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StartseiteCorso„Nicht immer in den Rückspiegel gucken“30.03.2021

Wolfgang Niedecken wird 70„Nicht immer in den Rückspiegel gucken“

Verdamp lang her, dass er geboren ist. Und verdamp lang her, dass die Band BAP bei Ostermärschen und für Die Grünen spielte. Deren Erfolg freut Niedecken: „Wenn ich in Baden-Württemberg sehe, dass das die stärkste Partei ist – das hätte mir vor 40 Jahren einer sagen sollen!“, sagte er im Dlf.

Wolfgang Niedecken im Corsogespräch mit Kolja Unger

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Der Musiker und Sänger Wolfgang Niedecken steht mit Sonnerbrille am Rheinufer. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Blickt lieber nach vorn als zurück: Musiker Wolfgang Niedecken, der 70 Jahre alt geworden ist (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
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Am heutigen Dienstag feiert der Gründer und Frontmann der Kölner Band BAP seinen 70. Geburtstag. Wolfgang Niedecken hat mit der Gruppe Musikgeschichte geschrieben - die Texte auf Kölsch, die Songs in der Tradition von Bob Dylan und den Rolling Stones. Zuvor hatte er sich in jungen Jahren als Maler und bildender Künstler einen Namen gemacht. Für sein soziales Engagement erhielt der Kölner das Bundesverdienstkreuz - so erhebt er die Stimme gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Neben Solo-Projekten steht Niedecken immer noch mit BAP auf der Bühne, allerdings coronabedingt das vorerst letzte Mal im August 2019. Aber 2022 soll das abgesagte Geburtstagskonzert zum 70. Jubiläum nachgeholt werden, wie Wolfgang Niedecken im Deutschlandfunk sagte. 

Vater-Sohn-Konflikt

"Verdamp lang her", der Songtext handele vom Schweigen zwischen seinem Vater und ihm, so Niedecken im Dlf. "In den letzten Jahren haben wir aneinander vorbeigelebt, aneinander vorbeigeredet." Das habe er sehr bedauert, nachdem sein Vater gestorben ist. "Vater-Sohn-Konflikte gibt es in jeder Familie - aber man sollte darüber reden."

BAP und Niedecken haben in den Gründungsjahren der Grünen für die Partei Konzerte gespielt. "Weil wir wussten: Es wird Zeit, dass es so eine Partei gibt." Der aktuelle Höhenflug der Grünen bei den Wahlen und Umfragen freut den 70-Jährigen. "Wenn ich in Baden-Württemberg sehe, dass das die stärkste Partei ist – das hätte mir vor 40 Jahren einer sagen sollen!" Das sei schon auf einem sehr guten Weg.

Die Protestbewegung der sogenannten Corona-Leugner und Impfgegener hingegen löst bei Niedecken Kopfschütteln aus. Zwar könne er Ängste vor einer Impfung verstehen. Aber man könne sich ja über die Vakzine informieren. Er selbst habe Vertrauen in unsere Wissenschaftler. "Was ich allerdings überhaupt nicht abkann, sind die Leute, die versuchen, egal mit welchem Thema, einen Keil in die Gesellschaft zu treiben." Ob beim Thema Flüchtlinge oder der Corona-Angst. Dies sehe er auch bei den Protesten der Querdenker: "Du kannst so viele Regenbogen-Flaggen durch eine solche Demonstration tragen, wie Du willst. Wenn Du dann welche siehst, die mit Reichskrigesflaggen herumlaufen, dann muss dir doch klar werden, dass da etwas falsch ist."

Furcht vor Verdrängungswettbewerb 

Die Musikbranche sieht Wolfgang Niedecken in der Zeit nach der Pandemie in einem gefährlichen Fahrwasser. "Das wird deswegen spannend, weil sobald man wieder darf, werden natürlich ohne Ende Konzerte angeboten, und wir werden alle in eine furchtbare Konkurrenz treten, was ja nicht schön ist." Er müsse ja nicht jemanden verdrängen, nur, um seinen Kram an den Mann zu bringen, sagte Niedecken im Deutschlandfunk.

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