Konjunktur
Wirtschaftsforscher erwarten auch 2024 Rezession in Deutschland

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für Deutschland gesenkt. In ihrem Herbstgutachten heißt es, das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2024 um 0,1 Prozent zurückgehen und damit das zweite Jahr in Folge schrumpfen.

    Vorstellung der Wirtschaftsdiagnose Herbst 2024
    Torsten Schmidt (l-r), Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen (RWI), Stefan Kooths, Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel), Pia Hüttl, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Oliver Holtemöller, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Timo Wollmershäuser, ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V., und Geraldine Dany-Knedlik, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) (dpa / Bernd von Jutrczenka)
    Im März war noch ein Plus von 0,1 Prozent vorausgesagt worden. Auch die Prognose für das kommende Jahr wurde gesenkt. Die Forscher rechnen nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Das sind 0,6 Punkte weniger als bisher. 2026 soll es ein Plus von 1,3 Prozent geben.
    Betrachtet man allein die ostdeutsche Wirtschaft, so rechnet das IWH indes mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Grund sei, dass das exportorientierte verarbeitende Gewerbe im Osten eine geringere Bedeutung habe als im Westen.

    Ökonomen: Wirtschaft durch Strukturwandel belastet

    Die Institute erklärten, neben der konjunkturellen Schwäche belaste auch der strukturelle Wandel die deutsche Wirtschaft. Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel und wohl auch der stärkere Wettbewerb mit Unternehmen aus China hätten Anpassungsprozesse ausgelöst, die die Wachstumsperspektiven der deutschen Wirtschaft begrenzten. Auf dem Arbeitsmarkt zeige der wirtschaftliche Stillstand mittlerweile deutliche Spuren.
    Das nach wie vor hohe Zinsniveau und die wirtschafts- und geopolitische Unsicherheit belasten laut Prognose die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die privaten Haushalte wiederum sparten mehr Geld, statt es für neue Wohnbauten oder Konsumgüter auszugeben. Die Sparquote lag demnach zuletzt mit 11,3 Prozent über ihrem langfristigen Niveau.

    "Deutlicher Anstieg der politischen Unsicherheit"

    Als ein Risiko nennen die Institute einen "weiteren deutlichen Anstieg der politischen Unsicherheit". Obwohl die Bundesregierung einen Haushaltsentwurf für das Jahr 2025 verabschiedet habe, hielten Sorgen über eine mögliche Handlungsunfähigkeit der Regierungskoalition weiter an, heißt es mit Blick auf Streitigkeiten in der Ampel-Koalition.
    Erstellt wird die Gemeinschaftsprognose vom RWI in Essen, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel, vom IWH in Halle und vom Berliner DIW.
    Diese Nachricht wurde am 26.09.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.