Sonntag, 02. Oktober 2022

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Witthaus: Australien hat eine "sehr, sehr starke Mannschaft"

Neben dem Favoriten Australien sieht Matthias Witthaus, Stürmer in der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, Spanien und die Niederlande als größte Konkurrenten seines Teams bei der Olympiade in London. Es werde für die deutsche Mannschaft "sehr, sehr schwer", den Titel zu verteidigen.

Matthias Witthaus im Gespräch mit Jasper Barenberg | 27.07.2012

    Jasper Barenberg: 29 Jahre ist er jung und zählt doch schon zu den alten Hasen bei den Olympischen Spielen von London: Matthias Witthaus, Stürmer in der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Als mehrfacher Weltmeister, Europameister und als Olympiasieger der Spiele von vor vier Jahren reist er nach Großbritannien, längst Rekord-Nationalspieler, der angekündigt hat, seine Karriere nach London zu beenden. Wie schwer wird es sein, dort die Goldmedaille der deutschen Mannschaft zu verteidigen? Das habe ich Matthias Witthaus vor dieser Sendung gefragt.

    Matthias Witthaus: Ja es wird auf jeden Fall sehr, sehr schwer. Die Konkurrenz ist noch mal größer geworden, es gibt kein leichtes Spiel mehr in der Gruppe, also keinen leichten Gegner. Ich weiß, wie viel Arbeit das ist, wie viel Arbeit das auch in Peking war, und da braucht man auch jede Menge Glück und man kann natürlich auch kläglich versagen. Das muss man schon so ganz deutlich sagen.

    Barenberg: Herr Witthaus, Sie haben gesagt, Australien habe derzeit die beste Mannschaft der Welt. Ist Australien der härteste Konkurrent im Kampf um den Platz auf dem Siegertreppchen?

    Witthaus: Ja auf jeden Fall hat Australien eine sehr, sehr starke Mannschaft, würde ich jetzt auch als Favorit in dem Tournier sehen, wobei wir auch schon in der Vorbereitung jetzt gezeigt haben, dass wir Australien schlagen können. Das haben wir schon zweimal getan. Ich sage mal, wir haben als deutsche Mannschaft natürlich einige Stärken: diese deutsche Härte, dieses absolute Verteidigen und diesen Siegeswillen. Damit können wir dann halt auch so eine überragende Mannschaft wie Australien knacken. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass Australien der Favorit oder der schwerste Gegner ist. Spanien mischt da natürlich oben noch mit, gegen die haben wir gestern im Freundschaftsspiel auch verloren mit 1:2. Dann gibt es natürlich die Holländer, gegen die das natürlich auch immer ein sehr brisantes Duell ist, und die restlichen Mannschaften haben alle Außenseiterchancen, GB hat natürlich hier einen Heimvorteil. Von daher kann man das gar nicht so genau sagen, wer hier der schwerste Gegner ist.

    Barenberg: Sie haben gerade Härte und Siegeswillen genannt als Dinge, die die deutsche Mannschaft auszeichnen. Wo würden Sie sagen liegen die Stärken Australiens?

    Witthaus: Australien spielt ein sehr, sehr offensives Hockey, die setzen die Verteidiger der gegnerischen Mannschaft sehr früh unter Druck. Da ist es am Anfang sehr, sehr schwierig, sich aus dem Pressing zu lösen. Sie spielen sehr körperlich, sehr hartes Hockey auch. Also es ist nicht einfach gegen die Australier.

    Barenberg: Wo Sie sagen, dass die so offensiv spielen – das genau haben Sie ja kritisiert, beziehungsweise Sie haben kritisiert in der Vergangenheit den Trend zu einem defensiven Spiel im Hockey. Was geht dabei verloren Ihrer Meinung nach?

    Witthaus: Ja. Ich meine, das ist jetzt nicht nur im Hockey so, das hat man jetzt bei der Fußball-Europameisterschaft auch gesehen, dass die Mannschaften, die sich besonders hinten reinstellen und destruktiv spielen, oftmals Erfolg haben. Für kreative Spieler ist es natürlich schwieriger, sich auf engstem Raum durchzusetzen, wenn so destruktiv gespielt wird. Verloren geht dabei natürlich ganz klar die Ästhetik. Ich bin ein Spieler, der immer sehr darauf bedacht ist, dass das irgendwo auch schön aussieht. Ich gucke mir auch sehr gerne Hockey-Spiele oder Fußball-Spiele an, bei denen mal ein kleines Kabinettstückchen gezeigt wird, und das wird natürlich immer schwieriger. Australien ist eine Mannschaft, die offensiv spielt, gegen die hat man als Stürmer oder auch als Mittelfeldspieler mehr Räume, auch was für die Offensive zu tun, und ich persönlich mag solche Spiele lieber.

    Barenberg: Was wäre denn so ein Kabinettsstückchen, was Sie gerne sehen, in der eigenen Mannschaft und bei anderen sicherlich auch?

    Witthaus: Ja auf jeden Fall ein Kontertor vielleicht, dass die andere Mannschaft auch einfach offensiv spielt, ein Pressing spielt, dass ein Konter gefahren wird und durch schnelles Kombinationsspiel ein super Tor herausgespielt wird.

    Barenberg: Sie fahren nach London als mehrmaliger Weltmeister, als Europameister, Sie sind vor vier Jahren Olympiasieger mit der deutschen Mannschaft geworden. Wie schwierig ist es für Sie persönlich, sich gegen Ende Ihrer Laufbahn jetzt noch einmal zu motivieren?

    Witthaus: Jetzt vor dem Tournier, so kurz vor dem Tournier ist das natürlich überhaupt kein Problem. Es ist jetzt so, dass die Spannung so langsam steigt, man freut sich total auf die Spiele, man möchte unbedingt einen positiven Abschluss der Karriere finden, deswegen ist das jetzt kein Problem. Was ich ganz deutlich auch zugeben muss ist, dass ich im letzten Jahr beispielsweise schon sehr mit mir gekämpft habe, weil da gab es "nur" eine Europameisterschaft. Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen blöd an oder arrogant an, aber wenn man schon vier oder fünf gespielt hat, dann nimmt natürlich so ein bisschen die Wertigkeit von einer Europameisterschaft ab. Und da ist es schon so, dass man vom Kopf her sehr, sehr stark dagegen arbeiten muss, dass man heiß in die Spiele reingeht. Das muss ich auch schon so sagen. Aber jetzt bei den Olympischen Spielen ist es so, dass es überhaupt kein Problem ist, da noch mal mit absoluter Freude und Siegeswillen reinzugehen.

    Barenberg: Matthias Witthaus, Stürmer der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Witthaus.

    Witthaus: Ja bitte schön!

    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.