Vom allseits reduzierten Roman des Miguel de Cervantes Saavedra aus den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts sind in der späten Oper von Jules Massenet fünf relativ knappe Bilder übriggeblieben und ein fundamentales Missverständnis. Ein schönes, sehr französisches Missverständnis: Aus der hässlichen Dorftrampel Dulcinea wurde die schöne urbane Kurtisane Dulcinée - aus einer Kopfgeburt also ein ansehnliches Wesen aus Fleisch und Blut und Launen und Leidenschaft.
Wenn Silvia Tro Santafé zu singen anhebt – zunächst sieht man sie nicht, erst einige Augenblicke später tritt sie aus der Tiefe der Kulisse heraus auf den Balkon in einer hohen tapetenbeschlagenen Wand – dann mischt sich in den etwas akademisch gehaltenen, noch aus dem Geiste Charles Gounods herrührenden Grundton des Werks eine kräftige Portion jener Kunst-Hispanidad, die Massenets früh verstorbener Kollege Georges Bizet mit seiner Carmen unsterblich gemacht hatte:
Die fünf ansprechende Tableaus gestaltete Barbara de Limburg im wesentlich mit Papier: Der Ritter von der traurigen Gestalt ist vom literarisch geprägten Anfang bis zum Tod am wüsten Wegesrain von Papier umgeben und auf Papier gestellt – Regisseur Laurent Pelly zeigt den großen alten Bassisten José van Dam, ganz wie es das Stück will, als Papiertiger im Kampf gegen die Windmühlenflügel, die im Herzensgrunde dann doch guten Räuber und vor allem im Lebenskampf um die unerreichbare Geliebte.
Gewiss fehlt es dem über 70-Jährigen van Dam inzwischen an Stimmkraft in den tieferen Lagen. Wie er aber - ausgestattet in Anspielung auf die Kostümierung bei der Uraufführung des Werks vor 100 Jahren in Monte Carlo - die Theaterfigur Don Quichotte herausprozessiert, wie er noch zu fechten versteht und dann den Abgesang gestaltet, das wurde vom Brüsseler Publikum als ergreifend empfunden und mit Ovationen honoriert.
Papier, Papier, Papier: Don Quichotte entstammt ihm und kommt nicht von ihm los. Unterm Balkon der Dulcinée türmt sich ein wenigstens vier Meter hoher Papierberg. Die legendären Flügel der Windmühlen drehen sich über einer Papierwüste.
Und die wächst noch fürs Räuberlager, in dem der Titelheld die wie Bankiers des frühen 20. Jahrhunderts ausgestatteten Banditen zu tiefreligiösen Gefühlen rührt; sie wird für die Rückkehr Don Quichottes zu Dulcinée charmant möbliert und von den begehrlichen Liebhabern beturnt, schmilzt dann etwas ab für den großen Abschied Don Quichottes und José van Dams. Und dies wird sich in der Erinnerung wohl nachhaltig miteinander verbinden.
Wenn Silvia Tro Santafé zu singen anhebt – zunächst sieht man sie nicht, erst einige Augenblicke später tritt sie aus der Tiefe der Kulisse heraus auf den Balkon in einer hohen tapetenbeschlagenen Wand – dann mischt sich in den etwas akademisch gehaltenen, noch aus dem Geiste Charles Gounods herrührenden Grundton des Werks eine kräftige Portion jener Kunst-Hispanidad, die Massenets früh verstorbener Kollege Georges Bizet mit seiner Carmen unsterblich gemacht hatte:
Die fünf ansprechende Tableaus gestaltete Barbara de Limburg im wesentlich mit Papier: Der Ritter von der traurigen Gestalt ist vom literarisch geprägten Anfang bis zum Tod am wüsten Wegesrain von Papier umgeben und auf Papier gestellt – Regisseur Laurent Pelly zeigt den großen alten Bassisten José van Dam, ganz wie es das Stück will, als Papiertiger im Kampf gegen die Windmühlenflügel, die im Herzensgrunde dann doch guten Räuber und vor allem im Lebenskampf um die unerreichbare Geliebte.
Gewiss fehlt es dem über 70-Jährigen van Dam inzwischen an Stimmkraft in den tieferen Lagen. Wie er aber - ausgestattet in Anspielung auf die Kostümierung bei der Uraufführung des Werks vor 100 Jahren in Monte Carlo - die Theaterfigur Don Quichotte herausprozessiert, wie er noch zu fechten versteht und dann den Abgesang gestaltet, das wurde vom Brüsseler Publikum als ergreifend empfunden und mit Ovationen honoriert.
Papier, Papier, Papier: Don Quichotte entstammt ihm und kommt nicht von ihm los. Unterm Balkon der Dulcinée türmt sich ein wenigstens vier Meter hoher Papierberg. Die legendären Flügel der Windmühlen drehen sich über einer Papierwüste.
Und die wächst noch fürs Räuberlager, in dem der Titelheld die wie Bankiers des frühen 20. Jahrhunderts ausgestatteten Banditen zu tiefreligiösen Gefühlen rührt; sie wird für die Rückkehr Don Quichottes zu Dulcinée charmant möbliert und von den begehrlichen Liebhabern beturnt, schmilzt dann etwas ab für den großen Abschied Don Quichottes und José van Dams. Und dies wird sich in der Erinnerung wohl nachhaltig miteinander verbinden.