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StartseiteFirmenporträtWissen, was war und was bleibt02.01.2009

Wissen, was war und was bleibt

Hilfe bei der Recherche von Familienstammbäumen

Immer mehr Menschen haben ein Interesse daran, ihre familiären Wurzeln ergründen. Doch Ahnenforschung ist ein kompliziertes Unterfangen. Hilfe kann man bei einem kleinen Unternehmen aus Stuttgart bekommen, dass seit über 40 Jahren Familiengeschichten recherchiert.

Von Uschi Götz

Die Äste der Familie (AP)
Die Äste der Familie (AP)

Frank Lücken blättert in einem Papierstapel, überlegt kurz und schreibt dann einen Satz nach dem anderen in den Computer.

"Und das hier ist jetzt eine sehr umfangreiche Ahnentafel, wo wir die ganzen Vorfahren des Auftraggebers beschreiben. Hier stellen wir, was relativ umfangreich ist, die ganzen Berufe, die die ausgeübt haben, ... also eine relativ weit gestreute Ahnentafel, die, wo ich gerade dran sitze, sitzen in Schleswig-Holstein und waren da Töpfer und Soldaten als Beruf. Also, da versucht man etwas zu den Berufen zu schreiben, und wie die Lebenssituation der Leute war."

Lücken ist Historiker und ist gerade dabei einen Auftrag abzuschließen. Am Ende bekommt der Kunde nicht nur eine Ahnentafel, die weit in das 16. Jahrhundert hineinreicht. Zusätzlich bekommt der Auftraggeber auch seine eigene Familiengeschichte romanhaft in einer über 100-seitigen Chronik zusammengefasst.

Fast wie von selbst wuchs Johann Georg auf diese Weise in die Aufgaben und Arbeiten des Brauwirts hinein, so dass sich dieser Berufswunsch wohl schon früh herauskristallisierte. Doch der frühe Tod des Vaters durchkreuzte solche Pläne.

Was ein Brauwirt macht, ist noch bekannt. Aber was bitte ist ein Schmuser, der sich in einer anderen Familienchronik findet? Der Historiker kennt den alten Beruf: Ein Schmuser war eine Art mittelalterlicher Unternehmensberater. Je weiter zurück die Geschichte geht, umso mehr ist das Wissen des Historikers beim Schreiben der Chronik gefordert: Denn es geht nicht nur um den Stammbaum einer Familie. Pro Heraldica schildert auch die möglichen Lebensumstände wie Kriege, Erdbeben oder Hungersnöte, in denen die Familie lebte.

" Man kann sich dabei etwas denken, was der Wirklichkeit nahe kommt, aber so richtig die Lebensgeschichte der Leute kann man so nicht nachvollziehen also anhand der reinen Daten. Ab und zu findet man noch andere Quellen, dann ist es möglich, aber meistens hat man die halt nicht."

Fast in jedem Winkel der Erde beschäftigt pro Heraldica einen Experten. Historiker, Redakteure und Genealogen. Fachleute, die Land und Leute kennen und schnell an Kirchenbücher und Standesamtakten kommen. Ihre Ergebnisse müssen die Experten dokumentieren; jeder Fund muss per Urkunden belegt und in Stuttgart abgeliefert werden.

"Wir können nicht aus dem luftleeren Raum was erfinden. Diese Daten fügt man hier zusammen. Wir kontrollieren, ob alles da ist und wie plausibel der Fall dann ist. Und dann ist es sehr häufig so, dass die Familien früher sehr mobil waren. Die Migration war damals so hoch wie heute, aus anderen Gründen meistens. Diesen Ansatz zu finden, wo Leute herkamen, die liegen nicht mehr im Bereich des Forschers vor Ort."

Die Fäden laufen in Stuttgart beim einem etwa zehnköpfigen Stammteam zusammen. Bibliothekarin Birgit Schaible koordiniert die Daten und beauftragt in so einem Fall dann einen weiteren Forscher zum Beispiel in der Region, aus der eine Familie einmal ausgewandert war. Bis am Ende Familienstammbau und eine Familienchronik stehen, vergehen zwischen sechs Monate und drei Jahre Recherchezeit. Die Auftraggeber werden immer jünger - sie sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, und nicht wenige sind gerade dabei, ihre Wurzeln zu ergründen. Politiker zählen zur Kundschaft, ebenso namhafte Vertreter aus der Wirtschaft, aber auch ganz normale Menschengeben für den Blick zurück Geld aus. Dr. Rolf Sutter, wissenschaftlicher Leiter bei Pro Heraldica:

"Zu sagen also, unserer ältester Vorfahre, der ist geboren 1576, und ihm folgen jetzt 14 Generationen von Nachfahren. Und unter diesen 14 Generationen, die jetzt schon 400 oder 500 Jahre leben, bin ich selber als Glied dieser Kette. Das heißt, ich bin auch auf dieser Spur so etwas Zeiten überdauernd über meine eigene Endlichkeit hinaus."

Ein fundiert recherchierter Stammbaum plus Dokumentation der Recherche plus Familienchronik kostet mindestens 10.000 bis 15.000 Euro, sagt Petra Vetter kaufmännische Leiterin bei pro Heraldica. Die Kundschaft kann es sich in der Regel locker leisten. Im Foyer der Firma hängt der Stammbaum eines recht bekannten Kunden:

"Ja, das ist der Stammbaum der Familie Porsche. Die dürfen wir auch zu unserem Kundenkreis zählen. Das ist auch eine super spannende Familiengeschichte."

Die um 1600 ihre ersten nachweisbaren Wurzeln hat:

"Das ist wirklich ganz, ganz ordentlich. Wir haben ab den Enkeln 13 Generationen der Familie Porsche hier auf einem Bild."

Bleibt die Recherche erfolglos, muss der Kunde nichts bezahlen. So viel Selbstbewusstsein hat das ansonsten sehr diskrete Unternehmen, das manchmal auch zu hochgesteckte Erwartungen seiner Kunden enttäuschen muss:

"Ein Beispiel: Wir hatten eine Forschung, da hieß es, ja es wird erzählt, dass uns ein Gutshof gehört hat und, und, und. Der Name war ähnlich, wie der des Gutshofs, den gibt es heute noch. Wir haben die Forschung übernommen, haben geforscht, haben Ergebnisse gebracht. Die Vorfahren kamen tatsächlich von diesem Gutshof, aber nicht als Eigentümer."

Ob als Stallknecht oder unehelicher Sohn - über solche und andere unerwartete Forschungsergebnisse werden selbstverständlich nur die Kunden informiert.

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