
Früher gab es die Päckchen am Nikolaustag, wie der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold erläutert. Dieser sei nach dem Bischof Nikolaus aus der Stadt Myra im antiken Lykien benannt: "Der Legende nach hat dieser heilige Nikolaus Kinder beschenkt. Das taten die Menschen dann auch."
Der Weg vom Nikolaus zum Christkind
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert veränderte sich diese Tradition. "Evangelische Christen lehnten die Verehrung von Heiligen ab. Aber man konnte und wollte den Leuten natürlich das Schenken nicht verbieten“, führt der Theologe weiter aus. Also wanderte der Termin der Geschenke allmählich auf das Weihnachtsfest. An die Stelle des Bischofs trat das Christkind: eine Figur, die an das Kind in der Krippe erinnert. In manchen Ländern gibt es auch am Dreikönigstag Geschenke - passend zu den drei „Königen“ beziehungsweise „Weisen“ aus dem Morgenland, die das neugeborene Jesuskind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenken. Später kommt in vielen Ländern der "Weihnachtsmann" dazu, eine Art Mischung aus Nikolaus, Märchengestalt und einer allenfalls nur noch rudimentär christlichen Werbefigur.
Menschliche Beziehungen
Menschen beschenken sich jedoch schon viel länger, als sie Weihnachten feiern, betont Reinbold: "Das Schenken ist offenbar tief in der menschlichen DNA verankert. Alle Kulturen und Religionen kennen es, schon seit ältester Zeit." Wer beispielsweise eine Beute hatte, gab davon etwas ab. Wer heiratete, wurde beschenkt. Wer Gäste hatte, verteilte Gastgeschenke. Damals wie heute können Geschenke menschliche Beziehungen stärken.
Geschenke in anderen Religionen
Auch in anderen Religionen spielen Geschenkbräuche eine zentrale Rolle: Jüdinnen und Juden schicken zu Purim üppige Essenspakete und zum Lichterfest schimmernde Schokoladentaler. Muslime verteilen zum Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan und zum Opferfest Geldscheine und Süßigkeiten an Kinder. Hindus schenken zu Diwali leuchtende Lampen, Süßigkeiten oder kleine Goldmünzen. "In vielen Religionen zeigt sich eine ähnliche Idee: Wer empfängt, soll Gott oder den Göttern danken und seinerseits schenken", fasst der Experte zusammen.
(Quelle: Evangelischer Pressedienst)
Diese Nachricht wurde am 21.12.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
