Frankfurt/Bonn
Wissenschaftlicher Test: Menschen sind kooperativer als gedacht

Menschen sind offenbar weniger egoistisch als allgemein angenommen. Ein Wissenschafts-Team aus Frankfurt und Bonn hat untersucht, ob wir für das Allgemeinwohl bereit sind, mit Fremden zusammenzuarbeiten. Das Ergebnis: Menschen sind kooperativer als gedacht.

    Vier Jungen beim Kletternn. Sie kooperieren, um hinaufzukommen.
    Schon Kinder kooperieren, um ein Ziel zu erreichen. In einer Studie waren die meisten Menschen dazu bereit, selbst wenn das für sie persönlich Nachteile hatte. (imago / Westend61 (Symbolbild))
    Untersucht wurden Entscheidungen von mehr als 100.000 Menschen aus 125 Ländern. Jede teilnehmende Person wurde einer unbekannten Person aus dem eigenen Land zugeordnet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich entscheiden: Kooperieren sie mit einer fremden Person oder nicht? Wenn sie nicht kooperierten, bekamen sie 100 Dollar. Wenn sie kooperierten, bekamen sie nur 70 Dollar. Aber: Wenn beide unabhängig voneinander kooperierten, ging zusätzlich eine 400-Dollar-Spende an eine Organisation, die gegen die Erderwärmung kämpft. Fast 70 Prozent entschieden sich für die Kooperation - also für das Allgemeinwohl, obwohl sie dann selbst weniger Geld bekamen.

    Gründe für die Kooperationsbereitschaft

    Besonders wichtig, so zeigte sich, sind Erwartungen darüber, wie kooperativ andere Menschen sind. Wer glaubt, dass andere ebenfalls kooperieren, kooperiert selbst auch deutlich häufiger. Zudem kooperieren Menschen, die altruistischer, geduldiger und risikobereiter sind, häufiger. Höhere Bildungsabschlüsse wirken sich ebenfalls positiv auf die Kooperationsentscheidung aus. Das Forscherteam fand dagegen keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen und auch keinen Alterseffekt.
    Es zeigte sich auch, dass die Menschen ein falsches Bild von anderen haben. In Deutschland dachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie, dass nur ungefähr 50 Prozent Beteiligten zusammenarbeiten werden. Tatsächlich waren es hier fast 90 Prozent.
    Diese Nachricht wurde am 07.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.