung: "Was sich heute in Sachsen-Anhalt abzeichnet, wäre kein normaler Regierungswechsel, sondern ein Angriff auf die Würde und Teilhabe von Menschen mit Behinderung". Das Regierungsprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt sei "Ausgrenzung mit Ansage" und weiter: "Inklusion ist kein Ideologieprojekt, sondern ein Menschenrecht".
Jüdische Verbände: Antisemitismus bleibt zentrale Bedrohung
Der Landesverband Jüdischer Gemeinden appellierte an den Staat, die gesellschaftliche Vielfalt zu schützen. "Ein wesentlicher Pfeiler unseres Gemeinwesens ist die freie demokratische Wahlentscheidung", erklärte der in Magdeburg ansässige Verband in einem Positionspapier. Entscheidend für die Zukunft unserer Demokratie sei jedoch, dass auch nach Wahlen der Schutz von Minderheiten, eine lebendige Gedenkkultur und eine wehrhafte demokratische Kultur unerschütterlich bestehen blieben, hieß es. Die Offenheit der Gesellschaft dürfe niemals infrage gestellt werden.
Antisemitismus bleibe eine zentrale Bedrohung für jüdisches Leben, betonte der Landesverband. "Jüdisches Leben in Deutschland gründet auf den Prinzipien der Demokratie, der Unantastbarkeit der Menschenwürde und der freien Religionsausübung." Der Verband benannte Ziele, die "unverändert zukunftsgerichtet" blieben: unter anderem Schutz und Stärkung jüdischen Lebens in Sachsen-Anhalt, Sicherstellung religiöser Freiheit und kultureller Kontinuität, Förderung jüdischer Bildung und Identität, Ausbau von Sicherheits- und Präventionsstrukturen sowie eine konsequente Pflege und Weiterentwicklung der Gedenkkultur. Und: "Die Erinnerung an den Holocaust ist unverhandelbare politische Verantwortung."
Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, Eva Umlauf, erklärte: Die Tatsache, dass nach Thüringen in einem weiteren deutschen Landesparlament eine rechtsextreme Partei als stärkste Fraktion Platz nehmen werde, "hätten wir als Überlebende des Holocaust nie für möglich gehalten".
AfD stärkste Partei
Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Landtagswahl kam die AfD auf 43,8 Prozent, die CDU auf 17,2 Prozent, die SPD auf 9,3 Prozent, die Grünen auf 8,9 Prozent, die Linken auf 8,6 Prozent und das BSW auf 5,3 Prozent. Damit hat die in Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextreme AfD keine absolute Mehrheit für eine Alleinregierung. Das BSW hat als einzige Partei signalisiert, die AfD punktuell zu unterstützen.
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Diese Nachricht wurde am 08.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
