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Wirtschaft
Profitgier ohne Grenzen

Unternehmen wie Shell, Gazprom oder Nestlé werden immer wieder mit Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Umweltzerstörung in Verbindung gebracht. Die Nichtregierungsorganisation "Facing Finance" belegt dies in ihrem Bericht "Dirty Profits" und zeigt die Mitbeteiligung von Banken.

Von Verena Kemna | 09.12.2013

    "Dirty Profits", schmutzige Profite, so der Titel des Berichts, der auf mehr als 120 Seiten, Fälle von Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Ausbeutung und Umweltzerstörung belegt. Als Verursacher werden global agierende Unternehmen wie etwa Shell, Gazprom, Nestlé und Adidas genannt, die mit dem Geld europäischer Banken arbeiten. Somit hätten die Finanzhäuser eine Mitverantwortung an den ökologischen und sozialen Schäden, die etwa durch Ölbohrungen oder Minenarbeiten entstehen. Thomas Küchenmeister, Initiator der Kampagne.
    "Also Goldminen in Afrika, Goldminenprojekte, die verwenden giftige Chemikalien um das Gold raus zu waschen und dadurch wird das Grundwasser natürlich extrem verseucht und die Menschen, die davon trinken, sich baden oder waschen, die leiden natürlich enorm darunter."
    Mittels einer Finanzrecherche des Instituts "Profundo" wurden die Geschäftspraktiken von 19 europäischen Finanzhäusern und 26 Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren untersucht. Insgesamt hätten die Banken den Unternehmen in diesem Zeitraum knapp 33 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die zweifelhaften Geschäftspraktiken der Finanzinstitute allen voran die BNP Paribas, die Deutsche Bank und Credit Suisse, erklärt Thomas Küchenmeister so.
    "Also die haben zwei Rollen. Einmal profitieren sie über Beteiligungen, wenn sie Aktien erwerben, sich an den Unternehmen beteiligen oder über Anleihen, die auf dem Kapitalmarkt erhältlich sind, dann profitieren sie über die Zinsen, sprich über die Dividenden. Wenn sie diese Anleihen für Dritte verwalten, dann profitieren sie von den Depotgebühren und das Wichtigste ist, dass sie diese Geschäfte über Anleihen und Kredite befördern."
    Um eigene Auflagen zu umgehen würden sich Banken aus direkter Projektförderung zurückziehen und stattdessen zweifelhafte Projekte über Kredite und Anleihen finanzieren.
    "Die Deutsche Bank ist da ganz vorne in Deutschland. Sie ist die Bank in Deutschland, die wir mit den meisten Verbindungen zu den kontroversen Firmen festgestellt haben, aber auch die DZ Bank und die Commerzbank sind da zu nennen."
    Die Selbstverpflichtungen der Banken reichen seien kein Schutz vor ökologischen und sozialen Fehlinvestitionen, meint Barbara Happe von der Menschenrechts- und Umweltorganisation Urgewald. Der russische Energieriese Gazprom sei ein eklatantes Beispiel für rücksichtslose Profitgier und Umweltzerstörung.
    "Der halt Ölbohrungen in der Arktis geplant unter Bedingungen, die die Wahrscheinlichkeit von Unfällen sehr hoch macht. Gleichzeitig ist bekannt, dass Russland, was Ölunfälle angeht, ganz vorne mit dran steht, dass Millionen Tonnen Öl dort die Gewässer verseuchen. Es ist einfach unverantwortlich, dass Banken bedenkenlos diesem Konzern weiter Unternehmenskredite und Anleihen zur Verfügung stellen."
    Die Umwelt- und Nichtregierungsorganisationen, die sich zu dem Bündnis "Facing Finance" zusammengeschlossen haben, fordern einen Ethikrat, der die Geschäftspraktiken der Finanzinstitute reglementiert. Auch das internationale Steuerrecht sei unzulänglich, betont Thomas Küchenmeister, Initiator der Kampagne. Laut EU-Kommission gingen allein in der EU jährlich etwa eine Billion Euro durch Steuerhinterziehung und Steuerumgehung verloren.
    "Wenn die Wahrung der Menschenrechte sich nicht nur in den Hochglanzbroschüren der Banken abspielen soll, sondern auch Realität abbilden soll, dann müssen Banken sich Regeln geben, die nachweislich und umfassend dafür sorgen, dass diese Menschenrechte auch umgesetzt werden und zwar im Kontext mit den Unternehmen zusammen. Also man muss Einfluss nehmen, man muss Kredite und Anleihen an Bedingungen knüpfen, dass Menschen- und Umweltrechte gewahrt bleiben. Nur so kann es gehen."