Dienstag, 31. Januar 2023

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Wolken und Netzwerke

Informationstechnik. - Die diesjährige Cebit steht weniger im Zeichen neuer Hardware wie Prozessoren oder Speichertechnologien, sondern vor allem vom Rückgang der Ausstellerzahlen und der genutzten Fläche. Dennoch treiben neue Trends die Branche um. Manfred Kloiber stellt sie im Gespräch mit Uli Blumenthal vor.

03.03.2009

    Blumenthal: Welche Veränderungen der Cebit verbergen sich hinter der Fassade?

    Kloiber: Herr Blumenthal, ich glaube, dass vieles daran liegt, dass natürlich die Computerwelt sich dahingehend verändert, dass vieles in Wolken stattfindet, im Internet stattfindet, alles zunehmend virtualisiert wird. Und das führt dann natürlich auch dazu, dass die Messestände zum Beispiel viel mehr aus Displays bestehen, wo irgendetwas gezeigt wird, abstrahiert wird, aber weniger aus Maschinen, weniger aus Technik. Das lockt dann vielleicht nicht mehr so viele Besucher an und auch die Wirtschaftskrise schlägt hier voll zu, es wird einfach Geld gespart, vieles wird einfach mündlich gemacht, im direkten Kundenkontakt. Das ist nicht zu übersehen. Wobei ich sagen muss, ich war dieses Jahr in der Forschungshalle wirklich positiv angetan. Ich habe viele neue Sachen gesehen, die ich vorher nicht gesehen habe. Allerdings im Industriebereich fand ich es doch eher lau, was neue Technologien angeht.

    Blumenthal: Lassen wir die Verpackung der Cebit einmal beiseite. Was sind die Themen, die die diesjährige Messe ausmachen?

    Kloiber: Das Haupt-Thema der Cebit haben die Messemacher WebCiety genannt – das spielt an auf den großen Trend des Sozialen Netzwerkens, also auf Online-Portale, auf denen man gemeinsame Interessen, Kontakte und Daten synchronisieren und mit anderen teilen kann. Solche Netzwerke, Facebook, Xing oder StudiVZ, die ja bislang vorwiegend privat genutzt werden, will man jetzt in den beruflichen Bereich übertragen und vor allen Dingen mobilisieren – also sie auch auf dem Handy oder dem Netbook zugänglich machen. Netbooks – Taschenbuch große Computer mit Kommunikations- und Multimediafunktionen sind übrigens auch gern gezeigte Stücke. Im Bereich der professionellen IT sind Software as a Service, Virtualisierung und Cloud-Computing die Top-Themen. Das alles wird oft auch in einem Atemzug mit Green-IT genannt – also dem energieeffizienten Einsatz der Informationstechnik. Wesentlicher Ansatz dabei ist, dass jemand, der Rechenleistung benötigt, diese sich nicht mehr in Form eines leistungsfähigen Servers und eigenen Rechenzentrums kauft, sondern genau die Anwendungen, die er zurzeit benötigt, rechnen lässt. Oder anders herum gesagt, er mietet Software und virtuelle Rechner an. Vor allem die Internetservice-Provider bauen gerade ihre Serverparks aus – um hier als Dienstleister auftreten zu können. Dort kann man sich dann virtuelle Maschinen über das Internet mieten. Auf diese virtuelle Maschinen kann ich als Benutzer von überall aus zugreifen – über superschnelles UMTS auch unterwegs im Hotel. So können die Rechenzentren immer optimal ausgelastet werden und damit auch Klimaeffizient arbeiten. Das setzt aber voraus, dass die Softwareanbieter Ihre Unternehmenssoftware so aufsetzen, dass sie in dieser verteilten Rechnerstruktur laufen können.

    Blumenthal: Sie haben die Forschungsstelle schon angesprochen. Dort heißt es "ambient assisted living". Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

    Kloiber: Das meint, dass man Computer und das Internet einspannt, um das Leben angenehmer oder lebenswerter zu gestaltet. Da spielt übrigens das Thema "Älterwerden" eine riesige Rolle. Sehr viele Exponate beschäftigen sich mit der Frage, wie das Internet und Computer Senioren durch den Alltag begleiten können. Interessant ist da zum Beispiel ein Rollator des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Bremen, der behinderte Menschen barrierefrei durch die Wohnung navigiert. Oder Körperfunktionsmonitore, die Informationen über Herzrhythmus oder Blutdruck live an die Klinik senden. Mir hat da eine Studie des Fraunhofer Institutes für Software- und Systemtechnik gut gefallen. Die zeigt nämlich, wie man die Patientenakte, die ein Arzt führt, so elektronisch mit dem Patienten teilen kann. Der Behandlungsplan des Arztes wird so auch auf dem Smartphone oder dem Netbook des Patienten sichtbar.