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StartseiteCorso"Das ist das Einzige, worunter ich nicht leide"01.12.2015

Woody Allen wird 80"Das ist das Einzige, worunter ich nicht leide"

Seine Charaktere sind meistens Beziehungskrüppel, Misanthropen und höchst pedantisch. Und dennoch ersinnt Woody Allen für jeden neuen seiner bislang 45 Filme einen anderen herrlich-skurrilen Plot. Vor 80 Jahren kam der Meister der alltäglichen Absurditäten in Brooklyn zur Welt - eine Hommage.

Von Jörg Albrecht

Woody Allen mit Klarinette  (dpa / picture alliance / epa Okten)
Sein Witz ist jüdisch geprägt, feinsinnig, selbstironisch und voll bitterer Wahrheiten: Woody Allen (dpa / picture alliance / epa Okten)
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O-Ton aus "Irrational Man":

"Und - wie läuft´s?"

"Ich bin blockiert. Kann nicht schreiben.

Sie pflegen ihre Neurosen und werden nicht selten von Depressionen geplagt. Sie sind meistens Beziehungskrüppel und generell Misanthropen. In den Figuren, die Woody Allen für seine Filme entwirft, steckt eine Menge von seiner eigenen Weltanschauung. Nur eine Schreibblockade, wie er sie sich in "Irrational Man" für den von Joaquin Phoenix gespielten Philosophie-Professor ausgedacht hat - die ist Woody Allen selbst völlig fremd.

"Nein, es ist ja ein Vergnügen für mich, ein Hobby, ich schreibe gerne. Manchmal sitze ich auch lange da und es fällt mir nichts ein, aber eine Schreibblockade kenne ich nicht. Das ist das einzige, worunter ich nicht leide. Alles Mögliche stimmt bei mir nicht, aber das gehört nicht dazu."

O-Ton aus "Harry außer sich":

"Wogegen nimmst du die Pillen ein?

"Depressionen. ... dass es wohl das Beste wäre, gar nicht erst geboren zu sein."

Er habe ein starkes Bedürfnis, in den Mutterleib zurückzukehren. In irgendeinen. Eines von zahllosen Woody-Allen-Zitaten, die um das Dilemma der menschlichen Existenz kreisen. Dem begegnet Woody Allen seit jeher mit Humor. Sein Witz ist jüdisch geprägt: feinsinnig, selbstironisch und voll bitterer Wahrheiten.

O-Ton aus "Der Stadtneurotiker":

"Ich möchte nie einem Club angehören, der Leute wie mich als Mitglieder aufnimmt."

Vom Clown zum Neurotiker

Woody Allen wird als Allan Stewart Konigsberg am 1. Dezember 1935 in Brooklyn geboren. Schon als Jugendlicher tut er die Dinge, die er auch heute noch liebt: komische Situationen erfinden und Klarinette spielen. Um sein Taschengeld aufzubessern, liefert er Gags für die Kolumnisten von Tageszeitungen. Ein guter Schüler sei er nicht gewesen. Aber er habe damals entdeckt, dass er Witze schreiben konnte.

" ... I was not a good student. I disovered that I could write jokes. ..."

Seinen Vorbildern, den Marx Brothers und dem Satiriker Lenny Bruce, eifert Woody Allen auch in seinen ersten Drehbüchern und bei seinen Auftritten als Stand-up-Comedian nach. Das Rezept, das auf den Bühnen bestens funktioniert, überträgt er ab Mitte der 1960er-Jahre auf das Medium Film: In skurrilen Komödien wie "Bananas" oder "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten..." gibt Allen den Clown. Dann dreht er 1977 "Der Stadtneurotiker" - im Original "Annie Hall".

O-Ton aus "Der Stadtneurotiker":

"Warum bist du so deprimiert?

"Ich war nicht bei der Therapie. Ich habe verschlafen."

"Das ist eine sehr feindselige Geste mir gegenüber."

"Ich weiß. Wegen unseres sexuellen Problems meinst du."

"Muss denn hier jeder in dieser Schlange über die Häufigkeit unseres Geschlechtsverkehrs informiert werden?"

Der Film, dessen genialer deutscher Titel von nun an als Synonym für Woody Allen dienen wird, gewinnt vier Oscars, darunter die für den besten Film und die Regie.

O-Ton (Oscar-Verleihung 1978): "And the winner is Woody Allen ..."

Um seine Filme zu finanzieren - es ist immerhin einer pro Jahr - hat Woody Allen in den vergangenen Jahren immer häufiger europäische Geldgeber gefunden. Denn in Europa laufen seine Filme erfolgreicher als in den USA.

Die kontinuierliche Arbeit hat sich als sein wirksamstes Antidepressivum herauskristallisiert. Woody Allen selbst spricht von einem nicht besonders aufregenden Leben, in dem Gewohnheiten seinem Alltag Struktur geben. Arbeit sei da schließlich eine wunderbare Ablenkung. Man wache morgens auf und denkt: Bekomme ich diesen Schauspieler oder wird das Drehbuch funktionieren. Alles triviale Probleme, die man lösen müsse. Habe man diese Probleme jedoch nicht, würde man nur zu Hause rumsitzen und darüber nachdenken, dass man älter wird, Alzheimer bekommen könnte oder Krebs.

" ... And if you don´t have those problems, you sit at home ... you start to think about real problems: I am getting older, I could get Alzheimer´s, I could get cancer. ..."

O-Ton aus "Der Stadtneurotiker":

"Vielleicht stecke ich in einer Lebenskrise ... aber ich habe keine Angst vor dem Alter. Zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Zugegeben, es wird hier oben etwas dünnn, aber das kommt auf den besten Köpfen vor..."

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