Donnerstag, 05.12.2019
 
StartseiteCorso#MeToo im Deutschrap 06.06.2019

Wirbel um Hustensaft Jüngling und Gzuz#MeToo im Deutschrap

Das Thema "Gangsta-Rap und menschenverachtende Texte" bleibt aktuell: Nach Rapper Gzuz ist auch sein Kollege Hustensaft Jüngling durch sexistische Beleidigungen und Grapschen aufgefallen. Oft "schwappt die Fiktion des Rappers in die Realität über", sagte Autor und Musiker Hannes Loh im Dlf.

Hannes Loh im Corsogespräch mit Anja Buchmann

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Der Sänger Hustensaft Jüngling mit Kappe und Sonnenbrile singt in ein Mikrofon (dpa (Christophe Gateau))
Hustensaft Jüngling bei einem Konzert in Berlin (dpa (Christophe Gateau))
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Der deutsche Rapper Hustensaft Jüngling soll seine Merchandiserin sexistisch beleidigt und begrapscht haben - was er inzwischen zugibt, er hat sich öffentlich entschuldigt und will in Zukunft zudem seine Texte nicht mehr von Drogen, Sex und Waffen dominieren lassen.

Der Hip-Hopper, Autor und Lehrer Hannes Loh arbeitet auch im Unterricht mit Schülern und Schülerinnen zum Thema "Gangsta-Rap und Ethik", diskutiert mit ihnen über die Fragen zu Kunstfigur, Werk und das Bedienen von Klischees, das leider oft auch reales Verhalten prägt.

Mittelschichtskinder und Gangsta-Rap

"Die Kinder, die die Gangsta-Rapper groß gemacht haben, das sind eben nicht die Kids aus Chorweiler oder aus der Nordweststadt, aus prekären Verhältnissen - wenn nur die das hören würden, dann würden wir nicht beim Deutschlandfunk darüber sprechen", meinte Hannes Loh. Es gehe um die Kinder der bürgerlichen Mittelschicht, die zum Gymnasium gehen - und das sei damit auch "eine Klassenfrage", die man ansprechen müsse. In den USA sei in den 1980er- und 1990er-Jahren diese Gattung ebenfalls stark durch die weiße Mittelschicht unterstützt worden.

(Heiner Siefken)Der Autor und Musiker Hannes Loh (Heiner Siefken)

Kunst-Argument und Rap-Journalismus

Viele Hip-Hop-Fans sehen Rap-Songs als Werke, die unabhängig vom Künstler zu betrachten seien - ein Argument, dem sich Hannes Loh nicht anschließen mag: Selbst wenn man sich immer wieder auf das Kunst-Agreement zurückziehe, "werden rassistische, sexistische oder homphobe Ressentiments nicht stärker, auch wenn man sie nur im Spaß benutzt?" Und der Rap-Journalismus, der sich in dieser Thematik kritischer aufstellen sollte, sei häufig nur eine Art "Fanboy-Journalismus, der sich häufig nicht traut, die unangenehmen Fragen zu stellen", so Loh.

Arbeit mit Schülern und Schülerinnen 

In seiner Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern zum Thema erlebe er häufig eine "differenzierte Sichtweise auf das Thema", viele würden sich auch auf das Argument der Kunstfigur bei zum Beispiel sexistischen oder gewalttätigen Texten berufen - auch Al Pacino sei ja kein Mörder, "nur weil er einen spielt". Ihm als Pädagogen sei es wichtig, die Jugendlichen nicht zu bekehren, aber dennoch "klar und deutlich seinen eigenen Standpunkt zu formulieren", sagte Hannes Loh im Corsogespräch. Er hat zusammen mit Stephan Versin einen Workshop zum Thema beim Schüler-Programm des Philosophie-Festivals Phil.Cologne geleitet.  

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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