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World Games Breslau
Die "anderen" Olympischen Spiele

Die World Games in Breslau beginnen am 20. Juli 2017. 111 Länder entsenden annähernd 3500 Sportler, die sich in insgesamt 32 Sportarten messen. Schirmherr ist das Internationale Olympische Komitee, aber die Veranstaltung zeigt eklatante Unterschiede zu den Olympischen Spielen.

Von Heinz Peter Kreuzer | 09.07.2017

    Dirk Schimmelpfennig, DOSB-Vorstand Leistungssport, beim Medientag des World Games Team Deutschland.
    Dirk Schimmelpfennig, DOSB-Vorstand Leistungssport, beim Medientag des World Games Team Deutschland. (Imago)
    Zum ersten Mal gibt es mit "Highlight" auch ein eigenes Lied für die World Games. Die Sängerin und Songwriterin Ruth Hofmann trifft damit den Nerv vieler Sportler, für die die World Games der Höhepunkt ihre Karriere sind. Deshalb, sagt Dirk Schimmelpfenning, Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes, "ist es für die Athleten in den nicht-olympischen Sportarten etwas, auf das man sich vier Jahre vorbereitet hat, und deshalb auch ein ganz großes Event."
    Für das Gros der 186 deutschen Athleten ist das Rampenlicht etwas Neues. Entsprechend beeindruckt zeigte sich Rettungsschwimmer Joshua Perling schon vom Medientag: "Allein schon dort teilzunehmen und dieses Feeling zu spüren, alleine die ganze Veranstaltung, die hier abgelaufen ist, also das in der Presse veröffentlicht wird, das ist einfach was Einzigartiges für uns. Also die World Games haben einen hohen Stellenwert nicht nur für uns, auch bei den anderen Nationen."
    Eine Ausnahme im deutschen Team ist die Bogenschützin Lisa Unruh. Sie stand nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Sommerspielen 2016 in Rio schon einmal kurz im Rampenlicht. In Breslau tritt die Berlinerin in der nicht-olympischen Disziplin Feldbogen an. Für sie alle ist das eine Schaubühne abseits von Olympia - oder aber auch ein Weg dorthin. DOSB-Leistungssportchef Dirk Schimmelpfennig: "Dazu kommt einfach aktuell, dass durch die Agenda 2020 nicht-olympische Sportarten in das olympische Programm aufgenommen werden können. Von daher ist es auch für die olympischen Wettbewerbe der Zukunft eine wichtige Veranstaltung."
    Vier Disziplinen 2020 erstmals olympisch
    So präsentieren sich in Breslau mit Baseball/Softball, Karate, Sportklettern und Surfen vier Disziplinen, die 2020 erstmals zum olympischen Wettkampf-Programm gehören. Aber nicht-olympisch bedeutet nicht, das es sich um Freizeitsport handelt. Joshua Perling betont, Rettungsschwimmen sei absoluter Hochleistungssport – fernab jeder Baywatch-Romantik: "Der Unterschied zwischen Rettern und Sportlern: Wir können Leute retten, aber wir haben uns für den Wettkampfsport entschieden. Und jetzt muss man die Grenze ziehen zwischen denen, die die Küstenwache übernehmen oder auf dem Turm sitzen am Strand, und zwischen uns, die den Rettungssport als Sportart betreiben."
    Bei den letzten Weltmeisterschaften wurden die Deutschen Vierter. Unbeachtet von der Öffentlichkeit. Für Alena Kröhler trotzdem kein Grund, zu den populäreren olympischen Schwimm-Wettkämpfen zu wechseln: "Was das Tolle am Rettungsschwimmen ist, dass es so vielfältig ist. Wir haben so viele verschiedene Disziplinen, sowohl in der Halle, aber auch im Freigewässer. Das heißt, es wechselt sich saisonal auch ein bisschen ab, dass wir über die Wintermonate sehr viel in der Halle trainieren und sobald dann die ersten Sonnenstrahlen da sind, geht es dann ans Meer oder an den See, dann wird dort mit verschiedenen Geräten trainiert, und von daher ist es einfach. Man hat immer etwas anderes zu tun, und es ist sehr, sehr vielfältig."
    Professionelle Vermarktung, größeres Medieninteresse
    Leistungssport abseits des medialen Interesses, da gibt es auch nur wenige Sponsoren, beklagt Faustballer Oliver Späth: "Es ist ja nicht, dass Leute von uns irgendwie auf Firmen oder Unternehmen zugehen und sich gezielt Sponsoren suchen, um über die Runden kommen. Aber klar würde es uns riesig freuen, wenn sich dadurch ein Sponsor finden würde, bei uns zählt jeder Sponsor, und wenn er 500 Euro im Jahr gibt. Ist für uns ein Riesending, es ermöglicht uns eine Fahrt zu einem Auswärtsspiel, ein Hotel oder so was."
    Spontan und improvisiert – so war auch noch die Organisation der World Games 2013 im kolumbianischen Cali. Für Breslau 2017 hat der Weltverband IGWA erstmals professionelle Strukturen geschaffen. Die globale Vermarktung hat die Hamburger Agentur U!Sport übernommen, für die lokalen Sponsoren ist gibt es erstmals auch ein zuständiges Organisationskomitee verantwortlich. Friedhelm Lange vom Beratungsunternehmen Nielsen Sports sieht ein zartes Pflänzchen sprießen: "In der Vermarktung ist man auch bei den World Games eher noch in der Aufbauarbeit. Es gibt Sponsoren, es gibt mit Kaufland einen globalen Sponsor, und es gibt einige nationale Partner. Aber man sieht auch, Sponsoren erwarten eine messbare Leistung und die müssen die World Games jetzt in Breslau liefern. Ich glaube, dann wird auch in Zukunft das Interesse steigern. Im Moment ist es verhalten."
    Auch das Medieninteresse steigt langsam. 120 Länder übertragen die World Games und auch der Olympic Channel des IOC sendet rund um die Uhr. Aber auch hier kein Vergleich mit Olympia, erläutert Lange: "Die World Games sind zurzeit mit Sicherheit noch nicht in der Lage, über ihre TV-Rechte Geld zu verdienen. Es ist ein Multisport-Event, welches sich noch im Aufbau befindet und von daher wird man in das Event, das Produkt investieren, bevor man Erlöse erwarten kann."
    In Deutschland berichtet Sport1 crossmedial auf all seinen Plattformen täglich von dem Multi-Sport-Event. Für das Free-TV sind 90 Stunden eingeplant. Die in Breslau favorisierten Faustballer freuen sich schon auf die Live-Übertragungen vom Halbfinale und Finale.