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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWirtschaft verliert an Dynamik15.05.2018

WirtschaftswachstumWirtschaft verliert an Dynamik

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal 2018 nur noch um 0,3 Prozent gewachsen, schätzt das Statistische Bundesamt. Damit hätte sich das Wachstum im Vergleich zum Vorquartal halbiert. Der Handelskonflikt mit den USA, der starke Euro sowie der Fachkräftemangel zählen zu den Ursachen.

Von Brigitte Scholtes

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Ein Mitarbeiter der ThyssenKrupp Aufzugswerke schweißt in Neuhausen auf den Fildern (Baden-Württemberg) Metall (picture alliance/ dpa/ Inga Kjer)
Fachkräftemangel bremse die Konjunktur in Deutschland, sagt Stefan Schneider, Chefökonom der Deutschen Bank für Deutschland (picture alliance/ dpa/ Inga Kjer)
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Wirtschaftsprognose Positiv - trotz leichter Senkung

Wirtschaftswachstum Deutscher Aufschwung verliert etwas an Schwung

Zum 15. Mal hintereinander ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Vergleich zum Vorquartal gewachsen. Das ist die längste Aufschwungphase seit 1991. Doch es ist mit 0,3 Prozent nur noch ein recht schmales Wachstum, das das Statistische Bundesamt in seiner Schätzung für das erste Quartal errechnet hat. Zwischen Oktober und Dezember hatte es noch zu 0,6 Prozent gereicht. Ökonomen hatten zwar mit noch etwas mehr gerechnet. Doch wirklich überrascht waren sie nicht. Die Gründe: Zum einen gab es verschiedene Sonderfaktoren wie etwa die Grippewelle oder den Streik in der Metallbranche, aber auch außenwirtschaftliche Unsicherheiten wie den Handelskonflikt mit den USA. Die Konjunktur sei geschwächt, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank:

"Der wichtigste Faktor, zumindest der Faktor, den ich hart machen kann als Analyst, ist die Tatsache, dass der Euro gegenüber den Währungen der meisten Handelspartner, stark, nämlich um neun Prozent, aufgewertet hat. Und das hat aus Sicht der Kunden im Ausland die hierzulande hergestellten Güter teurer gemacht."

Getragen wird die Konjunktur weiter vom Inland, vor allem vom privaten Konsum. Die Dynamik nehme ab, allein schon wegen des allmählich spürbaren Fachkräftemangels, sagt Stefan Schneider, Chefökonom der Deutschen Bank für Deutschland:

"Wir hatten ganz überraschend eigentlich eine Verlangsamung schon im zweiten Halbjahr letzten Jahres gesehen. Die hat sich jetzt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwas normalisiert. Von daher im Moment von der hohen Kapazitätsauslastung sollten die Investitionen hoffentlich relativ ordentlich laufen. Aber die Unternehmen werden wahrscheinlich doch etwas vorsichtiger sein im Vergleich zu einem Szenario, wo eitel Sonnenschein in der Weltwirtschaft herrscht."

Wachstumsdelle oder Schwächephase?

Auch in der Wirtschaft des Euroraums ist das zu sehen. Die wuchs zwar mit 0,4 Prozent sogar noch etwas stärker als die Deutschlands. Doch die geopolitischen Schwierigkeiten wie der Handelskonflikt mit den USA oder die unsichere Zukunft des Atomabkommens mit dem Iran sorgen auch die Börsianer: Sie bewerten die Aussichten für die deutsche Konjunktur deshalb auch im Mai weiter schlecht – so schlecht wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Nun fragen sich viele: Ist das nun eine Wachstumsdelle oder eine längere Schwächephase? Jörg Krämer von der Commerzbank:

"In der Vergangenheit gab es ja immer mal solche Phasen, wo das Wachstum nachgelassen hat zwischendurch. Und diese Phasen haben im Schnitt mindestens ein Jahr gedauert. Wir befinden uns in der Mitte einer Wachstumsdelle, die nach meiner Meinung mindestens noch anhalten wird bis zum Jahresende."

Allzu schwarz sieht Stefan Schneider von der Deutschen Bank die nähere Zukunft jedoch nicht:

"Wir haben im Prinzip doch noch ein robustes Beschäftigungswachstum. Auch der Welthandel, trotz der Störung, wächst im Moment noch relativ ordentlich. In Deutschland haben wir sehr hohe Lohnabschlüsse, die auch erst mal stabilisierend wirken, wir haben fiskalisch sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone eher expansive Impulse. Von daher: Verlangsamung ja, ernsthafte Sorgen um die Konjunktur würde ich mir jetzt noch nicht machen."

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